Berufskodex für Finanzanalyse
Verschärfungen im Interesse des Anlegerschutzes

Der wegen Fehleinschätzungen und potenziellen Interessenkonflikten in der Vergangenheit des Öfteren scharf in die Kritik geratene Berufsstand der Analysten will sich strengere Verhaltensregeln auferlegen.

Reuters FRANKFURT. Ein neuer Berufskodex für Finanzanalyse sehe klare Verschärfungen im Interesse des Anlegerschutzes vor, teilte die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) am Mittwoch in Frankfurt mit. Der Kodex definiere allgemeine Sorgfaltspflichten bei der Erstellung einer Finanzstudie. So müssten künftig Interessenkonflikte eines Analysten - etwa mit dem eigenen Arbeitgeber oder den zu beurteilenden Unternehmen - in den angefertigten Studien offen gelegt werden. Zudem dürfe der Analyst mit Wertpapieren von Aktiengesellschaften, die er selbst beobachte, künftig nicht mehr handeln. Das Eigenhandelsverbot soll auch für nächste Angehörige des Branchenexperten gelten.

Zudem sollten Studien der Analysten vor der Veröffentlichung nach dem "Vieraugenprinzip" von einem Arbeitskollegen gegengelesen und freigegeben werden. Auch Vergütungsstrukturen sollten offen gelegt werden.

Die im neuen Kodex enthaltenen Berufsgrundsätze sind nach DVFA-Angaben Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem die Vereinigung verloren gegangene Glaubwürdigkeit wieder herstellen möchte. "Der Glaube an die Seriosität der Handlungen und der Informationspolitik von Kapitalmarktakteuren ist nachhaltig erschüttert worden", sagte DVFA-Vorstandssprecher Fritz Rau. Analysten würden interessenmanipuliertes Research, Abhängigkeit vom Investmentbanking und Prognoseungenauigkeit vorgeworfen.

Im Zuge des Einbruchs an den Börsen waren Analysten vielfach in die Kritik geraten. So bemängelten Investoren, dass trotz der Börsenflaute immer noch die Zahl von positiven Aktienbewertungen überwogen habe. Auch stehen Analysten häufig in einem grundsätzlichen Interessenkonflikt. Anleger erwarten von ihnen eine möglichst objektive und neutrale Beurteilung der jeweiligen Unternehmen. Firmenkunden, die an Banken jedoch meist sehr hoch dotierte Aufträge für Börsengänge und andere Investmentmaßnahmen vergeben, streben dagegen eher eine wohlwollende Beurteilung des eigenen Unternehmens durch die Branchenexperten und deren Arbeitgeber an.

Für Verstöße eines Mitglieds gegen den Verhaltenskodex soll das DVFA-Ehrengericht zuständig sein. Dabei reichten die Sanktionen von Verwarnungen über Geldstrafen bis hin zum endgültigen Ausschluss. Das Ehrengericht könne von DVFA-Mitgliedern in Gang gesetzt werden. Aber auch andere Kapitalmarktteilnehmer sollten hier künftig Verstöße melden können. An ein Popularantragsrecht in der DVFA-Satzung sei gedacht, hieß es.

Der neue Finanzkodex soll auch den Umgang der Analysten mit den Medien regeln, hieß es. So hätten Analysten bei der Weitergabe von Kurzfassungen einer Studie und bei Äußerungen in der Öffentlichkeit besonders sorgfältig zu sein. Es müsse dabei stets eine deutlicher Hinweis auf eine gefertigte Langfassung gegeben werden. Zudem solle der Analyst in seinem Haus auf klare Strukturen in seinem Arbeitsbereich hinwirken. Auf diese Weise solle der gesetzlich vorgeschriebenen Trennung von Investmentbanking und Aktienresearch Rechnung getragen werden.

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