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Bertelsmann und Vivendi offenbar vor Neuordnung

Bertelsmann-Chef Middelhoff wird das Board des französischen Konkurrenten Vivendi Universal verlassen, während die Medienkonzerne offenbar vor einer Neuordnung ihrer gemeinsamen Beteiligungen stehen.

Reuters HAMBURG. Die beiden Medienkonzerne Bertelsmann und Vivendi Universal verhandeln nach Vivendi-Angaben über einen Zusammenschluss im Bereich der Fernsehsportrechte. So solle ein europäisches Unternehmen entstehen, das die Sportrechte-Gruppen der Bertelsmann-Tochter RTL und der Vivendi-Universal-Tochter Canal Plus vereinen würde, teilte Vivendi Universal am Mittwoch in Paris mit. Über eine Neuordnung gemeinsamer Beteiligungen im Musik- und Buchbereich wird den Angaben zufolge ebenfalls verhandelt. Unterdessen kündigte Bertelsmann an, Konzern-Chef Thomas Middelhoff werde das Board von Vivendi Universal verlassen.

Vivendi teilte in Paris mit, ein Zusammenschluss im Bereich der Sportrechte würde die entsprechenden Sparten der Vivendi-Tochter Canal Plus, Sport Plus, und der Bertelsmann-Tochter RTL, Ufa Sports, zusammenbringen. Beteiligt wäre auch die börsennotierte Vermarktungsagentur JC Darmon aus Frankreich, die ihrerseits zu 28 % RTL gehört. Alle drei Partner sollten gleiche Anteile bekommen.

Eine Vereinbarung würde den Bezahlsender Canal Plus und die RTL Group im Sport-Bereich konkurrenzfähiger machen, hieß es bei Vivendi weiter. In Branchenkreisen wird ein Unternehmen, das aus einem solchen Zusammenschluss hervorgehen könnte, als Europas Marktführer für Sportrechte mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 500 Mill. Euro gesehen.

Vivendi Universal war im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss der französischen und kanadischen Mischkonzerne Vivendi und Seagram mit Canal Plus hervorgegangen. Bertelsmann hält 67 % an der RTL Group, 22 % sind im Besitz der britischen Pearson Group und rund 11 % werden an den Börsen in London, Brüssel und Luxemburg frei gehandelt.

Im Buch-Bereich wird Vivendi eigenen Angaben zufolge seinen 50-%igen Anteil an dem gemeinsamen französischen Buch-Club France Loisirs an die Bertelsmann AG veräußern. Verhandelt werde zudem über einen Kauf des Anteils der Bertelsmann Music Group (BMG) an der Webiste GetMusic.com, die Bertelsmann und Vivendi 1999 gestartet hatten. Die beiden in den USA ansässigen Unternehmen BMG und Universal Music sind bisher zu je 50 % an GetMusic beteiligt.

Das Musikgeschäft der Bertelsmann AG steht derzeit vor weitreichenden Veränderungen. So war der Konzern im Herbst eine strategische Allianz mit der umstrittenen Musiktauschbörse Napster eingegangen, die bis Juli in einen auf Mitgliedschaft basierenden Service umgewandelt werden soll. Vivendi Universal schloss nach anfänglicher Ablehnung kürzlich eine Kooperation der Universal Music mit dem neuen Napster-Service nicht mehr aus. Bertelsmann verhandelt unterdessen zudem mit dem britischen Musikkonzern EMI über eine Fusion mit BMG.

Mit dem Rückzug Middelhoffs aus dem Vivendi-Board sollten mögliche Interessenskonflikte zwischen den beiden größten Medienkonzernen Europas vermieden werden, sagte ein Bertelsmann-Sprecher. Der Schritt spiegele aber in keiner Weise eine etwaige Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Unternehmen wider. Middelhoff war seit Mai 1999 als unabhängiger Direktor Mitglied im Board von Vivendi. Seit der Fusion von Vivendi mit Seagram gehört der BMG-Konkurrent Universal Music zu Vivendi.

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