Besorgnis über humanitäre Lage
Taliban sind "zähe Kämpfer"

Die US-Streitkräfte sind vom Widerstand der in Afghanistan herrschenden Taliban überrascht, wie am Mittwoch Konteradmiral John Stufflebeem im Pentagon eingestand. Er warf den Taliban zugleich vor, sie planten die Vergiftung von Lebensmittelpaketen, die die USA abgeworfen hätten.

ap/rtr WASHINGTON. Die US-Streitkräfte sind vom Widerstand der in Afghanistan herrschenden Taliban überrascht, wie am Mittwoch Konteradmiral John Stufflebeem im Pentagon eingestand. Er warf den Taliban zugleich vor, sie planten die Vergiftung von Lebensmittelpaketen, die die USA abgeworfen hätten. Die Schuld für die Vergiftungen wollten sie dann den USA geben, erklärte Stufflebeem.

"Sie sind zähe Kämpfer", sagte der Konteradmiral, der stellvertretender Einsatzleiter im US-Generalstab ist. "Ich bin etwas überrascht, wie hartnäckig sie an der Macht hängen." Er deutete nicht an, wann die US-Bombenangriffe aufhören oder nachlassen könnten. Zu den angeblich von den Taliban geplanten Vergiftungen sagte Stufflebeem nur, die USA warnten vorsorglich schon einmal davor. Die Afghanen sollten wissen, dass die Lebensmittel der Amerikaner nicht verseucht seien. Wie es hieß, stammten die Information aus verschiedenen Geheimdienstquellen.

Wie Stufflebeem weiter berichtete, konnte am Mittwoch der am Samstag in Pakistan abgestürzte Heeres-Hubschrauber vom Typ "Black Hawk" von zwei Hubschraubern der Marineinfanterie geborgen werden. Am Samstag waren sie noch bei einem ersten versuchten Bergungseinsatz von Unbekannten beschossen worden. Dieses Mal sicherten pakistanische Truppen das Gelände.

Powell: Proteste in moslemischen Ländern sind beherrschbar

Am Tag der heftigsten US-Angriffe auf Afghanistan seit Beginn des Feldzuges vor mehr als zwei Wochen hat sich US-Außenminister Colin Powell optimistisch geäußert, dass die Proteste in moslemischen Ländern gegen die USA beherrschbar seien. Die anti-amerikanischen Demonstrationen seien nicht so umfangreich wie teilweise angekündigt. "Sie sind alle beherrschbar und ich sehe keine Destabilisierung in den Ländern", sagte er vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses. Zugleich betonte er die "besonders wichtige Rolle" des ehemaligen afghanischen Königs Sahir Schah in der Zeit nach dem angestrebten Sturz der jetzigen afghanischen Regierung.

Auch bei einer großen Zahl von Gegnern gegen das US-Vorgehen seien die Regierungen im Stande, "uns bei dem, was wir tun zu unterstützen", sagte Powell. Seit Beginn der Luftangriffe gab es in zahlreichen moslemischen und arabischen Ländern Proteste gegen Regierungen, die sich der von den USA gebildeten Koalition angeschlossen haben, darunter in Pakistan, Ägypten und Indonesien. Ägyptens Präsident Husni Mubarak warnte davor, dass sich bei lange anhaltenden US-Angriffen auf Afghanistan die Kluft zwischen der arabischen Welt und der USA vergrößern werde. Es sei wichtig, dass die USA ihre Militäraktion nicht in die Länge zögen.

Das iranische Fernsehen berichtete, bei den jüngsten US-Angriffen auf die im Westen Afghanistans gelegene Stadt Herat seien 20 Menschen getötet worden. Der Angriff habe am Mittwochnachmittag dreieinhalb Stunden gedauert und in zwei Wellen stattgefunden. Die Menschen seien in der Nähe einer Moschee getroffen worden. "Ich hatte gerade meine Gebete beendet und war auf dem Weg nach Hause, als es passierte", sagte ein Mann, der dem Bericht zufolge bei dem Angriff verletzt wurde.

Die Vereinten Nationen (UNO) teilten mit, die von den USA bei Herat abgeworfenen Bomben seien teilweise nicht explodiert und gefährdeten nun die Zivilbevölkerung. Die UNO unterhält in Afghanistan Büros zur Minenentfernung aus der Zeit vor Beginn der US-Angriffe. Afghanische Milizen lieferten sich nach der Befreiung des Landes von sowjetischer Besatzung einen jahrlangen Bürgerkrieg.

Besorgnis über humanitäre Lage

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac äußerten sich in Paris besorgt über die humanitäre Lage in Afghanistan. Sie kündigten an, dass ihre Länder bei der Neuordnung der Regierung nach dem Sturz der Taliban eine "sichtbare Rolle" übernehmen und helfen wollten. Schröder wies erneut die Forderung nach einer Unterbrechung der Kämpfe wegen des bevorstehenden Wintereinbruchs oder des bald beginnenden moslemischen Fastenmonats Ramadan zurück. Dies ziehe den Militäreinsatz nur in die Länge und schade der Bevölkerung mehr als es nutze.

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