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„Berti Mcvogts“ erlöst die Schotten

Der Rücktritt von Berti Vogts als schottischer Nationaltrainer ist in der britischen Presse als Erlösung gefeiert worden. Wie in einem Königsdrama habe sich Vogts „in sein eigenes Schwert gestürzt“, um seiner Hinrichtung zuvorzukommen, titelte der „Daily Telegraph“.

dpa LONDON. Der Rücktritt von Berti Vogts als schottischer Nationaltrainer ist in der britischen Presse als Erlösung gefeiert worden. Wie in einem Königsdrama habe sich Vogts "in sein eigenes Schwert gestürzt", um seiner Hinrichtung zuvorzukommen, titelte der "Daily Telegraph".

Schließlich galt es als wahrscheinlich, dass sich der schottische Fußballverband andernfalls von seinem erfolglosen Manager getrennt hätte. "Berti Mcvogts" geht schweren Herzens, aber auch mit schwerer Brieftasche: Nach Informationen der "Times" hat er einen goldenen Händedruck von umgerechnet 750 000 Euro ausgehandelt. Als Favorit für seine Nachfolge gilt der ehemalige Trainer der Glasgow Rangers und des FC Everton, Walter Smith. Er muss "die Trümmer der Vogts-Ära aufräumen" (Times).

Ähnlich wie 1998 als DFB-Bundestrainer und später bei Bayer Leverkusen schimpfte Vogts auch diesmal mächtig auf die die "unakzeptable Macht der Boulevardpresse". Doch auch die seriösen Zeitungen sind sich darin einig, dass der 57-Jährige zu erfolglos war, um noch weitermachen zu können.

"Wenige bezweifeln, dass Vogts nur sehr karge Rohstoffe zur Verfügung standen, doch er hat sich auch nicht gerade als jemand erwiesen, der aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen das Beste zu machen verstand", urteilte der "Independent". Die Probleme hätten schon bei seinen schlechten Englisch-Kenntnissen ("We played a well game") angefangen.

Vogts' Medienschelte stieß auf der Insel, wo die Presse mit Berühmtheiten noch ein ganzes Stück unsanfter umgeht, auf Verwunderung. Die "Times" urteilte: "Vogts behauptet, eine von den Medien angeführte Kampagne habe seinen Sturz verursacht, aber ein Mann, der mit einer 0:5-Niederlage gegen Frankreich begann und mit einem 2:2 gegen die Fußball-Zwerge von den Färöer Inseln weitermachte, hatte Glück, noch so lange dranzubleiben."

Wie es im Falle des Misserfolgs so üblich ist, wurde Vogts nun auch angekreidet, was ihm unter anderen Umständen wohl gerade angerechnet worden wäre: Dass er in zweieinhalb Jahren 64 Spieler zum Zuge kommen ließ, gilt jetzt als Zeichen von Sprunghaftigkeit. Hätte seine Zeit in den Highlands unter einem besseren Stern gestanden, hätte man es wohl als mutig bezeichnet, dass er so vielen jungen Talenten eine Chance gab.

Vogts ist an keiner leichten Aufgabe gescheitert. Als erster Ausländer überhaupt war er von den Schotten engagiert worden. "Ich glaube, das ist ein sehr harter Job für einen Ausländer", lautete der Kommentar von Franz Beckenbauer. Aus seinem Schatten hat Hans-Hubert Vogts, der spröde Mann aus Büttgen am Niederrhein, auch diesmal nicht heraustreten können.

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