Beschäftigungseffekte noch unklar
Jeder dritte Betriebsrat schließt Arbeitsbündnis

Der Begriff hat Karriere gemacht: Ein "Bündnis für Arbeit" gibt es mittlerweile in rund 30 % der Betriebe mit Betriebsrat. Das geht aus einer Repräsentativbefragung von Betriebsräten hervor, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung jetzt ausgewertet hat.

dc DÜSSELDORF. Obwohl Hauptauslöser für Betriebsvereinbarungen zur Beschäftigungssicherung der Konjunktureinbruch 1993 war, hat sich demnach der Anteil der Betriebe mit Arbeitsbündnissen in den vergangenen zwei Jahren noch einmal um sechs Prozentpunkte erhöht.

Ob die Bündnisse sogar positive Effekte für die Beschäftigung haben, lässt sich laut WSI bisher nicht genau belegen. Immerhin gebe es Indizien dafür, konstatiert Institutsleiter Hartmut Seifert: In 11 % der Fälle haben die Beteiligen eine Ausweitung des Beschäftigungsniveaus in den Betrieben vereinbart. Darüber hinaus schreiben 19 % der Betriebsräte ihren Vereinbarungen einen Beschäftigung schaffenden Effekt zu.

Im Gegensatz zu der Gesprächsrunde beim Bundeskanzler sind die Themen der betrieblichen Bündnisse jedenfalls sehr konkret: Die Arbeitgeber verpflichten sich etwa zum Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen oder sagen Investitionen am Betriebsstandort zu. Im Gegenzug lassen sich die Beschäftigten auf flexiblere Arbeitszeitregelungen ein, auf eine veränderte Arbeitsorganisation oder auf Abstriche bei Lohn- und Gehalt.

Die Arbeitszeit hat dabei den mit Abstand höchsten Stellenwert, so das WSI: Mehr als 80 % der Vereinbarungen betreffen diesen Aspekt. Besonders häufig ist darunter mit einem Anteil von 63 % die Abgeltung von Mehrarbeit durch Freizeit statt Lohnzuschläge. Mit 38 % der Vereinbarungen wird zusätzlich oder stattdessen die Einführung von Altersteilzeit geregelt. Auf mehr Samstagsarbeit einigten sich die Betriebsparteien in jedem zehnten Fall. Die Verlängerung der regulären Arbeitszeit wurde in 12 % der Arbeitsbündnisse geregelt. Eine vergleichsweise geringe Rolle spielt demgegenüber die Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich, so das WSI.

Ein weiteres Fünftel der betrieblichen Bündnisse regelt Einschnitte in Lohn und Gehalt aber auf anderem Wege: Allein in 13 % der Fälle nahmen die Beschäftigten Abstriche bei Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld hin. Auch die Aussetzung von Tariflohnerhöhungen spielt eine große Rolle.

Die Häufigkeit solch förmlicher Vereinbarungen zwischen Management und Betriebsrat hängt stark von der Unternehmensgröße ab: Während sie in kleineren Betrieben nicht nur deshalb seltener vorkommen, weil es dort seltener Betriebsräte gibt, macht ihr Anteil in Unternehmen mit mehr als 1 000 Beschäftigten immerhin 46 % aus. Abgesehen von der Industrie sind betriebliche Bündnisse im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung besonders häufig. Das erklärt sich laut WSI mit besonders umfassenden Vereinbarungen bei Deutscher Telekom und Deutscher Bahn.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%