Berühmte 2-Pfennig-Münze von 1969 für rund 2 500 DM versteigert
Verborgene Schätze im Portemonnaie

Bei den deutschen Münzhändlern stehen die Telefone nicht mehr still. Die Schlafmünzen- und eine Plakataktion sorgen dafür, dass immer mehr Bürger nach Schätzchen in ihrem Portemonnaie oder in ihren Sparstrümpfen suchen. Das heizt die Nachfrage nach seltenen Stücken an und treibt die Preise in die Höhe.

FRANKFURT/M. Die Bundesbürger drehen derzeit jede Mark zweimal um. Angespornt durch die "Schlafmünzensuche" und eine Plakat-Aktion des Fachverbands Außenwerbung ist die Zahl der Sammler von 1-Pfennig-Münzen bis zu 5-Mark-Stücken sprunghaft in die Höhe geschnellt. Die Folge: Im deutschen Münzhandel stehen die Telefone nicht mehr still. "Gerade war erst wieder ein Artikel in einer türkischen Zeitung, das merken wir dann sofort an der unglaublichen Resonanz", sagt die Mitarbeiterin eines schwäbischen Münzhändlers.

Einerseits stöhnen die Experten über den Medienrummel, auf der anderen Seite hat sich das Geschäft merklich belebt, das Preisgefüge hat sich nach oben verschoben. Vor allem die legendären Rundlinge wie beispielsweise das 50-Pfennig-Stück mit der Umschrift "Bank Deutscher Länder" - statt "Bundesrepublik Deutschland" - aus Karlsruhe (Prägestätte "G") sind teurer geworden, hat Münzhändler Tobias Honscha festgestellt.

In den vergangenen zwölf Monaten hätten sich die Preise teilweise vervielfacht. Je nach Erhaltungsgrad werden von 500 DM aufwärts bis zu mehreren tausend Mark bezahlt. Wer testen will, was ein Geldstück wert ist, kann dazu auch die Datenbankabfrage unter www.honscha.de nutzen. Zu den gut erhaltenen Mythen gehört auch das berühmte 2-Pfennig-Stück von 1969 aus der Prägestätte Hamburg ("J"). Durch einen Produktionsfehler - Abweichungen von der Norm erfreuen die Münzsammler ganz besonders - wurde hier maximal eine Platte aus reinem Kupfer geprägt. Bei einer gesamten Auflage in mehrfacher Millionenhöhe kamen schätzungsweise 500 Stücke in Umlauf, die durch eine besondere Eigenschaft entdeckt werden können: sie reagieren nicht auf einen Magneten.

Erst vergangene Woche soll mal wieder so ein seltenes Exemplar in Baden-Württemberg aufgetaucht sein, gezahlt wurden dem Vernehmen nach 2500 DM. Aber die Stücke sind extrem rar, fast alle Münzhändler sagen, dass ein Sechser im Lotto wahrscheinlicher ist als solch ein Zufallsfund im Portemonnaie. Sobald die 2-Pfennig-Münze am Magnet hängt, ist der Traum vorbei, der Wert fällt dann auf nur noch eine Mark, denn in der Stahl-Kupfer-Ausführung wurden zu dieser Zeit in Hamburg 40 Millionen 2-Pfennige geprägt.

Anstatt nach diesen Raritäten vergeblich Ausschau zu halten, empfiehlt der Bochumer Münzhändler Harald Siewert, sich mehr auf Stücke zu konzentrieren, die noch in ausreichender Zahl in den Münzalben schlummern oder die noch teilweise in Umlauf sind und die erst in Zukunft seltener werden könnten. Die 2-DM-Münzen "Max Planck" beispielsweise hätten - jeweils abhängig von der Prägestätte und dem-jahr - noch Potenzial.

Auch "Willy Brandt" und "Ludwig Erhard" werden in ganz bestimmten Ausführungen teuer gehandelt, ebenso die "2 DM Ähren", die nur 1951 geprägt wurden und wegen der Verwechslungsgefahr mit dem 1 DM Stück schon im Jahr 1958 wieder aus dem Verkehr gezogen wurde. Es soll schon Automatenaufsteller geben, die im Auftrag von Münzsammlern ganz gezielt nach bestimmten 2-DM-Stücken suchen.

Münzhändler plädiert für "antizyklisches Sammeln"

Wie sich der Gesamtmarkt in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist ungewiss. Denn vollkommen unklar bleibt, wie viele Münzen als Andenken oder von Sammlern gebunkert werden. Klaus Fleissner von der Münzhandlung Ritter in Düsseldorf erwartet eine Zweispaltung des Marktes. "Seltenes geht im Preis nach oben, gleichzeitig kommt Massenware auf den Markt, wie etwa die 10-DM-Gedenkmünzen zur Olympiade 1972." Sein Kollege Siewert sieht darin aber auch Chancen, schließlich könnten große Auflagen auch schnell vom Markt verschwinden und dann selten werden, weshalb er mehr für ein "antizyklisches Sammeln" plädiert. Er ist sich aber sicher, dass das abgeschlossene Sammelgebiet deutsche Kursmünzen der Nachkriegszeit "in zehn Jahren wertvoll sein wird".

Übrigens braucht sich kein Sammler Gedanken zu machen, ob er seine deutschen Münzen mit der Einführung des Euros überhaupt noch los wird. Denn die Landeszentralbanken tauschen von der Bundesregierung geprägte Gedenkmünzen, DM-Münzen und Pfennige unbefristet zum Nennwert um, erläutert Münzexperte Pavol Jurecko von der Dresdner Bank. Vielleicht kommen auch die Gedenkmünzen der DDR noch mal groß raus. Manche von ihnen seien detailreicher als die kapitalistischen Gegenstücke, sagt Münzhändler Honscha. Bei den sozialistischen Kursmünzen sieht es dagegen trostloser aus, diese stünden "säckeweise" bei ihm herum.

Bei den Euro-Münzen haben die Sammler noch nicht angebissen. Anfragen ja, Vorbestellungen nein - das ist ungefähr der Tenor im Markt. Die Tatsache, dass die Rückseiten mit unterschiedlichen Symbolen der Teilnehmerländer verziert sind, mache das Horten zu teuer, meint ein Sammler.

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