Bessere Konditionen
Deutsche Bank macht der Börse Konkurrenz

Die Deutsche Bank bietet einigen Online-Kunden ab November den außerbörslichen Wertpapierhandel über ein eigenes System an und tritt damit in Konkurrenz zur Deutschen Börse.

Reuters FRANKFURT. "Ab November erhalten diese Kunden dann bessere Konditionen", sagte ein Sprecher von Deutschlands größter Bank am Montag in Frankfurt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Bank ihren rund zehnprozentigen Anteil an der Deutschen Börse verkauft.

Das Geldinstitut setzt mit seiner eigenen Plattform auf Internalisierung, das heißt die Orders werden nicht an eine Börse weitergeleitet, sondern direkt mit dem Handelsbuch der Bank verrechnet. Dabei verdient das Institut neben den Transaktionsgebühren auch am Unterschied (Spread) zwischen An- und Verkaufskurs. Den Kunden wird in der Regel ein günstigerer Ausführungskurs als an der Börse angeboten, daher nennt die Deutsche Bank ihre Plattform "Price Improvement System" (PIP).

Die Bank sieht ihr Angebot als zusätzlichen Kundenservice und verbindet damit in den derzeit schweren Börsenzeiten keine ambitionierten Wachstumsziele. "Der Aktienhandel ist bei allen Banken derzeit rückläufig, deshalb macht es keinen Sinn, hier große Wachstumsfantasien zu wecken", hieß es in Kreisen der Bank. PIP wurde von der Deutschen Bank bisher mit den Kunden der Sparda-Bank getestet und ähnelt dem erst im September gestarteten "Xetra Best" der Deutschen Börse, an dem die Bank nicht teilnimmt. Offen ließ der Banksprecher, ob das System in Zukunft weiteren Instituten angeboten wird.

Das Konzept der Internalisierung von Wertpapieraufträgen stammt aus den Boomzeiten des deutschen Aktienmarktes in den späten 90er Jahren, als immer mehr Privatleute in Aktien investierten. Die Deutsche Bank hat trotz des rückläufigen Handels-Interesses der Kleinaktionäre entschlossen, selbst ein entsprechendes System in Betrieb zu nehmen. Neben dem für alle offenen "Xetra Best" wird es voraussichtlich ab Anfang 2003 eine ähnliche Plattform von Nasdaq Deutschland geben, an der unter anderem die Dresdner Bank und die Commerzbank beteiligt sind.

Das PIP-System wird nach den Angaben des Bank-Sprechers Kunden des Internetportals der Deutschen Bank "Max Blue" zur Verfügung stehen, die regelmäßig viele Transaktionen haben. Der Nutzer müsse bei der außerbörslichen Ausführung der Order auch einen Referenzmarkt angeben. Geboten werde ein besserer oder mindestens genauso günstiger Kurs wie aus diesem Referenzmarkt, sagte der Sprecher. Die Preisbildung über PIP sei außerbörslich und unterliege daher nicht der Überwachung der Börsenaufsicht. Zu Xetra Best sagte der Sprecher, die Bank stehe dort prinzipiell als Teilnehmer zur Verfügung, nehme diese Möglichkeit derzeit aber nicht wahr.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte die Bank ihren knapp zehnprozentigen Anteil an der Deutschen Börse für rund 360 Millionen Euro an mehrere institutionelle Anleger verkauft. Unter dem neuen Bankchef Josef Ackermann forciert das Institut seit Monaten den Abbau seiner Industriebeteiligungen. Die Bank bleibt aber weiter einer der wichtigsten Kunden der Börse.

Die Deutsche Börse sieht das neue System offenbar gelassen. "Wir sehen uns mit Xetra Best gut positioniert. Schließlich bieten wir einen überwachten Handel und eine garantierte Kursverbesserung gegenüber dem elektronischen Handel auf Xetra an", sagte ein Sprecher der Börse. Die Börse hatte zunächst Startprobleme mit Xetra Best. Waren ursprünglich mehr als zehn Nutzer für das System angekündigt, lief es Anfang September ohne einen einzigen aktiven Teilnehmer an. Derzeit lassen nach Angaben der Börse die HypoVereinsbank und Banco Santander Aufträge über Xetra Best abwickeln. Handelsvolumina von durchschnittlich 30 Millionen Euro pro Woche entsprächen dabei den Erwartungen, sagte der Sprecher und verwies darauf, dass dies immerhin rund zehn Prozent des wöchentlichen Umsatzes der sieben deutschen Regionalbörsen (ohne Frankfurt) sei.

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