Beschränkte Karriereperspektive motivierte zur Gründung
Concord Effekten AG: Ein großer Kleiner

Fast unbemerkt von den Medien ist in Frankfurt aus einem Startup, das als Wertpapierhandelshaus begann, eine spezialisierte Investmentbank mit großer Wachstumsdynamik herangewachsen.

HB DÜSSELDORF. Der Blick aus dem Fenster hat Symbolwert: Wenn die Mitarbeiter der Concord Effekten AG in Frankfurt ihren Blick in die Ferne schweifen lassen, dann erscheinen am Horizont die Banktürme der deutschen Großfinanz. Nähe und Distanz zu den großen Namen kennzeichnen auch den Erfolgsweg des Finanzunternehmens, das als kleiner Broker begann und heute in Nischenmärkten in der führenden Liga mitspielt und einer der Key Player am Neuen Markt ist. Concord ist im Windschatten der Großen, mit denen man mitunter auch Geschäfte macht, selbst ein kleiner Großer geworden.

Karrierefrust war der Antriebsmotor

Was die Gründer motivierte, war jedoch nicht der leicht größenwahnsinnige Ehrgeiz von kaum 30-Jährigen, es den großen Investmentbanken gleichzutun, sondern eher die Frustration: "Als stellvertretender amtlicher Kursmakler an der Frankfurter Börse hatte ich nur eine beschränkte Karriereperspektive", sagt Bernd Groebler, einer der Gründer und heute Mitglied im Vorstand. Die vier Gründer, Dirk Schaper (39), Bernard Groebler (38), Dag Liedtke (40) und Michael Grau (37), allesamt ehemalige Wertpapier-Broker auf dem Frankfurter Parkett, wagten 1995 mit der Gründung der Concord Effekten AG, an der sie noch heute die Mehrheit (53,75Prozent) der Anteile halten, den Schritt in die Selbstständigkeit als freie Börsenmakler. 1998 brachte der Börsengang das für die Expansion notwendige Kapital in die Kassen. Im selben Jahr noch folgte auch die strategische Repositionierung mit der Gründung des Corporate-Finance-Bereichs. Von nun an entwickelte sich Concord in Richtung Investmentbank.

Heute ist Concord mit einem jährlichen Aktienhandelsvolumen von 120 Milliarden Euro (1999) nicht nur eines der größten deutschen Wertpapierhandelshäuser, sondern auch das, was in der Eigenwerbung "fokussierte Investmentbank für Wachstumswerte" heißt. Drei Viertel der Erlöse stammen aus dem Wertpapierhandel (Aktien und Fixed Income), ein Viertel aus dem schnell wachsenden Bereich Corporate Finance.

Concord setzt auf die langfristige Betreuung der Unternehmen

Das Erfolgsrezept des Finanzunternehmens beruht im Wesentlichen auf zwei Punkten: der Erkennung von Nischen und der Fokussierung auf die Wachstumsunternehmen vor allem des Neuen Markts mit der Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette: Als Investmentbank setzt Concord hier auf die langfristige Betreuung der Unternehmen von der Brückenfinanzierung vor der Börseneinführung, der Durchführung des IPO möglichst als Konsortialführer und der weiteren Betreuung der Unternehmensexpansion. Dazu gehören die Begleitung von Kapitalerhöhung, Begehung von Anleihen und das Beratungsgeschäft (M & A). Mit TFG Venture Capital verfügt Concord über einen angegliederten Wagniskapitalgeber. Die enge Anbindung an den skandalträchtigen Neuen Markt stört Concord nicht: Sorgfältige Auswahl und der "langfristig-wertsteigernde Ansatz" (Groebler) hätten bislang dazu geführt, dass sich die Börsengänge, die Concord als Konsortialführer betreut hat, nicht als Flops herausgestellt haben. Die eigene Web-Site IPOnline, die sich an vermögende private Anleger wendet und zu einem Finanzportal ausgebaut werden soll, soll die Marktplatzierungskraft noch weiter stärken.

Beispielhaft für die Nischenstrategie ist der Bereich der Unternehmensanleihen, wo Concord eine auch international bedeutende Stellung erlangt hat. Vom Handelsraum mit Blick auf den Main gehen Standleitungen zu den 80 bis 100 wichtigsten Marktteilnehmern in aller Welt, darunter auch die Crème der internationalen Finanzwelt. "80 bis 100 Geschäfte", erklärt Chefhändler Igor Ristic (31), "werden hier täglich abgewickelt." Tägliches Gesamtvolumen: 400 Millionen Euro. Der Vorteil für die Großbanken: Bei der Abwicklung über Concord bleiben sie anonym. Auch in diesem Bereich zeigt sich Concord innovativ: Jüngst wurde der Handel mit so genannten Credit Default Swaps aufgenommen, komplexen Finanzinstrumenten, mit denen das Konkursrisiko von Unternehmen handelbar geworden ist.

Die Mitarbeiter haben größtmöglichen Entfaltungsspielraum

Man mag die Erfolgsstory dieses Startups als Illustration des so banalen wie selten befolgten Managementprinzips sehen, dass Unternehmen am meisten profitieren, wenn sie ihren (hoch qualifizierten) Mitarbeitern den größtmöglichen Entfaltungsspielraum geben. "Jeder Mitarbeiter denkt hier unternehmerisch", ist der Schlüsselsatz, der im Gespräch mit fast jedem Concord-Mitarbeiter fällt. Die Wege zum Vorstandschef, den viele Mitarbeiter auch duzen, sind kurz, Fehler erlaubt. "Shit happens", sagt ein führender Mitarbeiter lakonisch. Das Betriebsklima wirkt entspannt, geprägt von unkompliziert-selbstbewussten, gut bezahlten Leuten zwischen 30 und 40.

Ideen und große Ziele hat so mancher bei Concord. Felix Schulte (30), Vice President Institutional Sales, arbeitet am Aufbau "eines richtig schönen Auslandsgeschäfts". Nach London und Schottland hat der zweisprachig aufgewachsene Verkäufer nun die USA im Visier. Britta Graf-Tiedtke (32), die vor kurzem von der BNP zu Concord als Deputy Head of Research wechselte, will für deutsche (und europäische) Wachstumswerte die beste Analyse-Abteilung aufbauen, die es in Deutschland gibt: "Wenn jemand an Wachstumswerte denkt, soll er zuerst an Concord denken." Im Anleihenhandel denkt man über den Einstieg in das Geschäft mit hochverzinslichen Staatsanleihen aus Schwellenländern und variabel verzinslichen Anleihen (Floating Rates Bonds) nach. Und auch der Einstieg in das Asset Management wird vorbereitet: "Wir werden im ersten Halbjahr 2001 im Asset Management vertreten sein", kündigt Vorstand Bernd Groebler an.

Alles zu schön, um auf Dauer wahr zu sein? Unverkennbar ist, dass der bisherige Erfolg auch mit der überschaubaren Mitarbeiterzahl von gegenwärtig etwa 150 Angestellten zusammenhängt. Nun wird das Unternehmen zeigen müssen, ob auch bei einer deutlich höheren Mitarbeiterzahl die Devise Bestand hat: "Hier ist jeder ein kleiner Unternehmer in seinem Bereich."

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