Besetzung der Telekom-Spitze
Kommentar: Das Problem liegt im Aufsichtsrat

DÜSSELDORF. Die Besetzung des Chefsessels der Deutschen Telekom bleibt eine Posse. Kein Wochenende vergeht, an dem nicht neue Namen möglicher Nachfolger für Ron Sommer durch die Mangel der öffentlichen Meinung gedreht werden. Die Neuigkeit diesmal: Klaus Zumwinkel. Zwischen all den Nebelkerzen der vergangenen Wochen ist er immerhin ein ernst zu nehmendes Licht. Er sanierte die Post recht erfolgreich. Er versteht es, mit dem nicht immer einfachen Großaktionär Bund souverän umzugehen. Und er ist mit 58 Jahren alt genug, nicht jeder Finanzmarktmode hinterherzulaufen.

Andererseits: Von der Branche versteht er nichts, und viel Einarbeitungszeit bekommt ein neuer Chef angesichts des Problemstaus bei der Telekom nicht. Vor allem deshalb werden stets interne Kandidaten, allen voran der Mobilfunkvorstand Kai-Uwe Ricke, mit ins Spiel gebracht. Deren Nachteil wiederum ist, dass sie als Sommer-Gefolgsleute Teil des Problems sind, das sie lösen sollen.

Je länger es aber Interimsvorstand Helmut Sihler und Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus nicht schaffen, einen Namen zu präsentieren, desto schwieriger wird es, eine überzeugende Lösung für die Telekom zu finden. Jeder Kandidat muss befürchten, dass nach Vorgesprächen mit den beiden einstigen Henkel-Chefs irgendwo irgendetwas öffentlich wird. Umso mehr gehen daher mögliche Kandidaten auf Tauchstation: Sie haben Angst, ihren guten Ruf im Spannungsfeld zwischen Berliner Politik und Telekom-internen Intrigen aufs Spiel zu setzen.

Teil des Problems ist auch, dass Sihler und Winkhaus offenbar ausschließlich in ihrem Old-Boys-Network der alten Deutschland AG unterwegs sind. Dabei gäbe es im europäischen Umland durchaus des Deutschen mächtige Top-Manager um die 50 mit fundierter Branchenkenntnis - man muss sie nur fragen.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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