Besorgnis um fehlenden Wettbewerb auf den innerdeutschen Fluglinien
Deutsche BA will Kooperation Lufthansa/Eurowings stoppen

Das Unternehmen, 100  % Tochter von British Airways, macht Front gegen die Pläne der Lufthansa. Sie will sogar Bundesverkehrsminister Klimmt und das Bundeskartellamt zum Einschreiten bewegen.

HB MÜNCHEN. Die Ankündigung der Deutschen Lufthansa (LH), zunächst 24,9 % an der Regionalfluggesellschaft Eurowings zu erwerben und diesen Anteil bis 2004 auf 49 % aufzustocken, hat nach Überzeugung der konkurrierenden Deutschen BA (DBA) "dramatische Konsequenzen für den freien Wettbewerb auf dem innerdeutschen Flugmarkt". DBA-Hauptgeschäftsführer Adrian Hunt sagte in München vor Journalisten: "Wir werden gegen dieses Zusammengehen kämpfen." Lufthansa will sich den Einstieg bei Eurowings in der Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember absegnen lassen.

In einem Brief an Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt und an das Bundeskartellamt hat die in München ansässige, hundertprozentige Tochter der British Airways nach Angaben von Hunt "vier deutliche Forderungen an die Lufthansa" erhoben. Ein Dorn im Auge ist der zweitgrößten deutschen Linienfluggesellschaft, die innerdeutsch auf sieben Routen direkter Wettbewerber der Lufthansa ist, dass LH hohe Preise auf Monopolstrecken erhebe und zugleich "Dumping von ungenutzten Kapazitäten" gegen Konkurrenten betreibe.

Außerdem müsse LH Start- und Landerechte in Frankfurt abgeben, um kleineren Wettbewerbern dort den Zugang zu gewähren. Der Rhein-Main-Airport sei zur Zeit "eine Festung" für den heimischen Carrier, sagte Hunt.

Sichergestellt werden müsse weiterhin, dass ein Markteintritt neuer Fluggesellschaften "ohne Behinderung" der LH gewährleistet sei. Weiterhin solle das Kundenbindungsprogramm "Miles & More" der Kranich-Airline "zu akzeptablen Konditionen" geöffnet werden. Hunt betonte, dass mit diesem Programm eine weit reichende Marktsteuerung erreicht werde und somit aus wettbewerbsrechtlichen Gründen die Öffnung erforderlich sei. Er räumte ein, dass er bei entsprechenden Anfragen bei Lufthansa abschlägig beschieden worden sei.

Konkrete rechtliche Schritte hat die Deutsche BA derzeit noch nicht vor. Dies sei, so Hunt, erst möglich, wenn die künftige Partnerschaft der Konkurrenten mit dem Aufsichtsratsbeschluss besiegelt sei.



Marktbeherrschende Stellung der Lufthansa

Die Deutsche BA rechnet vor, dass bei einem Zusammengehen von Lufthansa und Eurowings diese zusammen mit der Tochter Lufthansa City Line einen Marktanteil von 84 % und damit eine eindeutig Markt beherrschende Stellung erreichten. Dem gegenüber hatten die beiden Gesellschaften bei der Bekanntgabe ihrer Pläne darauf hingewiesen, dass die Verschiebungen im Markt bei einem Eurowings-Anteil von 3 % - Hunt bezifferte ihn auf 4 % - nur geringfügig seien. Auf den sieben Strecken im direkten Wettbewerb errechnet die DBA für sich einen Marktanteil von 39 %.

Hunt erklärte ergänzend, dass die Furcht vor der Marktmacht weniger in den Prozenten liege als vielmehr vor der von LH-Vorstand Ralf Teckentrup angekündigten Einbindung von Eurowings in die Netzplanung der Lufthansa. Der Verbund der beiden deutschen Konkurrenten könne seine Start- und Landerechte auf den deutschen Airports, die sogenannten Slots, als "strategische Waffe" nutzen, um unliebsamen Wettbewerbern von vornherein das Geschäft zu versauern.



Lufthansa ist dennoch weiterhin zuversichtlich

Zu der Kritik des Konkurrenten sagte LH-Vorstand Teckentrup dem Handelsblatt, man könne "die Airline-Industrie nicht als innerdeutsche Industrie, sondern nur europäisch sehen". Zwar gebe es vier innerdeutsche Verbindungen, auf denen der heutige Wettbewerb zwischen LH und Eurowings aufgegeben werde. Dafür würde auf 15 Europa-Routen die heutige Monopolsituation behoben, weil Eurowings künftig zum Wettbewerber seiner bisherigen Partner KLM, Air France und Alitalia werde. "Ich bin zuversichtlich, dass sich das Kartellamt unserer Auffassung anschließen wird", betonte Teckentrup. Die Forderung Hunts nach einem Einstieg bei "Miles & More" könnte der DBA-Chef "selber nicht ernst gemeint haben". Es mache überhaupt keinen Sinn, einem direkten Wettbewerber Kundendaten zur Verfügung zu stellen.



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