Archiv
Berti bleibt - Russe Jarzew bietet Rücktritt an

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist für Berti Vogts fast schon außer Reichweite, doch der ehemalige Bundestrainer darf bei seinen mit Erfolgen geizenden Schotten weitermachen.

dpa HAMBURG. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ist für Berti Vogts fast schon außer Reichweite, doch der ehemalige Bundestrainer darf bei seinen mit Erfolgen geizenden Schotten weitermachen.

"Wir schauen uns nicht nach einem neuen Coach um. Ein Wechsel um des Wechsels Willen ist nie eine gute Politik", erklärte Geschäftsführer David Taylor vom schottischen Fußball-Verband (SFA) in einem BBC-Interview und sprach Vogts trotz des mageren 1:1 in Moldawien und nur zwei Punkten aus drei Qualifikations-Spielen erneut das Vertrauen aus. Dagegen bot der russische Coach Georgi Jarzew nach der 1:7-Pleite in Portugal seinen Rücktritt an. Bisher sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte Teammanager Alexander Tschernow.

Vogts verwies alle, die ihn nach seiner Zukunft in Schottland fragten, an die SFA-Verbandsspitze. Nach den Auswahlspielern stellte sich auch Taylor erneut hinter Vogts, den die Alt-Internationalen jedoch unbedingt durch Ex-Nationalspieler Gordon Strachan ersetzt sehen wollen. "Man kann mit diesem Team sicher mehr erreichen. Sogar Guatemala und Sambia stehen in der Weltrangliste vor Schottland", stellte Gordon Mcqueen fest. Auch Ex-Teamkapitän John Collins forderte Vogts' "sofortige Ablösung" durch Strachan.

Vogts' russischer Kollege Jarzew war nach dem Debakel in Portugal außer sich: "Das ist eine Schande, ein Desaster. Nach so einem Spiel kann ein Trainer nicht im Amt bleiben." Aus Protest gegen die lasche Einstellung seiner Kicker, die keine einzige Anweisung befolgt hätten, verließ er seine Bank beim Stand von 1:6 vorzeitig. "Nach dem, was ich gesehen habe, wollen einige Spieler nicht mehr mit mir zusammenarbeiten", erkannte Jarzew. "Auch wenn die Spieler einen Teil der Verantwortung mittragen", bot er dem Verbandschef noch auf dem Rückflug seine Demission an.

Die Fußball-Großmächte waren im Aufwärtstrend - außer Spanien. Die Iberer liegen nach dem 0:0 in Litauen mit fünf Punkten hinter Serbien- Montenegro (7) und Litauen (5) nur auf Rang drei und mussten erneut heftige Kritik einstecken. "Litauen bot wenig, Spanien noch weniger", kritisierte "As" die Elf. "Sie ist ein Nichts." Dagegen bejubelte das Nachbarland Portugal seine Helden, die noch über ein 2:2 in Liechtenstein nicht hinausgekommen waren. "Das Desaster von Liechtenstein ist Euch vergeben! Das Alvalade-Stadion erlebte eine Nacht der Zauberer", meinte "A Bola". "Was für tolle Jungs", schrieb "O Jogo" und "Record" fasste zusammen: "Portugal feiert einen historischen Kantersieg. Die Versöhnung mit den Fans ist perfekt."

Einen Sieg in 90 spektakulären Minuten feierte Italien in der Gruppe sechs beim 4:3 über Weißrussland. Dabei überragte der zweifache Torschütze Francesco Totti im ersten Match nach seiner Spuck-Sperre von der Euro 2004. "Tottis Riesenspiel. Er verjagt die Sorgen", schrieb "La Gazzetta dello Sport" über den Star, der die Presse boykottiert, aber Leistung sprechen lässt und Italien an die Spitze der Gruppe sechs zurück führte. Als Doppel-Torschützen nährten Ruud van Nistelrooy für die Niederlande (3:1 über Finnland) und Jan Koller für Tschechien (3:0 in Armenien) die WM-Chancen ihrer Teams in Gruppe 1.

England (10) liegt in der Gruppe sechs dank des 1:0 in Aserbaidschan weiter vor Polen (9). "Es war eine große Ehre, Kapitän des Teams zu sein", meinte Siegtorschütze Michael Owen. Fast noch wichtiger war Frankreichs 2:0 auf Zypern, denn Raymond Domenechs Trainerposten wäre in Gefahr geraten. Glanz versprühten die Blauen, für die Wiltord und Henry trafen, jedoch nicht. "Das ist immer noch schlecht, aber das Wesentliche ist erreicht. Die Blauen sind Tausend Tode gegen die Zyprer gestorben, die sie oft in Gefahr brachten", so "Le Parisien".

Historische Siege verbuchten zwei Fußball-Zwerge. Nach 30 Pleiten mit insgesamt 9:89 Toren gewann Andorra sein erstes Pflichtspiel vor 116 Fans 1:0 gegen Mazedonien. "Dieser Erfolg geht in die Geschichte ein", titelte "El Periòdic d'Andorra". Zuvor hatte Andorra nur in Freundschaft gegen Weißrussland und Albanien gewonnen. Liechtenstein mit Ex-Bundesliga-Trainer Martin Andermatt gelang in Luxemburg mit 4:0 der erste Auswärts- und zugleich höchste Länderspiel-Erfolg der 70-jährigen Verbands-Historie. Dagegen wartet Luxemburg auf den ersten Sieg seit 1995. Nur etwa 50 unentwegte Anhänger reagierten mit Frust und beschimpften die eigenen Kicker: "Ihr seid so lächerlich."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%