Besatzung droht offenbar der Sauerstoff auszugehen
Russisches Atom-U-Boot bei Murmansk auf Grund gelaufen

Nach einem Störfall im Nordpolarmeer ist ein russisches Atom-U-Boot offiziellen Angaben zufolge schwer beschädigt auf Grund gegangen.

Reuters MOSKAU. Der Chef der russischen Marine, Admiral Wladimir Kurojedow, sagte am Montag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Itar-Tass, die "Kursk" weise die Merkmale einer "schweren und ernsten Kollision" auf. Aus Kreisen der russischen Nordflotte verlautete, einige der Besatzungsmitglieder seien möglicherweise tot. Nach Angaben der Marine gab es in dem U-Boot am Sonntag einen technischen Fehler. Die "Kursk" verfüge über keine Atomwaffen. In der Vergangenheit hatte es mehrere Zwischenfälle russischer Atom-U-Boote gegeben.

Kurojedow bezeichnete die Situation der Meldung zufolge als schwierig. Die Chancen für einen positiven Ausgang seien nicht sehr hoch. Er machte keine näheren Angaben über die Kollision, bei der die "Kursk" schwer beschädigt worden sei. Nach seinen Angaben wurde jedes verfügbare Schiff in die Region entsandt.

Ein Marine-Sprecher hatte zuvor in Moskau erklärt, an Bord des U-Boots habe es in der Barentssee einen technischen Fehler gegeben. Der Sprecher wies einen Fernsehbericht zurück, nachdem Wasser in den Bug und die Torpedorohre des U-Boots eingedrungen sei. Er machte keine näheren Angaben über den Fehler an Bord der "Kursk" und deren genaue Position. Nach seinen Angaben wurde der Reaktor des U-Boots abgeschaltet und war unter Kontrolle. Die Werte radioaktiver Strahlung seien normal.

Torpedorohre und Bug voll Wasser

Ein Reporter des russischen Fernsehsenders NTW berichtete vom Stützpunkt der russischen Nordflotte in Seweromorsk, die Besatzung habe das U-Boot auf den Grund bringen müssen, weil die Torpedorohre und der Bug voll Wasser gelaufen seien. Da der Reaktor abgeschaltet worden sei, könne es zu Problemen bei der Sauerstoffversorgung kommen.

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax sind 107 Menschen an Bord der "Kursk", darunter 52 Offiziere. Aus Kreisen des Hauptquartiers der russischen Nordflotte sei verlautet, dass bei dem Unfall möglicherweise einige Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen seien. Die Außenhülle der "Kursk" lasse vermuten, dass diese von einem ausländischen U-Boot oder von etwas anderem gerammt worden sei.

Interfax zufolge wurde das Unterseeboot 1995 in Dienst gestellt. Die "Kursk" gehört zur russischen Antjej-Klasse, die von der NATO Oscar-2 genannt wird. U-Boote dieser Klasse können zeitgleich bis zu 24 Marschflugkörper mit konventionellen oder atomaren Sprengköpfen abfeuern. Die Marschflugkörper vom Typ SS-N-19, die bei der NATO unter der Bezeichnung "Shipwreck" (Schiffswrack) laufen, wiegen sieben Tonnen und haben eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern. Die U-Boote dienen etwa dem Einsatz gegen Flugzeugträger. Sind diese durch die Marschflugkörper manövrierunfähig geschossen worden, können sie von den U-Booten anschließend mit Torpedos versenkt werden. Kommandant der "Kursk" ist der 45-jährige Gennadi Liatschin, der 1978 seine Karriere bei der Marine begann.

Nach Angaben des norwegischen Verteidigungsministeriums sank die "Kursk" in internationalem Gewässer nordöstlich von Murmansk etwa 150 Meter tief, nachdem am Wochenende ein technischer Fehler auftrat. Norwegen sei von Russland offiziell über den Zwischenfall nicht unterrichtet worden. Luft- und Wasseranalysen in Nordnorwegen hätten keine radioaktive Strahlung angezeigt. Die Strahlenschutzbehörde wollte sich zunächst ein Bild von der Situation machen und dann über Maßnahmen entscheiden. Der amtierende Generalsekretär der Behörde, Per Strand, sagte, bislang sei Norwegen nicht betroffen, dennoch werde der Zwischenfall sehr ernst genommen.

Die norwegische Umweltschutzorganisation Bellona zitierte auf ihrer Web-Site (http://www.bellona.no) den ehemaligen russischen Marineoffizier Alexander Nikitin mit den Worten, U-Boote der Oscar-2-Klasse verfügten nicht über Rettungskapseln für die Besatzung. Sollte sich die "Kursk" in einer Tiefe von mehr als 100 Metern befinden, wäre es schwierig, mit Hilfe der Ballasttanks das U-Boot wieder auftauchen zu lassen.

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