Bessere Methoden zur Früherkennung von Darmkrebs entwickelt
Test erkennt kleinste Tumor-Spuren

Darmkrebs ist in Deutschland die Tumorerkrankung mit den zweithäufigsten Todesfällen - bessere Vorsorge könnte das ändern. Ärzte hoffen deshalb auf einen verträglichen und exakten neuen Test aus den USA.

HB LEIPZIG. Bessere Methoden bei der Früherkennung sollen künftig dabei helfen, die Zahl der schweren Darmkrebserkrankungen deutlich zu senken. Einen geeigneten Test hat jüngst eine Gruppe von Wissenschaftlern um Bert Vogelstein an der Johns Hopkins University im US-amerikanischen Baltimore entwickelt. Mit ihm lassen sich mutierte "APC-Gene" im Stuhl nachweisen. Diese deuten darauf hin, dass sich eine Darmzelle zu einer Krebszelle entwickelt. Allerdings soll es noch fünf Jahre dauern, bis das Verfahren bei Routineuntersuchungen in Kliniken angewendet werden kann.

Darmkrebs ist in Deutschland die Tumorerkrankung mit den zweitmeisten Todesfällen. Das ließe sich nach Ansicht von Experten mit regelmäßigen Untersuchungen ändern. "Kein Patient müsste heute mehr an Dickdarmkrebs sterben", sagt der Endoskopie-Experte Karel Caca, Privatdozent an der Medizinischen Klinik der Universität Leipzig. Im Frühstadium erkannt ließen sich Tumore endoskopisch entfernen. "Falls sie schon entartet sind, kann man sie operieren, bevor Tochtergeschwülste entstehen", erläutert Caca.

Der Leipziger Arzt ermittelt seit drei Jahren mit Hilfe eines als Chromo-Endoskopie bezeichneten Verfahrens erste Zeichen von Krebs. Bei dieser verbesserten Methode der Darmspiegelung werden Farbstoffe auf die Oberfläche der Darmschleimhaut gespritzt, die krebsverdächtige Zellen hervorheben. Dadurch lassen sich bösartige Tumore bereits in einem Stadium entdecken und entfernen, in dem sie sonst nicht zu erkennen sind.

Besonders ältere Menschen sind gefährdet

Caca arbeitet seit anderthalb Jahren mit dem neuen Verfahren und zieht eine positive Bilanz: "Man findet wesentlich mehr Adenome als früher und kann diese besser von harmlosen Polypen unterscheiden", sagt er. Adenome heißen jene zunächst gutartigen Darmpolypen, aus denen sich oftmals Darmkrebs entwickelt. Das geschieht nicht plötzlich, sondern langsam über einen Zeitraum von etwa 8 bis 15 Jahren. "Etwa die Hälfte der über Siebzigjährigen haben Darm-Adenome", weiß Caca.

Deshalb hält er die Früherkennung für besonders wichtig. Jeder Mensch ab 50 Jahren solle sich einer Darmspiegelung unterziehen, fordert der Arzt. Die Untersuchung betrachteten zwar viele als unangenehm, aber durch Betäubungsmittel würden die Patienten heute kaum noch etwas spüren. Dafür könne jeder, bei dem kein Polyp gefunden werde, die nächsten fünf, vermutlich sogar zehn Jahre sicher sein, nicht an Darmkrebs zu erkranken.

Das größte Problem sieht der Mediziner allerdings in der Finanzierung einer derartigen Screening-Methode: "Die Krankenkassen bezahlen zwar als Vorsorge-Untersuchung die Bluttests im Stuhl, aber sie bezahlen keine Darmspiegelung", sagt Caca. Bei der Blutuntersuchung im Stuhl - dem Hämoccult-Test - müssen die Patienten dreimal eine kleine Stuhlprobe entnehmen, die schließlich im Labor auf Blutspuren untersucht wird. Oftmals ist der Test jedoch zu ungenau, zeigt Hämorrhoiden-Blutungen an oder reagiert fälschlicherweise auf verzehrte Nahrungsmittel wie beispielsweise rotes Fleisch und Broccoli.

Genau diese Probleme könnte der neue Test aus den Vereinigten Staaten beseitigen. Die von Bert Vogelstein nachgewiesenen APC-Gene stellen die ersten genetischen Veränderungen einer Darmzelle auf dem Weg zur Krebszelle dar. Funktionsfähige APC-Gene sorgen normalerweise dafür, dass Dickdarmzellen nicht entarten. Wenn dieser Regelmechanismus durch eine Gen-Mutation falsch gesteuert wird, kann sich eine Darmzelle vermehrt teilen, ungehindert wachsen und zu einer Krebszelle entwickeln.

Bei ihren Testpersonen konnten die Forscher schon über 60 Prozent der bösartigen Tumore und die Hälfte aller Adenome sicher nachweisen. Wenn die Patienten keine derartigen Geschwülste hatten, blieb der Test hingegen unauffällig. Somit sprachen alle nachgewiesenen APC-Mutationen sicher für ein Adenom oder Krebs. Dank dieser gentechnischen Methode genügt in Zukunft womöglich schon eine einfache Stuhlprobe, um die gefährdeten Patienten herauszufinden und zu endoskopieren.

"Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings kein genaueres Verfahren der Krebsfrüherkennung als die Darmspiegelung", sagt Caca. Sie ermögliche es nicht nur, die Proben feingeweblich zu untersuchen. Es sei auch möglich, verdächtige Strukturen von der Darmoberfläche zu entfernen. Zudem können Ärzte bereits größere Adenome und Darmkrebs in sehr frühen Stadien endoskopisch abtragen und dem Patienten dadurch eine Operation mit größerem Risiko ersparen.

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