Beschäftigung in der IT-Branche wächst weiter
IT-Spezialisten sind heiß begehrt

Trotz Massenentlassungen bei internationalen IT-Firmen - in Deutschland boomt der Markt zumindest für Fachkräfte weiter. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts. Die Firmen sparen in produktionsnahen Bereichen.

cbu/hst/kk/pos/ruk/slo/tel DÜSSELDORF. "Die Nachfrage nach IT-Spezialisten wird noch eine Reihe von Jahren das Angebot übersteigen, und der Engpass wird sich die nächsten drei Jahren nicht legen", meint Wilhelm Alms, Vorstandschef beim Unternehmensberater Mummert + Partner, der selbst 350 IT-Fachkräfte sucht. Ähnlich schätzt Stefan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte beim IT-Branchenverband Bitcom, die Situation ein: Vor allem kleinere Firmen, die jetzt ihre Geschäftsprozesse digitalisierten und auf E-Commerce setzten, hätten hohen Bedarf.

Zwei gegensätzliche Entwicklungen kennzeichnen derzeit den IT-Markt. Während Technologiefirmen einerseits Tausende von Arbeitsplätzen abbauen, ist von Flaute nichts zu spüren, wenn es um die Nachfrage nach IT-Fach- und Führungskräften geht. Das zeigt eine Umfrage des Handelsblatts bei verschiedenen IT- und Internetfirmen.

Mitarbeiter-Bedarf ist groß

Siemens mit weltweit 464 000 Mitarbeitern sucht in Deutschland nach eigenen Angaben händeringend 2 000 hoch qualifizierte IT-Fachleute. Mannesmann Arcor hat bereits knapp 500 Leute eingestellt, bis Jahresende sollen noch 700 folgen. Der MCI Worldcom-Konzern, der in den USA Tausende Jobs streichen will, sucht in Deutschland Fachleute für den Vertrieb. Diese sind besonders begehrt, ebenso wie Elektro- und Nachrichtentechniker und Netzentwickler. Selbst Telekom-Unternehmen, zuletzt immer wieder durch Entlassungsmeldungen aufgefallen, suchen dringend Mitarbeiter. Colt Telecom GmbH will in diesem Jahr mehr als 200 Mitarbeiter einstellen.

Die rege Nachfrage spiegelt sich auch bei den Gehältern der IT-Spezialisten wider. Sie sollen in diesen Jahr laut Kienbaum-Vergütungsstudie teilweise sogar zweistellig wachsen. Im Durchschnitt bekommt eine IT-Fachkraft 6,5 % mehr Gehalt, eine IT-Führungskraft 5,5 %. Ein Systemorganisator verdient damit 105 000 DM im Jahr, der Leiter Organisation und Informationstechnologie 216 000 DM. Jürgen Rohrmeier, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Kienbaum Unternehmensberatung, geht davon aus, dass die Gehälter der IT-Spezialisten auch in Zukunft noch überdurchschnittlich steigen werden, sieht aber eine gewisse Konsolidierung eintreten.

Produktionsnahe Bereich bauen Stellen ab

Während die Technologieexperten weiter eingestellt werden, streichen die Unternehmen in produktionsnahen Bereichen. So auch bei Dell in den USA. Tom Meredith machte vergangene Woche erst gar keine Anstrengungen, etwas zu beschönigen: "Wir werden unbarmherzig unsere Kosten senken müssen", kündigte der stellvertretende Präsident für Geschäftsentwicklung bei Dell Computer in Round Rock,Texas, jüngst an. Bei Dell müssen 4 % der Belegschaft, rund 1 700 Leute, gehen.

Dell ist nur eines von vielen IT-Unternehmen in den USA, die in den vergangenen Wochen Massenentlassungen bekannt gegeben haben (siehe Tabelle). Auch Siemens in München will rund 6 000 Stellen für geringer qualifizierte Mitarbeiter einsparen, besonders in der Handy-Produktion (2 600 Arbeitsplätze). Im Netzwerk-Bereich werden 3 500 Arbeitplätze abgebaut. Bei Epcos, Europas größtem Hersteller elektronischer Bauelemente, werden in der Fertigung 450 Stellen gestrichen und 600 Leiharbeiterverträge nicht verlängert.

Manche Horror-Nachricht scheint eher zur Beruhigung der Aktienmärkte zu dienen: Der Mobilfunkkonzern Ericsson hat angeblich mehr als 10 000 Arbeitsplätze zu viel. Doch wie der angekündigte Stellenabbau umgesetzt wird, bleibt offen. Nach schwedischem Arbeitsrecht müssen geplante Entlassungen ankündigt werden, auch wenn sie, wie schon zu beobachten, später nicht oder nur teilweise stattfinden.

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