Beschwichtigende Rede Raus
"Aufbau des Irak als Aufgabe der Völkergemeinschaft"

Bundespräsident Johannes Rau hat sich am Mittwoch nach einem Treffen mit den Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsparteien zum drohenden Irak-Krieg geäußert.

HB/dpa BERLIN. "Niemand von uns hier in Deutschland hat diesen Krieg gewollt. Aber es liegt jetzt in unserer aller gemeinsamen Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass dem deutschen Volk kein Schaden aus diesem Krieg erwächst. ... Ich weiß, dass viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Land tief besorgt sind, welche Konsequenzen der Krieg im Irak für Deutschland haben wird. Manche Sorge, die dabei zum Ausdruck kommt, mag übertrieben oder irrational erscheinen. Es ist aber unsere Aufgabe, die Ängste der Bürger ernst zu nehmen... .

... Die Menschen in Deutschland erleben den bevorstehenden Krieg als bedrohlich, selbst wenn sie nicht erkennen können, inwieweit er sie persönlich betreffen wird. Es ist unsere Aufgabe, den Bürgern deutlich zu machen, dass dieser Krieg keine unmittelbare Bedrohung für die Menschen in Deutschland darstellt. Selbstverständlich sind mittelbar Auswirkungen auf die Sicherheitslage in der Bundesrepublik zu befürchten, etwa in Form erhöhter Gefahr von Terroranschlägen und ähnlichem... .

(Es) ist noch einmal deutlich geworden, dass es durchaus unterschiedliche Standpunkte bei der Bewertung der tatsächlichen und der politischen Folgen des Irak-Krieges gibt. Ich halte das für legitim. Die politisch Handelnden dürfen darüber aber nicht vergessen, welche Verantwortung sie gemeinsam für die weitere Entwicklung in dieser Krise haben. Jenseits politischer Unterschiede erwarten die Menschen in Deutschland in dieser Situation zu Recht, dass die Politik in Fragen von grundsätzlicher Bedeutung zusammenarbeitet. ... Gerade in einer zugespitzten Situation kommt es darauf an, die Verlässlichkeit und die Vertrauenswürdigkeit unseres politischen Systems unter Beweis zu stellen... .

Wir stehen heute vor einer ähnlichen Herausforderung (wie nach dem 11. September 2001). Es ist Aufgabe aller Parteien, dazu beizutragen, dass das Klima der Toleranz, der Weltoffenheit und des Dialoges in Deutschland erhalten bleibt. ... Im Interesse des inneren Friedens in unserem Land müssen wir gemeinsam alles unternehmen, um zu verhindern, dass Deutschland zum Schauplatz einer radikalisierten Auseinandersetzung wird. Es entspricht unserer demokratischen Tradition, wenn wir uns deshalb entschieden gegen jede Form von Antiamerikanismus und gegen alle antiislamischen Tendenzen wenden... Die Vereinten Nationen und vor allem der Sicherheitsrat scheinen geschwächt. Sie werden beim Wiederaufbau des Irak und bei der Stabilisierung der Region aber erneut Bedeutung erlangen. Eine neue politische Ordnung und der Wiederaufbau im Irak müssen im Auftrag und unter Kontrolle der Völkergemeinschaft stattfinden. ... Die Vereinten Nationen werden auch in Zukunft für das friedliche Zusammenleben unverzichtbar und durch nichts und niemanden zu ersetzen sein. Für Europa können wir nur die Lehre ziehen, in der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik wirklich handlungsfähig zu werden. ...

Es liegt an uns, ein gemeinsames handlungsfähiges Europa zu schaffen, das den Vereinigten Staaten von Amerika ein Partner sein kann. Ich bin davon überzeugt: Wir Europäer und Amerikaner sind gegenseitig aufeinander angewiesen. Die transatlantische Partnerschaft bleibt ein Grundpfeiler unserer Außenpolitik. ... Es ist aller Mühen wert, bis zuletzt noch jede Möglichkeit auszuloten, wie ein Krieg im Irak buchstäblich in letzter Minute verhindert werden kann - auch wenn das aussichtslos erscheinen mag. Das schulden wir auch den Menschen im Irak, die schon unter dem Regime von Saddam Hussein viele Jahre gelitten haben. Jetzt droht vielen unschuldigen Männern, Frauen und Kinder abermals Tod und schreckliches Leid durch einen Krieg. ... "

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%