"Besser als British Telecom oder Deutsche Telekom"
Hübsche Töchter

Die Aufholjagd begann mit der Trennung von der Deutschen Telekom. Deren Versuch, die Telecom Italia zu übernehmen, zerrüttete die deutsch-französische Allianz. In Windeseile mauserte sich Frankreichs ehemaliger Telefonmonopolist danach zur einem international aufgestellten Anbieter. Die Aktie der France Télécom ist aber für viele Anleger nicht mehr erste Wahl. Denn das Geschäft mit Zukunft machen die börsennotierten Konzerntöchter.

France-Télécom-Vorstandschef Michel Bon, sanft im Umgang, aber gewitzt als Kaufmann und knallhart als Manager, hat die Beschränkungen seines Unternehmens konsequent in Vorteile umgemünzt. Heute ist seine Gruppe klar gegliedert in eine Mutter, an der die französische Republik 54 Prozent hält und die sich um die Strategie und um das Festnetzgeschäft daheim kümmert. Dazu kommen drei börsennotierte Töchter mit Profil: Equant vermietet weltweit Leitungen an Großkunden und ist dabei weltweit eine führende Adresse. Das gilt auch für Orange, die über Europas Grenzen hinaus Mobilfunknetze betreibt. Wanadoo beackert das Internet und schickt sich an, in Europa ein dominierender Anbieter zu werden.

Das erkennen Analysten an. So erscheint dem Finanzinformationsdienst Global Equities die Aktie als "ein besseres Investitionsvehikel als Akteure wie BT (British Telecom) oder Deutsche Telekom".

Besonders die Erstzeichner der France-Télécom-Aktie erlebten parallel zur Neuaufstellung des Konzerns einen traumhaften Wertzuwachs ihrer Anteilscheine, die im Frühjahr 2000 schließlich mehr als das Achtfache ihres ursprünglichen Preises erreichten. Dann begann der Alptraum, vor allem für jene, die nach Beginn der Technologiehausse im Spätsommer 1999 eingestiegen waren. Vor etwa drei Wochen hatte die Aktie fast drei Viertel ihres Höchstwertes von über 220 Euro wieder eingebüßt - inzwischen ist sie wieder gestiegen.

Ausgegliedertes Zukunftsgeschäft

Nur zum Teil ist diese Vernichtung von Abermilliarden Euro Anlegerkapital mit der allgemeinen Abneigung vor allem institutioneller Anleger für Werte aus der Telekommunikations-, Medien- und Technologiewelt zu erklären. Vielmehr dämmerte es spätestens nach dem Börsengang der Internetsparte Wanadoo im vergangenen Sommer vielen Portfoliomanagern, dass France Télécom nun ihr gesamtes Zukunftsgeschäft in börsennotierte Töchter ausgliedern würde.

In ihrem Stammgeschäft aber wird France Télécom immer mehr unter Margendruck geraten, auch auf Druck der Regulierungsbehörde ART. Diese hat vor kurzem angekündigt, bis zum Sommer den vollen Wettbewerb bei Ortsgesprächen durchzusetzen. Die Töchter haben bessere Perspektiven.

Von derzeit gut 75 Milliarden Euro Marktwert der France Télécom entfallen 56 Milliarden Euro auf Orange, neun Milliarden Euro auf Wanadoo und sechs Milliarden Euro auf Equant: Nach Summe der Einzelteile bewertet die Börse das Stammgeschäft des Konzerns indirekt mit nicht einmal fünf Milliarden Euro. Für die meisten Portfoliomanager ist France Télécom damit klar als eine Holding anzusehen.

France-Télécom-Chef Michel Bon sieht das anders. Bei jeder Gelegenheit unterstreicht er, die Gruppe habe den Charakter eines "integrierten Konzerns": Die einzelnen Teile sollen sich unterstützen, das Ganze erhebliche Synergien hervorbringen. Im Jahr 2000 zeigte er erste Ansätze davon mit einem überraschend guten Konzernbetriebsgewinn. Das fiel unter anderem Thierry Cota und Dominique de Bourgknecht angenehm auf, die bei der Société Générale die Aktie analysieren. In den vergangenen Wochen mehrten sich denn auch die Hochstufungen der Analysten. Insgesamt sieht das Bild noch gemischt aus. Die Nachrichtenagentur Bloomberg registriert derzeit 31 Kaufempfehlungen, 20 Halten-Urteile und drei Verkaufsempfehlungen.

Laute Briten treten in den Vordergrund

Den Konzern-Töchtern wird höchst unterschiedlicher Spielraum zugebilligt. Dass der Equant-Chef Didier Délepine sein Unternehmen weitgehend selbst steuern kann, daran herrscht kein ernsthafter Zweifel. Wanadoo dagegen ist stark in das Geschäft des Mutterhauses eingebunden.

Orange wiederum wird ein unruhiger Pol in dem französischen Konzern bleiben, im Guten wie im Schlechten. Generaldirektor Jean-François Pontal wird sich schwer tun, als Nachfolger des prägenden Gründers Hans Snook das Unternehmen zu führen.

So ist im Mobilfunkgeschäft einstweilen eher ein Nebeneinander als Miteinander angesagt, wobei die gekauften Briten stets lautstark in den Vordergrund treten. Das wird sich wohl erst ändern, wenn mit Einführung des Mobilfunkstandards UMTS gemeinsame Anstrengungen unumgänglich werden, um im Wettbewerb zu bestehen.

Vor allem hat Orange bisher den Konzern am stärksten belastet. Die Übernahme hat den Schuldenberg der France Télécom auf 60 Milliarden Euro anschwellen lassen.

Für Holdings ungewöhnlich liegt übrigens der gesamte Schuldenberg, der durch den Verkauf von vielen kleineren branchenfremden Beteiligungen bis Ende 2003 maximal zur Hälfte abgetragen werden soll, bei der Dachgesellschaft. Das ist ein Erbe des schnellen Konzernumbaus. Und France Télécom trägt schwer an einem Gesetz, demzufolge der Staat an ihr die Mehrheit halten muss. Dieser dürfte bei Kapitalerhöhungen kaum mitziehen, ohne in Brüssel Stirnrunzeln zu produzieren.

So verfiel Konzernchef Bon auf die eher konventionelle Idee, seine für teures Geld zusammengekaufte Mobilfunksparte künftig selbst auf Kapitalsuche gehen zu lassen. Der Börsengang von Orange brachte zwar nicht den erhofften Geldsegen in die Konzernkasse. Doch viele Analysten empfehlen die Aktie mittlerweile zum Kauf.

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