Bessere Zeiten nahen
Münchener Rück erwartet trotz Anschlägen Gewinn

Trotz der Milliardenschäden aus den Anschlägen in den USA wird die Münchener Rück nach eigener Einschätzung 2001 mit einem Gewinn abschließen und sieht danach für die Rückversicherung deutlich bessere Zeiten kommen. Allein im dritten Quartal führten die Attacken mit Schäden von 2,1 Mrd. Euro zu einem Verlust von 1,21 Mrd. Euro, wie der größte Rückversicherer der Welt am Donnerstag mitteilte.

Reuters MÜNCHEN. "Der 11. September (wird) tiefe Spuren in unserem Jahresergebnis hinterlassen", sagte Vorstandschef Hans-Jürgen Schinzler. Trotz eines stark rückläufigen Gewinns könne die Münchener Rück aber eine gleich bleibende Dividende von 1,25 Euro je Aktie zahlen.

In den ersten neun Monaten schrumpfte der Überschuss auf 85 Mill. Euro zusammen, nach dem ersten Halbjahr hatte die Rück noch 1,3 Mrd. Euro Gewinn ausgewiesen. Die Zahlen lagen im Rahmen der weit auseinander liegenden Erwartungen von Analysten, die im Durchschnitt mit 123 Mill. Euro Gewinn gerechnet hatten. Die Münchener Rück hielt an ihrer Schätzung für die Schäden der Anschläge fest. Analysten hatten im Vorfeld erklärt, dies könne die Märkte beruhigen, nachdem Versicherer wie Allianz und Lloyd's ihre Schadensprognosen um bis zu 50 % erhöht hatten. "Auch wir hatten einen terrorristischen Anschlag von derart schrecklichen Ausmaßen nicht auf unserer Rechnung", räumte der Vorstandschef ein. Gleichwohl habe der Konzern diese Bewährungsprobe bestanden.

Ohne die Anschläge auf das World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium hätte die Münchener Rück nach Angaben Schinzlers für die neun Monate mehr als 1,5 Mrd. Euro Gewinn ausgewiesen. Vor dem 11. September hatte die Rück für das ganze Jahr 2001 mit mehr als 1,9 Mrd. Euro Gewinn gerechnet. "Der 11. September hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht", sagte der Vorstandschef. Das Verhältnis von Schäden und Kosten zu den eingenommenen Prämien schnellte von Januar bis September auf 133,9 % nach oben.

Auch die Flaute am Aktienmarkt drückte auf den Gewinn der Münchener Rück. In den ersten neun Monaten wurden weniger als eine Milliarde Euro an Kursgewinnen realisiert, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 4,1 Mrd. Euro.

Mittelfristig werde die Münchener Rück von der weltweiten Neueinschätzung von Mega-Risiken profitieren, sagte Schinzler. Die Konkurrenz und damit die Überkapazitäten gingen zurück. Höhere Prämien ließen sich nun leichter durchsetzen. "Deshalb wird es zu einer kräftigen Anhebung des in den letzten Jahren vielfach heruntergewirtschafteten Preisniveaus kommen", sagte der Vorstandschef voraus. Bereits im kommenden Jahr sei in der Rückversicherung ein Gewinnschub zu erwarten. Wenn dann große Katastrophen ausblieben, dürfte der Jahresüberschuss deutlich über jenen 1,75 Mrd. Euro liegen, die der Konzern im vergangenen Jahr verdient hatte.

Die Aktie stieg am Donnerstag bis zum späten Vormittag um 2,6 % auf 294,60 Euro. Analyst Espen Nordhuis von Morgan Stanley führte das Plus auf den Ausblick zurück: "Mir scheint, dass die Münchener Rück klar machen will, dass ihre Zukunft rosig aussieht. Deshalb geht die Aktie nach oben."

Die Bruttobeiträge des Rückversicherungskonzerns stiegen in den ersten neun Monaten des Jahres um fast 15 % auf 25,8 Mrd. Euro, in der Rückversicherung um gut 18 % auf 15,5 Mrd. Euro. Die Erstversicherer um die Düsseldorfer Ergo-Gruppe nahmen mit 11,5 Mrd. Euro gut zehn Prozent mehr ein als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Für das gesamte Jahr rechnet die Münchener Rück nun mit einem Prämienwachstum von zehn Prozent auf mehr als 34 Mrd. Euro, etwas mehr als bisher erwartet worden war.

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