Bessere Technologie vertreibt das Image des stinkenden und rauchenden Pkw-Antriebs
Der alte Diesel zeigt sich in neuem Glanz

Fast die Hälfte der neuen Personenwagen in Westeuropa hatten 2002 bereits einen Dieselmotor. Mit neuer Technik zur Umweltschonung wollen die Automobilhersteller den Siegeszug fortsetzen.

FRANKFURT/M. Die europäischen Autobauer preisen ihn als Sparwunder, in Amerika hingegen wird er verschmäht. Doch das soll sich ändern: Mehr als 100 Jahre nach seiner Erfindung ist der Diesel zu seinem zweiten weltweiten Siegeszug angetreten. Als Lkw-Antrieb etabliert, erobert der Selbstzünder seit Jahren auch immer größere Anteile bei den Pkw.

Obwohl seine Sparsamkeit unumstritten ist - gegenüber Benzinern nutzt ein Dieselmotor den Treibstoff um bis zu 30 % besser -, standen seine Negativeigenschaften lange einem breiten Erfolg entgegen: Dieselmotoren waren lahm, sie stanken, hatten ein störendes, laut nagelndes Motorgeräusch und zogen beim Beschleunigen eine dicke Rauchwolke hinter sich her. Nichts für Fahrer, die sich ein modernes, sauberes, sportliches oder sogar umweltbewusstes Image geben wollten.

Doch der Diesel ist chic geworden - dank der Entwicklungsabteilungen bei Zulieferern und Autohersteller und unterstützt durch die Marketingabteilungen. Moderne Dieselmotoren überzeugen nicht mehr nur durch niedrigen Verbrauch. Sie verfügen auch über Mehrventiltechnik sowie elektronische Optimierung des Einspritzprozesses und der Abgasrückführung. Zudem hat sich die Technik der Motoren mit einem hohen Einspritzdruck, Abgasturboaufladung und Rußfiltersystemen verbessert. Ein hohes Drehmoment verleiht ihnen sportliche Beschleunigungswerte. Abgasreinigung und Geräuschdämmung lassen kaum noch erkennen, dass ein Diesel unter der Haube brummt.

Seit 1990 stieg der Diesel-Anteil im Pkw-Geschäft in Westeuropa nach Zahlen der Marktforscher von J.D. Power von 15 % auf rund 40 % im vergangenen Jahr. Der Erfolg ist nicht allein dem Technologiefortschritt zuzuschreiben. Denn lohnenswert wird der in der Anschaffung meist teurere Diesel erst durch staatliche Unterstützung. Eine niedrigere Besteuerung als beim Benzinkraftstoff macht Diesel in Europa im Schnitt ein Sechstel billiger.

Umweltschützer monieren dies als ungerechtfertigte Förderung, Sie bemängeln die - wenn auch in den vergangenen Jahren beträchtlich gesunkenen - Werte an Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoff, Stickstoff und vor allem an Rußpartikeln. Besonders letztere stehen im Verdacht, stark krebserregend zu sein. Die neue Euro IV-Abgasnorm, die erst ab 2005 gilt, gleichwohl schon von vielen neuen Aggregaten erfüllt wird, zielt zwar auf eine Reduzierung der Emissionen. Das Problem des Rußes wird dadurch aber nicht gelöst.

Dabei gibt es längst eine praktikable Lösung: So bietet der französische Hersteller PSA für seine Marken und Citroën einen Filter an, der kaum noch Ruß in die Umwelt entlässt und erst nach 120 000 Kilometern gewartet werden muss. Auf dieser Strecke hat ein Motor ohne Filter bereits mehrere tausend Gramm des schwarzen Verbrennungsrückstandes in die Luft geblasen. Die Franzosen, gemeinsam mit der Wolfsburger VW-Gruppe das Führungsduo beim Verkauf von Pkw-Diesel, sehen ihr System besonders in umweltsensiblen Märkten wie Deutschland als echtes Verkaufsargument, wie Deutschlandchef Olivier Veyrier kürzlich betonte.

Auf den Filter setzt in Kooperation mit PSA zunehmend auch Ford. Auch japanische Hersteller wie zuletzt Toyota favorisieren die nachträgliche Reinigung der Abgase, während die deutschen Hersteller dies nur für die zweitbeste Lösung halten. Sie arbeiten an Technologien, bei denen bereits deutlich weniger Ruß die Verbrennungskammer verlässt. Bislang gibt es allerdings keine Lösung in Serie, die an die Ergebnisse der Filtersysteme heranreicht.

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