Berufliche Weiterbildung
Bafög macht den Meister

Gefördert werden soll die Ausbildung von Fachkräften und Existenzgründern. Hierzu wurde das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) - so heißt das "Meister-Bafög offiziell - gründlich reformiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Wirtschaftsministerium stellen dafür mit 97 Millionen Euro bereits 2002 nahezu doppelt so viel Geld zur Verfügung wie im Vorjahr. Bis 2005 sollen die Fördergelder auf 113 Millionen Euro jährlich erhöht werden. Wer bekommt ein Stück vom Kuchen?

Egal ob man eine Berufsausbildung gemacht oder studiert hat, gefördert werden kann grundsätzlich jeder. Einziger Pferdefuß: Bei der Weiterbildung muss man ein neues Fachgebiet erlernen. Zusatzqualifikationen, wie zum Beispiel ein Kurs "Business-English für Betriebswirte", werden nicht gefördert.

Paradebeispiel für eine förderberechtigte Weiterbildung ist die sogenannte Meisterschule: Handwerker lernen betriebswirtschaftliches Know-How, um anschließend einen eigenen Betrieb zu führen. Daher wirbt das BMBF unter dem Titel "Meister-Bafög" für die neuen Fördermöglichkeiten. Dass beispielsweise auch Ingenieure für betriebswirtschaftliche Fortbildungen Geld bekommen können, geht nach Ansicht von Knut Diekmann, Referatsleiter für berufliche Weiterbildung bei der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK), leider unter. "Vom Meister-Bafög fühlen sich eher die Handwerker angesprochen", bedauert er die geringe Werbewirkung bei Industrie und Handel. Gute Resonanz beim Handwerk

In der Tat scheint die Resonanz beim Handwerk deutlich größer. Während Diekmann von der DIHK noch keine gestiegene Nachfrage feststellen konnte, beantwortet Claudia Dietrich vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) täglich drei bis vier Anrufe von Interessenten. "Die meisten Anrufer wissen nicht, wo sie das "Meister-Bafög" beantragen müssen", erläutert die Referentin für berufliche Bildung. In den meisten Bundesländern läuft das Verfahren über das kommunale Amt für Ausbildungsförderung, aber acht Bundesländer haben andere Anlaufstellen. Eine Liste der Ansprechpartner findet sich im Internet unter http://www.meister-bafoeg.info/4_3_adressen.htm.

Die wichtigsten Verbesserungen des neuen Gesetzes sind nach Ansicht der Experten der deutlich höhere Freibetrag und die Erleichterungen für Existenzgründer. Wehmutstropfen blieben aber die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren. Statt bislang nichts, werden jetzt immerhin 35 Prozent der Kosten vom Staat bezahlt. "Leider haben wir uns mit der Forderung von mindestens 50 Prozent nicht durchsetzen können", erläutert Dietrich vom ZDH. Im Vergleich zum Hochschulstudium bleibe immer noch eine deutliche Ungleichbehandlung, meint auch DIHK-Referatsleiter Diekmann. "Für Studierende sind Lehrangebote komplett kostenlos."

Und das bringt die Reform:

  • Die Förderung ist unabhängig davon, ob die Fortbildung in Voll- oder Teilzeit, schulisch oder außerschulisch oder per Fernstudium absolviert wird.
  • Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden mit 35 Prozent bezuschusst, bei den restlichen Kosten hilft der Staat mit einem zinsgünstigen Darlehen. Er beteiligt sich so auch zur Hälfte an den finanziellen Aufwendungen für das Meisterstück. Bislang gab es in diesen Bereichen keinerlei stattliche Hilfen.
  • Alleinstehende können zudem monatlich bis zu 614 Euro Bafög zum Lebensunterhalt bekommen, davon 230 Euro als Zuschuss und 384 Euro als Darlehen. Der Teil, der als Darlehen zur Verfügung gestellt wird, kann jetzt in bis zu sechs Jahre und unter Einbezug des Einkommens zurückgezahlt werden. Vor der Reform waren es lediglich vier Jahre.
  • Für Verheiratete erhöht sich der Darlehensanteil noch um weitere 215 Euro, für jedes Kind gibt der Staat noch 179 Euro dazu. Alleinerziehende werden außerdem mit 128 Euro extra bezuschusst.
  • Weiterer Vorteil des neuen Gesetzes ist der erheblich erhöhte Freibetrag. Bislang wurde alles Vermögen über 10.000 DM mit in die Berechnung der Förderung einbezogen. Jetzt liegt der Freibetrag bei 35.000 Euro. Außerdem werden selbstgenutztes Wohneigentum und Ansparungen für die Existenzgründung nicht mehr eingerechnet.
  • Für Existenzgründer wurde die Frist für eine Gründung oder Übernahme eines Betriebes nach der Meisterprüfung oder Zusatzausbildung von zwei auf drei Jahre verlängert. Außerdem erlässt der Staat das Darlehen aus der Zeit der Weiterbildung bei Existenzgründung zu 75 statt bislang zu 50 Prozent.
  • Eine weitere große Hürde zur Selbstständigkeit wurde ebenfalls abgebaut: Statt bislang zwei Vollzeitbeschäftigte muss der Existenzgründer nur noch zwei sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigen, von denen einer mit seinem Einkommen sogar unterhalb der steuerpflichtigen Einkommensgrenze liegen darf.
  • Nach dem neuen Gesetz wird auch die ungleiche Behandlung zwischen deutschen und ausländischen Berufstätigen gelockert. Ausländer müssen nur noch drei statt bislang fünf Jahre in Deutschland berufstätig gewesen sein, um Förderung erhalten zu können.
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%