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Beschaffungsoptimierung per Internet - ein Irrglaube?

Einsparungen durch internet-basierte Beschaffungsaktivitäten sind in vielen Unternehmen real vorhanden. Doch woher kommen sie wirklich? Die These: Nur ein kleiner Teil ist auf Internet-Technologie zurückzuführen. Der Haupthebel in vielen Unternehmen ist nur die intensivere Beschäftigung mit dem Thema "Strategischer Einkauf".

DÜSSELDORF. Es gilt nach wie vor die alte Kaufmannsregel: "Der Gewinn liegt im Einkauf." Eine Neuinterpretation in Richtung: "Der Gewinn liegt im Internet" geht an der Realität vorbei. So beschreibt Professor Hermann Simon einen Fall aus der Automobilbranche, bei dem im internet-basierten Einkauf von Stahl 15 % Einsparungen erzielt wurden. Seine Feststellung ist, dass nur maximal 2 % der Einsparung dem Internet zuzuschreiben sind - der Rest der Verstärkung von Einkaufsmacht.

Die zentrale Frage für die Praxis lautet: Wie kann ich die Potenziale heben und für mein Unternehmen nutzbar machen? Ein klares Konzept für ein strategisches Beschaffungsmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies gilt ohne Einschränkung - unabhängig davon, ob die Möglichkeiten des Internet genutzt werden sollen.

Nur wenn die Unternehmen ihre Hausaufgaben in Beschaffungsstrategie, -organisation und Human Resources erledigt haben, bringt das Internet Zusatznutzen. Vielmehr gilt: Auch ohne den Einsatz von E-Technologien sind große Optimierungspotenziale in der Beschaffung zu realisieren.

Auch vor dem Hintergrund von E-Business besitzt die IT die Rolle eines - zugegebenermaßen wichtigen - technischen Dienstleisters. Aber ohne Strategie und Vorgehenskonzept sind noch so ausgereifte IT-Lösungen zum Scheitern verurteilt. Mangelhaftes Projektmanagement ist ein anderer Aspekt der Organisation, der für den Misserfolg von Internet-Projekten verantwortlich ist. Nach einer Studie der Boston Consulting Group erreicht nur jedes fünfte E-Procurement-Projekt seine Ziele. Die Gründe sind halbherzige Umsetzung und fehlende organisatorische Veränderungen.

Werden bei den betroffenen Mitarbeitern nicht Wandlungsbereitschaft und-fähigkeit freigesetzt oder aufgebaut, werden die neuen Technologien verstaubt in der Ecke stehen bleiben.

Die Devise heißt: "Erst denken, dann handeln." Eine fehlende klare Zielsetzung sowie keine nachvollziehbare Strategie sind nach einer Studie von Bain & Company oft Kardinalfehler in deutschen Unternehmen, und dies gilt insbesondere für E-Business-Projekte. Schlechte Prozesse werden durch die Nutzung des Internet nicht besser !

Das klassische Handwerkszeug des Beschaffungsstrategen hat seine Bedeutung wie eh und je - seine Relevanz nimmt sogar zu. Es werden sich die Strategen mit durchdachtem Konzept von den Wettbewerbern ohne Plan abheben. Wer auch vor der Internet-Ära seine Hausaufgaben gemacht hat, wird auch mit E-Lösungen zurecht kommen. Wer allerdings in der Vergangenheit diese Spielregeln nicht beherrschte, wird auch durch Internet-Lösungen keinen Blumentopf gewinnen.

Dr. Wolfgang Buchholz ist an der Fachhochschule Wiesbaden.

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