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Besserer Start für Aktien

Aktien dürften im kommenden Jahr nach Ansicht vieler Experten besser laufen als Anleihen. Das heißt aber nicht in jedem Fall, dass Anleger damit mehr Geld verdienen.

HB DÜSSELDORF. Das zu Ende gehende Jahr war zweifellos ein Heimspiel für die Renten-Anhänger, nicht zuletzt wegen der dramatisch sinkenden Leitzinsen in den USA. Weil viele Analysten davon ausgehen, dass diese Lockerung der Kreditzügel im Herbst 2002 auslaufen könnte, werden zumindest für die kommenden Monate den Aktien größere Chancen eingeräumt.

Die Strategen bei Commerzbank Securities argumentieren, dass die wahrscheinlich bessere Ertragslage der Konzerne noch keineswegs vollständig in die Kurse eingepreist sei. Vor allem die zyklischen Titel sollten im ersten Halbjahr 2002 ins Laufen kommen, jedoch könnten Rückschläge folgen, wenn die optimistischen Gewinnschätzungen im ersten Quartal enttäuscht würden. Überkapazitäten, vor allem in der Chemiebranche, würden das Kurspotenzial nach der anfänglichen Rally begrenzen.

Andererseits sehe es danach aus, als ob der Aktienmarkt die strukturellen Chancen aus der Steuerreform - vor allem die Anteilsverkäufe deutscher Konzerne - tendenziell unterschätze. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Commerzbank-Analysten unter anderen die Aktien von Linde, Karstadt-Quelle, AMB Generali, Thyssen-Krupp, Techem, Jenoptik und Fraport zum Kauf.

Möglicherweise fährt der Anleger im nächsten Jahr trotz der generell positiven Erwartungen an die Aktienbörse mit Unternehmensanleihen besser. Denn eine wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr werde zu höheren Bonitätseinstufungen der Rating-Agenturen führen, argumentiert Kim Schoenholtz, Chefvolkswirt bei Salomon Smith Barney (SSB). Wenn das Ausfallrisiko damit unwahrscheinlicher wird, nimmt die Nachfrage nach Corporate-Bonds zu, was zu steigenden Kursen führen dürfte. Zwar rechnet SSB damit, dass auf Basis der gegenwärtigen Bewertungen für Aktien ein Kursspielraum nach oben von 10 bis 15 % realistisch sei. Aber selbst wenn die Aktien damit die Anleihen in absoluter Rechnung schlagen sollten, erkaufe man diesen Vorsprung mit einer voraussichtlich hohen Volatilität, also starken Kursschwankungen bei den Dividendenpapieren. Bei einem falschen kurzfristigen Timing kann das für den Investor bedeuten, dass er zum Jahresende hin vielleicht viel schlechter abschneidet, weil er zu teuer einkauft und seine Performance darunter leidet.

Außerdem dürfte es in Zukunft mehr Unternehmensanleihen von mittelgroßen Firmen geben, die sich wegen der restriktiveren Kreditvergabe seitens der Banken nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen, meint James Quigley, Senior Vice President und Rentenmarktexperte bei Merrill Lynch Capital Markets Bank Ltd. Hier dürften auch für den privaten Investor lohnende Stücke zu attraktiven Konditionen dabei sein. Erste Anfänge in dieser Richtung waren in diesem Jahr die Euro-Anleihen von JM Voith und Franz

Besonders viele Bonds hat die Telekombranche herausgegeben. Vor allem wegen der unsicheren Aussichten des Mobilfunks und der enorm hohen Verschuldung einiger Konzerne sind diese Papiere immer wieder unter Druck geraten. Holger Kammel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärt, der Markt für Telekom-Bonds habe sich stabilisiert. Der Renditeabstand zu Bundesanleihen, der zeitweise bis drei Prozentpunkte betrug, habe sich in etwa halbiert. Mit dem Abschmelzen dieses "Spreads" sei aber auch das Potenzial dieser Papiere für weitere Kurssteigerungen begrenzt.

Unternehmensanleihen haben - im Gegensatz zu Staatsanleihen - ein höheres Ausfallrisiko. Deshalb empfiehlt es sich, das Research hier ähnlich genau zu studieren wie bei den Aktien. Anleger sollten auf die Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen achten - als Faustregel gilt: je mehr A, desto besser.

Nicht einig sind sich die Experten über die Frage, welche Laufzeiten zu bevorzugen seien. Während Annette Pacl-Schneeweis von der BHF-Bank auf mittlere Laufzeiten setzt, hält Holger Kammel lange Restlaufzeiten für "durchaus interessant".

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