Beschäftigte drohen mit hartem Widerstand
Luft für Olympic mit jedem Tag dünner

Die griechische Regierung unternimmt einen letzten Anlauf zur Rettung der staatlichen Fluggesellschaft Olympic Airways.

HB ATHEN. Aktivitäten wie die Bodendienste, die technische Wartung und die Luftfracht sollen in separate Gesellschaften ausgegliedert werden. Der seit Jahrzehnten defizitäre Nationalcarrier soll liquidiert und auf der Basis seiner bisherigen Tochtergesellschaften Macedonian Airlines und Olympic Aviation schuldenfrei, mit einer kleineren Flotte und weniger Personal neu abheben.

Der von den Ministerien für Verkehr und Wirtschaft ausgearbeitete Rettungsplan erinnert in weiten Teilen an das Sanierungskonzept der in die Insolvenz geratenen Schweizer Swissair. Sie kämpft heute als deutlich verkleinerte Swiss allerdings schon wieder mit Problemen.

Griechenlands sozialistischer Ministerpräsident Kostas Simitis hat dem Plan dennoch zugestimmt, das Konzept soll in den nächsten Wochen dem Athener Parlament zur Billigung vorgelegt werden. Bei großen Teilen der Belegschaft stößt das Rettungskonzept dabei auf erbitterten Widerstand.

Nach Informationen des Handelsblatts sieht der Plan vor, die Flotte von 59 auf 34 Maschinen zu verkleinern. Alle interkontinentalen Routen sollen gestrichen, die auf diesen bisher eingesetzten Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A340-300 ausrangiert werden. Die neue Airline soll dann aus Boeing 737-400-Jets und Turboprops der Muster ATR42 und ATR72 bestehen.

Damit wird sich die neue Gesellschaft auf Regionalverbindungen zu den angrenzenden Balkanländern und auf einige Ziel im europäischen Ausland wie Frankfurt, London, Paris, Mailand und Rom konzentrieren. Die Anzahl der Piloten soll von 633 auf rund 400, die der Flugbegleiter von 1 167 auf etwa 500 und das Bodenpersonal von 2 636 auf zirka 900 reduziert werden.

Entlassungen will die Regierung aber vermeiden. "Keiner wird seinen Arbeitsplatz verlieren", versprach Ministerpräsident Simitis schon vor Wochen. Es soll Vorruhestandsregelungen für diejenigen geben, die freiwillig gehen. Wer bleiben will, der muss allerdings mit einer Versetzung zu anderen Staatsunternehmen rechnen.

Mit den Beschäftigten der "Neuen Olympic" sollen neue Arbeitsverträge zu "marktüblichen Konditionen" abgeschlossen werden, heißt es im Athener Verkehrsministerium. Damit droht vor allem den Piloten der Verlust zahlreicher Privilegien. Sie absolvieren bisher im Schnitt deutlich weniger Flugstunden als ihre Berufskollegen anderer europäischer Airlines. Die Pilotengewerkschaft lehnt deshalb Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag ab. Damit bleibt ungewiss, welche Erfolgsaussichten das Rettungskonzept hat.

Insofern rächt sich nun für die griechische Regierung ihr jahrelanges Zaudern. Denn die schwer angeschlagene Fluggesellschaft soll rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen saniert werden. Nun wächst der Zeitdruck mit jedem Tag. Stünde Griechenland bei den Spielen ohne eigene Fluggesellschaft da, wäre das ein Fiasko.

Sicher ist: Lange kann die chronisch defizitäre Airline unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr durchhalten. Sie hat seit der Verstaatlichung 1975 im operativen Geschäft nur Verluste eingeflogen. Seit 1994 scheiterten bereits vier Sanierungs- und Privatisierungsversuche. Im vergangenen Jahr dürfte Olympic einen Verlust von 46 Mill. Euro eingeflogen haben, für das laufende Geschäftsjahr rechnet Verkehrsminister Christos Verelis mit 60 Mill. Miesen.

Außerdem fordert die EU-Kommission von der Fluggesellschaft die Rückzahlung ungerechtfertigter staatlicher Subventionen in Höhe von 194 Mill. Euro. Weil die Athener Regierung die Forderung bisher ignoriert, will die Kommission Griechenland jetzt vor dem Europäischen Gerichtshof verklagen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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