Bessere Wachstumsaussichten in den USA
Euro-Zone verzeichnet weiter Netto-Kapitalabflüsse

Die Kapitalbilanz der Euro-Zone dokumentiert nach Einschätzung von Analysten, dass Investoren nach wie vor die USA dem Euro-Währungsgebiet als Standort für Kapitalanlagen vorziehen.

Reuters FRANKFURT. Netto seien aus der Euro-Zone im ersten Quartal 2001 Direktinvestitionen und Wertpapieranlagen von 86 Mrd. Euro abgeflossen, rund doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mit. Wegen eines höheren Überschusses in der Handelsbilanz verringerte sich das Defizit in der Leistungsbilanz unterdessen auf 9,2 Mrd. Euro von 11,5 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.

Bei den Direktinvestitionen verzeichnete die EZB im ersten Quartal einen Nettoabfluss von 47,5 Mrd. Euro, verglichen mit Nettozuflüssen von 147,5 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Allein im März investierten Anleger aus der Euro-Zone demnach per saldo 42,3 Mrd. Euro mehr Kapital außerhalb des Währungsgebiets, als Direktinvestitionen in die Währungsunion flossen. Bei den Wertpapieranlagen betrug das Quartalsdefizit indes nur noch 38,5 Mrd. Euro nach 190,4 Mrd. Euro in den ersten drei Monaten 2000. Die Daten zeigten, dass der Abfluss von Direktinvestitionen im März angehalten habe, sagte Nick Stamenkovic, Volkswirt von Nomura International. Das geringere Defizit bei den Wertpapieranlagen sei indes nicht als eine Trendwende hin zu geringeren Abflüssen in diesem Bereich zu betrachten.

Stärkeres Vertrauen in die US-Notenbank

Bessere Wachstumsaussichten in den USA und die nur zögerlichen Strukturreformen in der Euro-Zone seien der Grund dafür, dass die USA nach wie vor Kapital anzögen, sagte Stamenkovic. "Außerdem gibt es ein stärkeres Vertrauen in die US-Notenbank als in die Europäische Zentralbank, die die Finanzmärkte verwirrt hat", fügte er hinzu. Die EZB hatte mit ihrer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf einen Schlüsselzins von 4,50 % am 10. Mai Märkte und Analysten überrascht. Diese hatten noch nicht mit der seit langem geforderten Zinssenkung gerechnet, weil EZB-Vertreter wiederholt auf die Inflationsgefahren hingewiesen hatten. Die US-Notenbank Fed ist der Konjunkturabschwächung in den USA unterdessen schon mit fünf Zinssenkungen von insgesamt 2,50 %punkten auf 4,00 % entgegengetreten - in einigen Fällen ebenfalls unerwartet. Während die Finanzmärkte jedoch der EZB den überraschenden Schritt verübelt hatten, begrüßten sie die ungleich stärkeren Zinssenkungen der Fed als richtigen Entscheidung angesichts der erlahmenden Konjunktur.

Dass die USA trotz ihrer derzeitigen Wachstumsschwäche attraktiver für Kapitalanlagen sind als die Euro-Zone lässt auch den Kurs des Euro zum $ seit Wochen kontinuierlich sinken. Derzeit kostet er mit 85,50 US-Cent rund elf Cent weniger als zu Jahresbeginn. Die schwächere Währung spiegelt sich Analysten zufolge in der Handelsbilanz der Euro-Zone wider. Diese wies im ersten Quartal einen Überschuss von 6,7 Mrd. Euro auf nach 3,1 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Der schwächere Euro lasse die Exporte in der Euro-Zone steigen, sagte Ulrich Beckmann von Deutsche Bank Research. Die EZB müsse deshalb die Leitzinsen nicht so stark senken wie die US-Notenbank, zumal die schwächere Währung Inflationspotenzial berge.

Im März 2001 allein wies die Handelsbilanz nach Angaben der EZB einen Überschuss von 5,3 (März 2000: 3,3) Mrd. Euro auf. Dieses Plus wurde jedoch von den Defiziten in den Bilanzen für Dienstleistungen, laufende Übertragungen sowie Erwerbs- und Vermögenseinkommen übertroffen. Die Leistungsbilanz, die alle Einzelbilanzen zusammenfasst, verzeichnete deshalb ein Defizit von 2,8 Mrd. Euro, nachdem im Vormonat erstmals seit fast einem Jahr ein Überschuss erzielt worden war.

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