Besonders beliebt sind E-Mail und Chats
Frauen holen bei Internetnutzung weltweit auf

Die Geschlechter-Schere im Internet schließt sich allmählich. In Deutschland wird es zwar voraussichtlich noch einige Jahre dauern, bis ebenso viele Frauen wie Männer regelmäßig online sind - einer Studie zufolge ist hierzulande nur jeder vierte Web-Nutzer weiblich. In den USA dagegen ist das Verhältnis schon jetzt ausgeglichen. Experten werten dies als Zeichen dafür, dass das Internet erwachsen geworden ist.

ap FRANKFURT/NEW YORK. Frauen säßen nicht um des Computers willen vor dem Bildschirm, sagt Stacy Elliot alias Digital Diva, die im Auftrag des Softwarekonzerns Microsoft untersucht, wie Frauen auf bestimmte Technologien reagieren. Vielmehr gehe es ihnen um den praktischen Nutzen. So ist es für Wissenschaftler wie Anita Allen-Castellito, Professorin an der Universität von Pennsylvania, eine logische Konsequenz, dass viele Frauen erst jetzt das Internet entdecken. "Es hat eben so lange gedauert, bis es wirklich komfortabel wurde, ganz gewöhnliche Dinge über das Internet zu erledigen", sagt Allen-Castellito.

Ganz gewöhnliche Dinge - dazu gehört zum Beispiel die Kommunikation mit Freunden und Verwandten. Für eine der wichtigsten Funktionen des Webs, da sind sich nationale und internationale Studien einig, halten fast alle Benutzer die elektronische Post. Neben E-Mail bevorzugen einer Umfrage in Deutschland zufolge viele Frauen die Kommunikation per Chat, also Online-Unterhaltungen in Echtzeit. Fast jede dritte Internet-Nutzerin hierzulande besucht zumindest ab und zu einen Chatroom, wie die jüngste W3B-Studie des Marktforschungsunternehmens Fittkau und Maaß ergeben hat. Und auch die virtuellen Grußkarten, so genannte E-Cards, sind offenbar besonders bei Frauen beliebt: 42,5 % der weiblichen Befragten versenden regelmäßig oder gelegentlich E-Cards.

In der Online-Steinzeit war das Internet Männersache

"Ich fange an zu glauben, dass dieser Bill Gates wirklich recht damit hat, dass das Internet eines Tages ein Teil unseres Lebens ist", sagt Mati McGee. Sie ist eine von fast 61 Mill. Amerikanerinnen, die nach Angaben des Marktforschungsinstituts Jupiter Media Metrix mittlerweile online sind. McGee gehört zu den Neulingen im Internet. Ihre Kinder haben die Lehrerin im vergangenen Jahr dazu gebracht, sich einen Online-Zugang zuzulegen. Zuvor hielt sie das Internet für eine Männer-Angelegenheit - eine weit verbreitete Ansicht, die ihre Wurzeln in der Online-Steinzeit hat.

Die Väter des Internet kamen aus Technologie-Bereichen, die traditionell von Männern dominiert wurden. Die Navigation im Netz war kompliziert, die entsprechenden Geräte oft schwierig zu bedienen. Während Männer die Technik um der Technik Willen faszinierte, hielten Frauen Abstand.

"Sie hatten einfach nicht die Geduld dazu", meint Nancy Evans, Mitbegründerin der speziell für Frauen konzipierten Web-Seite Ivillage.com. Die Technik ist mittlerweile benutzerfreundlicher, und die Zahl der weiblichen Internet-Nutzer hat rapide zugenommen.

Noch vor fünf Jahren habe niemand solche enormen Zuwachsraten für möglich gehalten, sagt Adam Powell, Vizepräsident für Technologie beim Freedom Forum in Arlington im US-Staat Virginia. Die Amerikanerinnen haben in der Online-Gemeinde nun quantitativ mit ihren männlichen Landsleuten gleichgezogen.

Frauen außerhalb der USA haben noch Nachholbedarf

Andernorts dagegen klafft die Geschlechter-Lücke im Internet noch. Einer 34 Länder umfassenden Studie der kanadischen Angus zufolge sind im weltweiten Durchschnitt 59 % der Internet-Nutzer männlich. Deutlich unausgeglichen ist das Verhältnis noch in Deutschland: 26 % der deutschsprachigen Internet-Nutzer sind nach Angaben der jüngsten W3B-Analyse Frauen, Tendenz steigend. Im Herbst vergangenen Jahres lag der Anteil noch bei 22,5 %, vor vier Jahren waren es sogar nur neun Prozent.

Auffällig ist nach Ansicht der Marktforscher, dass sich das überproportionale Wachstum besonders auf jüngere Frauen konzentriert. In der Gruppe der unter 20-jährigen Internet-Nutzer finden sich demnach 38 % Frauen, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es immerhin noch knapp ein Drittel. Von den Internet-Surfern, die 50 Jahre oder älter sind, ist nur noch jeder siebte weiblich.

Wenn Frauen online sind, zeigen sie den Marktforschern zufolge ein besonderes Kommunikations- und Einkaufverhalten. Frauen lieben nicht nur E-Mail und Chats, sie kaufen auch gerne online. Bevorzugte Produkte sind der W3B-Studie zufolge Bücher, Musik-CDs und Flugtickets, und zwar bei Männern und Frauen gleichermaßen. Aber der kleine Unterschied kommt auch beim E-Commerce zum Tragen: Denn die weiblichen Online-Käuferinnen bestellen übers Internet besonders gern Kleidung, Kosmetik oder Schmuck.

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