Besser als 6 Richtige im Lotto
Die "Gnade des Britisch-Seins"

Sir Peregrine Worsthorne kann sich noch an jene Tage erinnern, "als ein Mann aufrechter ging, weil er Brite war, und seinen Kopf höher emporreckte". Damals, so schwärmt der ehemalige Chefredakteur des "Sunday Telegraph", "war es nicht einfach nur ein Glück wie sechs Richtige im Lotto, als Brite geboren zu sein, nicht nur ein Privileg, nein, es war eher eine Gnade, ein Segen, ein Gunstbeweis Gottes. Doch das alles ist dahin."

dpa LONDON. Schuld ist nach Beobachtung von Sir Peregrine zum einen die "subversive nationale Selbst-Verunglimpfung" durch die BBC, "in einer Weise, wie sie nicht einmal das besiegte Deutschland ertragen musste". Dann die "erstaunliche Gleichgültigkeit angesichts massenhafter Immigration". Ferner der "institutionalisierte Anti-Rassismus" der Labour-Regierung von Tony Blair, "vergleichbar mit den Nürnberger Rassengesetzen der Nazis, nur im umgekehrten Sinne".

Agitation gegen Fremdenzuzug

Die Äußerungen des von der Queen geadelten Herrn erregten in Großbritannien keinerlei Aufsehen. Um Protest hervorzurufen, muss man schon so weit gehen wie der konservative Parlamentsabgeordnete John Townsend, der jüngst davor warnte, die Briten würden sich durch den Zuzug von Fremden in eine "Bastard-Rasse" verwandeln. Seine Partei allerdings sieht die Gefahren ganz woanders: Iain Duncan Smith, der gute Aussichten hat, in einem Monat zum neuen Parteiführer gewählt zu werden, warnte in einem Pamphlet, die Europäische Union sei der "legale Rahmen zur Stärkung der deutschen Hegemonie", was letztlich "unwiderruflich zu einem Wiederaufleben des Faschismus führen" werde.

Großbritannien erlebte in diesem Sommer die schwersten Rassenkrawalle seit Mitte der 80er Jahre: In Bradford wurden dabei in einer einzigen Nacht über 200 Polizisten verletzt. In Leeds brannten in sieben Stunden 25 Autos aus. In Oldham lieferten sich Hunderte von asiatischen Jugendlichen tagelang Straßenschlachten mit der Polizei. Für die Regierung ist das kein Hinweis darauf, dass Großbritannien ein Rassismus-Problem haben könnte. Nach Ansicht von Premierminister Blair geht es um "bloßes Rowdytum".

Boulevardpresse befürchtet "Invasion"

Die überwiegend konservative Boulevardpresse gießt eifrig Öl ins Feuer. "Asyl: Wir haben eine Invasion", titelte in der vergangenen Woche der "Daily Express". Darunter ging es weiter: "Durchgesickerter Bericht zeigt: Wir verlieren die Schlacht gegen die Einwanderer. Großbritanniens Flüchtlingskrise ist außer Kontrolle geraten." Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR hat die britischen Medien wegen ihres Umgangs mit dem Thema Asyl scharf kritisiert. Die Presse schafft demnach ein "Klima der Herabsetzung". Asylsuchende würden als Problem gebrandmarkt, Statistiken verdreht und negative Geschichten endlos lange hochgespielt. "Dieser häufig absichtliche Versuch, den Namen einer ganzen Gruppe zu besudeln, ist so erfolgreich verlaufen, dass die Begriffe Asylsuchender und Flüchtling sogar zu Schimpfworten auf Schulhöfen geworden sind", sagte ein Sprecher.

"Überlegenheitskomplex" der Briten

Doch die Briten sind immun gegen Kritik von außen, wie der BBC-Journalist Jeremy Paxman in seinem Bestseller "The English" (Die Engländer) feststellt. Er zitiert dabei die verstorbene Amerikanerin Martha Gellhorn, die in ihrem Leben unter anderem Ernest Hemingway heiratete, ins Konzentrationslager Dachau kam, später aus Vietnam berichtete und im hohen Alter nach England zog, weil es ihr dort am besten gefiel. Allerdings war sie sicher, dass die Engländer an einem "Überlegenheitskomplex" litten: "Die Deutschen fragen einen immer 'Was denken Sie über uns?' Das ist denen wichtig. Den Engländern ist das völlig egal. Die fühlen sich allen anderen überlegen, und deswegen interessieren sie sich nicht dafür, was andere von ihnen halten."

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