Bessere Chancen für Großraum-Airbus erwartet
EADS freut sich über geänderte Boeing-Pläne

rtr PARIS. Die Pläne des US-Flugzeugbauers Boeing, statt eines neuen Großraumflugzeugs ein fast mit Überschallgeschwindigkeit fliegendes Passagierflugzeug zu entwickeln, erhöht nach den Worten von EADS-Co-Chef Philippe Camus die Chancen von Airbus, seine Verkaufsziele zu erreichen. "Die Boeing-Entscheidung, die Entwicklung der 747X zu stoppen, bestätigt unser Vorhaben, von jetzt bis 2019 insgesamt 750 A380-Maschinen zu verkaufen", sagte Camus am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er äußerte sich skeptisch, dass ein schneller fliegendes Flugzeug höhere Kosten pro Passagier rechtfertige. "Ein neues Flugzeug zu entwickeln, das höhere Betriebskosten je Sitz hat, ist für uns nicht überzeugend", sagte Camus.

Boeing hatte am Donnerstag angekündigt, die Entwicklung des Superjumbos 747X, der bis zu 520 Sitze fassen sollte, zu stoppen. Stattdessen werde ein kleineres, moderneres Flugzeug gebaut, das mit rund 1200 Kilometer pro Stunde etwa 15 % schneller sein soll als die herkömmlichen Passagiermaschinen. Die 747X sollte die Nachfolgerin des Boeing Jumbos 747-400 werden, dem der Erzrivale Airbus mit seinem 555-sitzigen Großraumjet A380 den Rang ablaufen will. Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hält 80 % an Airbus, die restlichen Anteile sind in Besitz der britischen BAe Systems. An der Pariser Börse stiegen die EADS-Aktien vier Prozent auf 21,24 ?.

Nach der Ansicht von Experten birgt die Revision der Boeing-Pläne Chancen und Risiken für den europäischen Konkurrenten. Einerseits erreiche Airbus mit seinem Riesenflieger A380 nun eine Monopolstellung bei Flugzeugen mit mehr als 500 Sitzen und könne so höhere Preise durchsetzen. Andererseits könne Boeing mit seinem schnellen Flieger ein ganz neues Marktsegment aufmachen. "Der Wettbewerb wird sich sicher nicht entspannen", sagte auch ein EADS-Sprecher.

"Langfristig hat die Aufgabe der Boeing-Pläne eine sehr große Bedeutung für die Profitabilität des A380", sagte Chris Avery, Luftfahrtexperte bei JP Morgan. Das Fehlen eines Konkurrenten in diesem Marktsegment würde zum einen zu höheren Absätzen, aber auch zu höheren Margen führen. "Die Profitabilität des A380 wird wahrscheinlich besser als der Business-Plan von Airbus sein", sagte Avery.

Nicht nur Singapore Airlines soll Interesse an neuem Boeing-Typ haben

Interesse für den neuen Boeing-Flieger, der Berichten zufolge einen so genannten Delta-Flügel in Dreiecksform haben soll, haben schon die Chefs der Fluggesellschaften der Singapore Airlines, Air Canada und UAL Corp auf einem Treffen der Mitglieder der STAR Allianz in England geäußert. Das neue Flugzeug böte Experten zufolge aber nur auf längeren Strecken Vorteile. "Für kürzere Strecken unter vier Stunden sehe ich keine wesentlichen Vorteile einer größeren Geschwindigkeit", sagte Chris Yates, Redakteur der Fachzeitschrift "Jane's Aviation Security".

In dem Reuters-Interview erläuterte Camus außerdem die Prognose von einem 15-prozentigen Anstieg bei Umsatz und Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) für 2001, die die Analysten bei der Bilanzpressekonferenz vor rund zwei Wochen enttäuscht hatte. Allein die Hälfte des erwarteten Umsatzzuwachses entstehe nämlich dadurch, dass die EADS die Tochter Airbus 2001 zu 100 % und nicht mehr nur zu 80 % konsolidiere. In der Prognose seien aber auch gestiegene Forschungskosten und ein erwartetes schlechteres Wechselkursverhältnis enthalten, sagte Camus. "Wenn wir dieselbe Dollar-Rate für 2001 wie für 2000 angenommen hätten, dann läge der Umsatzanstieg bei 20 %", erläuterte er. Außerdem würden sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in diesem Jahr um 600 Mill. ? und damit fast um 50 % gegenüber 2000 erhöhen.

Markt für

Boeing

-Plan größer als für Airbus-Jumbo

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