Beschäftigungsperspektiven verschlechtern sich
Pessimismus im Euro-Raum verstärkt sich

Die Talfahrt der Konjunktur in der Euro-Zone macht sich nun nicht nur in weiter verschlechterten Stimmungsindikatoren, sondern auch in einem Rückgang der Auftragseingänge und der Kapazitätsauslastung bemerkbar.

DÜSSELDORF. Die für die Euro-Zone seit Monaten beschworene Wachstumsbelebung im zweiten Halbjahr ist nicht in Sicht. Die von der Europäischen Kommission gestern veröffentlichten Stimmungsindikatoren vermitteln vielmehr ein unverändert düsteres Bild. So haben sich die beiden zentralen Vertrauenswerte der Kommissionsumfrage im Juli weiter verschlechtert. Das Industrievertrauen sank von - 7 auf - 9 Saldopunkte, das Konsumentenvertrauen von - 5 auf - 7 Punkte. Zudem sackte das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor gleich um sechs Saldopunkte ab.

Vor diesem Hintergrund steht das Szenario von einer Trendwende in den kommenden Monaten zunehmend auf wackligen Beinen. Diese setzt nämlich voraus - hierauf wies gestern etwa die Commerzbank hin -, dass die Frühindikatoren ihre Talfahrt schnellstens beenden. Und danach sieht es derzeit nicht aus. Auch die gestern parallel zu den EU-Daten veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsklima und das Verbrauchervertrauen in Frankreich deuten auf eine weitere Stimmungsverschlechterung.

Industrievertrauen geht weiter zurück

Das Industrievertrauen in der Euro- Zone sank auf den schlechtesten Wert seit Juni 1999 und lag erstmals seither wieder unter seinem langjährigen Durchschnitt. Die Kommission führt die Klimaabkühlung in der Industrie vor allem auf den Einbruch bei den Auftragseingängen zurück. Im Juli ermittelte die Brüsseler Behörde hierfür einen Saldo von positiven und negativen Meldungen von - 5 Punkten. Bei der letzten Erhebung im April hatte der Saldo noch + 4 Punkte betragen.

Zugleich schlug sich der Abwärtstrend nun auch in den realwirtschaftlichen Daten nieder. Die Produktion ging nach Auskunft der befragten Unternehmen in den vergangenen Monaten spürbar zurück. Die Kapazitätsauslastung sank laut Kommission von 83,6 % im April auf 82,9 %. Sie liegt damit freilich immer noch über ihrem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigungsperspektiven verschlechtern sich

Deutlich verschlechtert haben sich in der Industrie auch die Beschäftigungsperspektiven. Der entsprechende Saldo ging von 0 auf - 5 Punkte zurück; in Deutschland fiel er sogar um acht Punkte. Die gestiegenen Arbeitsmarktrisiken sind nach Ansicht von Bankvolkswirten auch ein Hauptgrund für das schwache Verbrauchervertrauen, das stärker sank als von den Analysten erwartet. Die Furcht der EU-Konsumenten vor Arbeitslosigkeit hat laut Umfrageergebnis im vergangenen Monat deutlich zugenommen. Ökonomen - so etwa die Deutsche Bank in einer gestern veröffentlichten Studie - rechnen für die kommenden Monate eher mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote. Daher dürfte sich an diesem Trend zunächst nichts ändern.

Als weitere Ursache für die anhaltende Talfahrt des Verbrauchervertrauens gilt der starke Preisanstieg im bisherigen Verlauf des Jahres. Dieser dürfte nun überwunden sein. Ein weiterer Beleg hierfür ist die Entwicklung der Erzeugerpreise im Juni. Sie sind laut Eurostat gegenüber dem Vorjahr noch um 3,3 % gestiegen. Damit schwächt sich die Teuerungsrate auf der Erzeugerstufe nunmehr seit Oktober 2000 (6,6 %) kontinuierlich ab.

Nachlassender Inflationsdruck

Die Entspannung an der Preisfront lässt Ulrich Kater von der DGZ-Deka Bank - an der Erwartung festhalten, dass sich der private Konsum trotz der verschlechterten Stimmung der Verbraucher demnächst wieder belebt. Kater verweist darauf, dass das Konsumentenvertrauen im Gegensatz zum Industrievertrauen noch deutlich über seinem langjährigen Mittel liege. Zudem sei die realwirtschaftliche Lage unbestritten besser als die Stimmung. Die Verbraucher nähmen beispielsweise Rekord-Benzinpreise zunächst stärker wahr als einen Benzinpreisrückgang. Solche Stimmungseffekte verschwänden aber bei einer dauerhaften Preisberuhigung.

So bleibt den Konjunkturforschern derzeit das Prinzip Hoffnung: Darauf, dass die privaten Haushalte mit dem nachlassenden Inflationsdruck ihre Zurückhaltung ablegen und die Binnennachfrage wieder ankurbeln - und darauf, dass sich mit der bislang bestenfalls schemenhaft erkennbaren Erholung in den USA sich dann auch langsam die Nachfrage aus dem Ausland wieder erholt.

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