Beschränkung der Demonstrationsfreiheit entlang der Gleise bleibt
Castor rollt auf Umwegen weiter

Begleitet von zahlreichen Protestaktionen hat der Castor-Transport seine Fahrt von der französischen Grenze auf einem Umweg nach Gorleben fortgesetzt. Für gewaltfreie Proteste plädierten die Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele und Christian Simmert, die am Abend in Dannenberg erwartet wurden.

ap KASSEL. Begleitet von Protestaktionen hat der Castor-Transport seine Fahrt von der französischen Grenze auf einem Umweg nach Gorleben fortgesetzt. Anders als erwartet fuhr der Zug mit den sechs Atommüllbehältern am Montagmittag vom hessischen Bebra nicht Richtung Göttingen, sondern durch Nordrhein-Westfalen, wie die Polizei mitteilte. In Göttingen hatte es zuvor Gleisblockaden gegeben. Im Wendland setzten Atomkraftgegner ihre Protestaktionen fort.



In der Nacht hatten zwischen 300 und 500 Atomkraftgegner entlang der Bahnstrecke zwischen dem elsässischen Lauterburg und Wörth in der Pfalz den Transport mit Sitzblockaden um rund eine Stunde verzögert. Entlang der Strecke durch Baden-Württemberg, Bayern und Hessen gab es vereinzelt Demonstrationen, die aber ohne größere Zwischenfälle abliefen.

Um 23.10 hatten die Castoren mit Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague die Grenze passiert, um 00.40 Uhr traf der Transport in Wörth in der Pfalz ein. 53 Demonstranten wurden bei den Protesten entlang der zwölf Kilometer langen Strecke vorläufig festgenommen, 14 davon müssen sich unter anderem wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. 39 weitere wurden zur Verhinderung von Straftaten vorübergehend in Gewahrsam genommen. Nach Angaben der Anti-Atomkraft-Inititative "Aktion Dritte Welt Saar" wurden bei der Räumung in Maximiliansau bei Wörth sieben Personen leicht verletzt. Sie hätten unter anderem Prellungen, Hautabschürfungen und Schnitte erlitten.

Bauern blockieren Straßenkreuzungen

In Baden-Württemberg demonstrierten in Lauda im Main-Tauber-Kreis nach Polizeiangaben etwa 20 Atomkraftgegner mit Transparenten, im hessischen Bebra, wo die Lokomotiven aufgetankt wurden, wurden nach Polizeiangaben die Personalien von 17 Castor-Gegnern und in Eichenberg von 3 Greenpeace-Aktivisten festgestellt.

Im Wendland, wo der Transport am Abend ankommen sollte, setzten die Gegner unterdessen ihre Proteste fort. In Seerau bei Hitzfeld im Kreis Lüchow-Dannenberg besetzten zeitweise 15 Greenpeace-Aktivisten unterstützt von 30 Anhängern eine Brücke, über die der Castor-Transport rollen sollte. Nach Angaben eines Sprechers waren die Atomgegner mit Schlauchbooten über den Fluss Jeetzel an die Brücke herangefahren, mit Spezialleitern hochgeklettert und hatten sich dort an Seile gehängt. Mit massivem Polizeieinsatz sei die Aktion nach sechs Stunden beendet worden. In Dannenberg demonstrierten etwa 150 Schüler. 4 Straßenkreuzungen wurden in der Region von Bauern mit Traktoren blockiert, um den Polizeiverkehr zu behindern, wie die bäuerliche Notgemeinschaft mitteilte.

In der Nacht hatten in Oldendorf zwischen Lüneburg und Dannenberg rund zehn Trecker die Bundesstraße 216 blockiert. Die Polizei räumte die Blockade, 20 Personen wurden nach Angaben eines Sprecher in Gewahrsam genommen.

Grüne wirft Polizei überzogene Reaktionen vor

Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling sagte im Norddeutschen Rundfunk, je näher der Transport komme, "umso mehr wachsen natürlich auch die Kräfte der Polizei". Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Rebecca Harms, warf der Polizei überzogene Reaktionen vor. Es seien viel mehr Polizisten vor Ort als bei ähnlichen Einsätzen in der Vergangenheit, sagte Harms im Deutschlandradio Berlin. Für gewaltfreie Proteste plädierten die Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele und Christian Simmert, die am Abend in Dannenberg erwartet wurden.

Laut einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe bleibt es während des Transports bei der Beschränkung der Demonstrationsfreiheit entlang der Gleise. Die Verfassungsrichter hatten hiergegen eingelegte Verfassungsbeschwerden und Eilanträge am Montagabend abgelehnt.

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