Bertelsmann-Tochter leidet unter Werbekrise
Gruner + Jahr mit radikaler Schlankheitskur

Der Zeitschriftenverlag leidet unter der Flaute auf den Anzeigenmärkten. Die Bertelsmann-Tochter will deshalb die Kosten kappen, um die Umsatzrendite deutlich zu steigern.

lip HAMBURG. Bernd Kundrun, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Gruner+Jahr AG & Co. (G+J) tritt auf die Bremse: Der Verlag soll 2002 mehr als 100 Mill. Euro einsparen. Davon entfallen rund zwei Drittel auf Sachkosten und der Rest auf Personalkosten. So soll die Umsatzrendite des Hamburger Zeitungs- und Zeitschriftenhauses, das unter anderem den "Stern", die "Financial Times Deutschland" (FTD) und die "Berliner Zeitung herausgibt, 2002 auf 6 % und 2003 auf 10 % klettern. Im Kalenderjahr 2001 hatte sie bei rund 3 % gelegen.

Damit macht sich der Verlag offenbar fit für den Börsengang des Gütersloher Mutterkonzerns Bertelsmann AG. Offiziell will G+J erst Anfang nächsten Jahres die Bilanzzahlen nennen. Denn der Verlag legt derzeit ein Rumpfgeschäftsjahr ein, um sich an die Bilanzierung der Muttergesellschaft anzupassen. Das Hamburger Medienhaus hatte mit rund 12 500 Mitarbeitern im Jahr 2000/2001 (30. Juni) ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 260 (451) Mill. Euro erwirtschaftet, der Jahresüberschuss lag bei 40 (284) Mill. Euro.

Auslöser für die radikale Schlankheitskur sind vor allem die rückläufigen Werbemärkte in Deutschland, der Einbruch des US-Geschäfts sowie die nicht aufgegangene Multimedia-Strategie.

Vor allem das Inlandsgeschäft bereitet Kundrun weiter Sorge. Denn der Manager geht davon aus, dass die Anzeigenumsätze erst 2003 wieder moderat anziehen. Er teilt damit nicht die Meinung vieler Konkurrenten, die bereits von einer Belebung im zweiten Halbjahr 2002 ausgehen. Grund für seine Skepsis sei, dass sich die Unternehmen mit ihren Investitionen weiter zurückhalten, da sie zunächst ihre eigenen strukturellen Probleme lösen müssten. Der deutsche Werbemarkt war 2001 erstmals seit den 70er Jahren um 6,3 % zurückgegangen.

Von den flauen Werbemärkten und dem Ende der Börseneuphorie sind vor allem die Wirtschaftsmagazine "Capital" und "Börse Online" betroffen. Hier habe G+J inzwischen Stellenstreichungen vorgenommen, die aber nicht beziffert wurden.

Bei der FTD mit einer verkauften Auflage von 80 361 Exemplaren im ersten Quartal 2002 (davon 30 052 Sonderverkäufe) seien die geplanten wirtschaftlichen Ziele bislang nicht erreicht worden. Dennoch hält G+J an dem Joint Venture mit der britischen Pearson-Gruppe fest und investiere derzeit massiv in die Werbung des Objekts. "Wir werden bei der FTD nicht die Reißleine ziehen", sagt Kundrun. Er wies damit erneut Branchengerüchte zurück, dass der Wirtschaftszeitung das Aus drohe.

Bei der "Berliner Zeitung" will G+J die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessern. Danach soll der Berliner Verlag bereits 2003 in die Gewinnzone steuern. Ob dies mit einem Partner oder im Alleingang erfolgen soll, darüber schweigt sich Kundrun aus. In Branchenkreisen brodelt hingegen die Gerüchteküche. Danach sei G+J nach unternehmensinternen Informationen offenbar bereit, die Mehrheit und die operative Führung an dem Verlustbringer abzugeben.

Probleme bereitet dem G+J-Chef auch das US-Geschäft. Hier rutschte der Verlag vergangenes Jahr in die roten Zahlen. Verantwortlich hierfür seien die Terroranschläge des 11. September, die vor allem die Wirtschaftsblätter hart getroffen hätten. Dort ist G+J mit den Titeln wie "Inc." und "Fast Company" vertreten. Der Verlag hat einen Einstellungs- und Gehaltsstopp verhängt. Zudem strich G+J Stellen im dreistelligen Bereich, um dieses Jahr in die Gewinnzone zu kommen. In USA beschäftigt der Verlag rund 700 Mitarbeiter.

Quelle: Handelsblatt

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