Beschluss der Nationalversammlung
Französisches Gesetz zu "Völkermord" an Armeniern trat in Kraft

dpa PARIS. Der Beschluss der französischen Nationalversammlung, der das türkische Vorgehen gegen die Armenier im Jahre 1915 als Völkermord anerkennt, ist am Dienstag in Kraft getreten. Nach der Unterzeichnung durch den französischen Präsidenten Jacques Chirac wurde die Erklärung des Parlaments, die zu erheblichen Spannungen zwischen der Türkei und Frankreich geführt hatte, im Gesetzesblatt veröffentlicht. Dort heißt es: "Frankreich erkennt öffentlich den Völkermord an den Armeniern aus dem Jahre 1915 an".

Seit der Verabschiedung des Gesetzes am 18. Januar gelten die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden NATO-Partnern als belastet. Als erste Maßnahme löste die Türkei einen 149 Millionen- Dollar-Vertrag mit der französischen Firma Alcatel für einen Aufklärungssatelliten. Möglicherweise wird Frankreich auch von einem geplanten Panzergeschäft ausgeschlossen. Die kommunalen Behörden hatten am Montag in Paris beschlossen, den damals ums Leben gekommenen Armeniern ein sechs Meter hohes Denkmal zu errichten. Die Statue soll im Jahre 2002 errichtet werden.

Das umstrittene Gesetz geht auf Betreiben der einflussreichen und zahlreichen armenischen Diaspora in Frankreich zurück. Ihre Zahl wird auf 350 000 bis 500 000 Menschen geschätzt. In der Türkei, die zu Zeiten des Osmanischen Reiches gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch 2,5 Mill. Armenier beherbergte, gibt es nur noch eine kleine Minderheit.

Hier begann mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges der nach armenischer Sicht "erste Völkermord des Jahrhunderts". Weil die Türken die Armenier als gefährliche ausländische Elemente auf der Seite Russlands sahen, vertrieben sie 1915/1916 fast 1,8 Mill. Menschen Richtung Syrien und Irak. Bei den Deportationen kamen nach armenischen Angaben 1,5 Mill. ums Leben. Die Türkei geht von etwa 200 000 Toten aus, internationale Historiker sprechen von rund 600 000 Toten.

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