Besonders US-Titel sind bereits sehr teuer
Ölaktien zählen nicht zu den Kriegsgewinnern

Die irakischen Truppen scheinen besiegt, das Kriegsende in Sicht. Bald könnte irakisches Öl auf den Markt fließen - der Irak verfügt über die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Für Aktien von Ölkonzernen bedeutet dies aber kein Kursfeuerwerk: "Wenn alle Aktien nach Kriegsende weiter steigen sollten, werden auch Ölaktien anziehen - aber in geringerem Ausmaß", prognostiziert Steffen Wollnik, Ölexperte der Hamburgischen Landesbank. Eberhard Weinberger von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt sieht Technologie- und Finanzwerte bei einem Aufschwung im Vorteil. Besonders Finanztitel lockten wie Ölaktien mit hohen Dividendenrenditen, hätten aber mehr Kurspotenzial.

FRANKFURT/M. "Der Markt hatte den deutlich gesunkenen Ölpreis antizipiert", erklärt Weinberger die zuletzt schwache Entwicklung der Ölwerte. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sank seit Anfang März von über 34 Dollar zeitweise um fast ein Drittel und notiert nun bei gut 25 Dollar. In diesem Bereich sollte sich der Rohölpreis einpendeln. "Das von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) angestrebte Preisband liegt zwischen 22 und 28 Dollar", sagt Janne Koskela, Ölexperte der SEB. Sollte der Preis weiter sinken, werde das Kartell gegenregulieren und die Förderquoten senken. Dies könnte die Opec bereits auf ihrer Sonderkonferenz am 24. April in Wien beschließen. Auch Johann Fürstenberger, Manager des Fonds GeoTech von Activest, erwartet im Jahresschnitt einen Ölpreis "am unteren Ende des Opec-Preisbands". Daher seien im Bereich Ölförderung keine hohen Gewinnmargen zu erwarten.

"Wer Ölwerte kaufen will, sollte sich auf Unternehmen konzentrieren, die stark in den Bereichen Raffinerie und Petrochemie vertreten sind", rät Fürstenberger. Niedrige Lagerbestände und der erwartete Konjunkturaufschwung ließen hier mittelfristig höhere Margen erwarten. Der Fondsmanager nennt als mögliche Profiteure davon Eni und Royal Dutch.

"Royal Dutch ist Value-Aktie"

Diesen Werten - und außerdem Totalfina Elf - geben auch andere Analysten noch die besten Chancen. "Royal Dutch ist eine Value-Aktie", sagt Koskela. Die Dividendenrendite sei hoch, die Bonität gesichert und das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Für Eni und Totalfina Elf spricht laut Fürstenberger der "hohe Umsatzanteil im Raffineriegeschäft". Weinberger weist auch auf Statoil aus Norwegen hin. "Der Wert ist im Branchenvergleich mit am preiswertesten und hat eine Dividendenrendite von über 5 %."

Von Engagements in US-Ölaktien raten Experten ab. Zum einen bestehe ein Währungsrisiko - die Mehrzahl der Devisenexperten rechnet langfristig mit einem schwächeren Dollar. Wichtiger aber: "Die großen US-Werte wie Exxon oder Chevron Texaco sind hoch bewertet", sagt Wollnik. Bei beiden sei eingepreist, dass sie vom Öl des Iraks profitieren. "Je nachdem, ob USA oder Uno das Sagen im Nachkriegs-Irak haben, könnte sich dies als verfrüht erweisen", sagt Wollnik.

Im Bereich Anlagenbau zeigt sich am Beispiel Halliburton, dass die Anleger das Fell des Bären verteilt haben, noch bevor er erlegt ist. Die Aktie des Unternehmens, dem der aktuelle US-Vizepräsident Dick Cheney lange Jahre vorstand, legte in den vergangenen zehn Monaten um 130 % zu. Anleger wetteten schon früh darauf, dass die "Texas-Connection" um Bush, Cheney dem Unternehmen Aufträge beim Wiederaufbau der maroden Ölanlagen des Iraks zuschanzen werde - eine Rechnung, die möglicherweise aufgeht. Dennoch sagt Weinberger: "Dem Kursanstieg jetzt noch hinterherzurennen, hat wenig Sinn." Auch Fürstenberger rät "auf dem aktuellen Niveau nicht zum Kauf".

Es spricht also momentan nicht viel für Ölaktien. Sicher aber ist: Das Beta der Ölwerte - die Volatilität im Vergleich zum Gesamtmarkt - liegt bei 0,7. Das bedeutet, dass Öltitel vergleichsweise geringe Kursschwankungen aufweisen. "Gibt es einen Aufschwung der Kurse, werden die Ölaktien davon zwar weniger profitieren als der Durchschnitt", sagt Koskela. Umgekehrt weist der Analyst aber auch auf den positiven Effekt des niedrigen Betas hin. "Der defensive Charakter wird Ölwerte immer in schwierigen Marktphasen auszeichnen." Zudem würden viele Ölaktien attraktive Dividendenrenditen aufweisen.

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