Bertelsmann-Tochter erhält grünes Licht der Medienwächter für flächendeckenden Auftritt
RTL will ostdeutschen Radiomarkt aufrollen

Deutschlands größter Radiogesellschafter, die RTL Group-Tochter RTL Radio, startet mitten in der Werbekrise unter dem Namen "Radio 89.0 RTL" ein übergreifendes Radiokonzept in Ostdeutschland.

DÜSSELDORF. Bisher betreibt die Bertelsmann-Tochter nur in Berlin einen Radiokanal. An einem Dutzend weiterer Radiosender hält RTL Minderheitsbeteiligungen und hat somit kein Recht zur Markennutzung. Das soll sich jetzt ändern. Mit dem Radiokonzept begibt sich RTL auf Neuland, eine solche Expansion war nach deutschem Medienrecht bislang kaum vorstellbar. Die Radiolandschaft ist von den Medienanstalten der Bundesländer stark reguliert: Nur Radiosender mit möglichst großen Gesellschafterkreisen und ohne einheitlichen Markenauftritt bekamen bisher eine Sendelizenz. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Ostdeutschland treiben viele Investoren aus den Gesellschafterkreisen.

Die Mehrheit in Höhe von 48,5 % an dem defizitären Vorgänger-Sender "Project 89.0 Digital" hatte RTL vor kurzem von der Radio-Holding AVE, einer Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt, Die Zeit), und von der Kölner Verlagsgruppe DuMont Schauberg übernommen. Auch die Beteiligung der beiden Verlagshäuser an dem Schwestersender "Hit-Radio Brocken" hat RTL erworben. Beide Sender "schreiben rote Zahlen", sagt Geschäftsführer Olaf Hopp im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Die Stationen können aber ab 2004 profitabel arbeiten", betont Hopp, der an neuen Strukturen und einer besseren Vermarktung für die Sender arbeitet. "Den Sendern fehlte bisher die klare Linie", erklärt Hopp.

Von Halle in Sachsen-Anhalt aus sendet das Programm auf UKW- und Digital-Frequenz "mit der nahezu identischen Programm-Farbe wie RTL in Berlin", sagt Hopp. "Wir bieten jetzt im Radiomarkt ein weiteres RTL-Produkt, das Werbekunden ansprechen soll", erklärt er. Der Sender gilt als stärkste UKW-Frequenz und kann auch noch in Teilen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen empfangen werden. Die Lizenz ist zunächst bis Ende 2004 begrenzt.

Die private Radiobranche ist stark unter Druck. Seit drei Jahren sinken die Werbeeinnahmen der Sender. Das führte schließlich dazu, dass die Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) RTL genehmigte, die Mehrheit an beiden Sendern zu übernehmen. "Der ostdeutsche Radiomarkt ist wirtschaftlich schwierig", erklärt Verena Schneider, Justiziarin der MSA. "Es ist ein Zeichen der Zeit, dass sich der Hörfunkmarkt konzentriert."

Während die Werbeeinnahmen der TV-Sender bis einschließlich Juli leicht gestiegen sind, nehmen die Radioeinnahmen in Deutschland weiter ab: Laut Nielsen Media Research sind die Brutto-Werbeeinnahmen der Sender um 2,9 % gegenüber dem Vorjahr auf rund 500 Mill. Euro eingebrochen.

Für RTL kommt der Sinneswandel der Medienanstalt wie gerufen. Denn als Mehrheitsgesellschafter von Radiostationen lassen sich Synergiepotentiale zwischen den Sendern, beispielsweise in der Vermarktung von Werbezeiten, besser ausnutzen. Die deutschen Radiobeteiligungen der RTL Group galten in der Holding bisher als Sorgenkinder. Der Ableger des Medienkonzerns Bertelsmann erwirtschaftete in 2002 mit den europäischen Radiobeteiligungen ein Ergebnis (Ebita) von 46 Mill. Euro bei einem Umsatz von 230 Mill. Euro. Deutschland hatte daran nur einen Minimalanteil von 1 Mill. Euro bei einem Umsatz von 13 Mill. Euro.

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