Besonderes Hochzeitsgeschenk
Google steigt bei Bioinformatik-Firma ein

Google-Gründer Sergey Brin hat 3,9 Mill. Dollar in ein Bioinformatik-Startup investiert. Eigentlich keine große Sache, an Geld mangelt es Google nicht. Doch die Mitgründerin des jungen Unternehmens heißt Anne Wojcicki und ist die Frau von Sergey Brin.

DÜSSELDORF. Anfang Mai war es, als ein Paar aus den USA sich in einer Strandbar auf den Bahamas das Ja-Wort gab. In einer jüdischen Zeremonie, doch ohne Rabbi, er in schwarzer Badehose, sie im weißen Badeanzug. Die ungewöhnliche Kleidung war nötig um zum Ort der Trauung zu kommen: Er lag auf einer kleinen Insel. Wer von der Hochzeitsgesellschaft nicht schwimmen mochte, nahm ein Boot.

So haben Hochzeitsgäste es der "San Jose Mercury News" beschrieben, der Hauszeitung des Silicon Valley. Streng geheim war die Hochzeit, denn der Bräutigam zählt zu den großen Namen der Web-Wirtschaft: Google-Mitgründer Sergey Brin.

Dies ist nun fast drei Wochen her, doch seit Dienstag lästert die Technik-Szene über die Frage, ob sich das Paar auch gegenseitig etwas geschenkt hat. Schließlich zählt dies zu den romantischsten Momenten einer Hochzeit, wenn die Liebenden, meist abseits vom Trubel, unter Ausschluss der Hochzeitsgäste, sich ihre Zuneigung mit dem Austausch einer prunkvollen Uhr oder funkelnden Geschmeides versichern.

Vielleicht überreichte der frisch Vermählte Brin seiner geliebten Anne Wojcicki an jenem Maitag auf den Bahamas einen Umschlag, in dem ein Versprechen niedergeschrieben stand. Ein Versprechen im Wert von 3,9 Mill. Dollar. Eben diese Summe investierte Google am Dienstag in ein Bioinformatik-Startup namens 23 And Me. Das geht aus einer Pflichtmitteilung von Google an die Börsenaufsicht hervor. Weitere Anfragen ließ Google unbeantwortet.

23 And Me will jedermann mit Informationen über sein Erbgut beliefern. Eigentlich keine große Sache, an Geld mangelt es Google nicht. Doch heißt die Mitgründerin des jungen Unternehmens Anne Wojcicki. "Nepotismus", giftet die "Los Angeles Times" im Kanon mit den großen Weblogs der Internet-Szene.

Das ist noch nicht alles. Brin hatte über Weihnachten um Wojcickis Hand angehalten. Im Januar gründete sie 23 And Me mit einem Anschubkredit über 2,6 Mill. Dollar - von Brin, dessen Vermögen auf über 16 Mrd. Dollar geschätzt wird. Dieser Kredit wird nun durch das Google-Investment sofort zurückgezahlt. Womit Brin nicht nur einen neuen Tiefpunkt in Sachen Corporate Governance setzt, sondern vielleicht auch im Bereich der Hochzeitsbräuche, lästert das Silicon Valley: Das Verlobungsgeschenk wird beim Eingehen der Ehe zurückgegeben.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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