Besserer Zugang zu Werbekunden
Scholz & Friends fusioniert mit United Visions

Der TV-Produzent United Visions und die Werbeagentur Scholz & Friends wollen sich zu einem integrierten Kommunikationsdienstleister zusammenschließen. An welchem Börsensegment das neue Unternehmen notiert sein wird, ist noch offen.

rtr/md/jgo FRANKFURT. "Wir erhalten durch die Fusion besseren Zugang zur werbe- und marketingtreibenden Industrie", sagte United Visions-Finanzvorstand Wolfgang Boye der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die S&F-Berater könnten durch die Fusion künftig auch TV-Events nutzen, sagte Thomas Heilmann, Executive Director von S & F. Das neue, unter Scholz & Friends AG firmierende Unternehmen komme auf einen Jahresumsatz von rund 160 Mill. DM und werde an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein.

Tabelle der zehn größten Werbeagenturen in Deutschland

Die neue Gesellschaft wird den Angaben zufolge mit 900 Mitarbeitern in 13 Ländern vertreten sein. Die von dem Miterfinder der TV-Show "Wetten, dass...?" Wolfgang Penk gegründete und derzeit am Neuen Markt gelistete United Visions bringe eine Jahresumsatz von rund 28 Millionen DM in die Fusion ein. S & F verwalten nach eigenen Angaben Werbeetats in Höhe von rund 1 Mrd. DM bei einem Honorarumsatz im vergangenen Jahr von 140 Mill. DM. Zu ihren Kunden zählten Daimler-Chrysler und der französische Versicherungskonzern Axa SA.



Die neue Gesellschaft werde entweder am Neuen Markt oder am Geregelten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein, sagte Heilmann. Die Entscheidung stehe noch aus. Die beteiligten Beraterbanken UBS Warburg, DG Bank und HSBC seien mit der Deutsche Börse darüber noch im Gespräch. Es gehe darum, welche Aktionärsgruppe angesprochen werden solle. Eine Sprecherin der Deutsche Börse sagte auf Anfrage, bei einer solchen Fusion bleibe das Listing am Neuen Markt nicht grundsätzlich erhalten. In einer Einzelfallprüfung müsse darüber befunden werden, ob das Profil der neuen Gesellschaft dem Charakter des Wachstumssegmentes entspreche. Heilmann zufolge soll die Fusion im dritten oder vierten Quartal abgeschlossen sein.

Vor der Fusion werde die britische Cordiant Communications Group, die derzeit 100 % an S & F hält, 19 % der Anteile von United Visions für rund 5 Mill. Euro erwerben, sagte Boye. Dabei würden alle größeren Aktionäre von United Visions anteilig Aktien verkaufen. Später sollten S & F sowie United Visions vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre fusioniert werden. Boye zeigte sich optimistisch, dass die Aktionäre auf der voraussichtlich am 24. Juli statt findenden Hauptversammlung dieser Maßnahme zustimmten. Nach der Fusion werde Cordiant zunächst mehr als 80 % an der neuen Gesellschaft besitzen. Dieser Anteil solle jedoch durch Kapitalerhöhungen und Zweitplatzierungen (SPO) verringert werden, sagte Heilmann.

Heilmann und Boye versprechen sich von der Fusion ein großes Wachstumspotenzial, wollten aber beide keine genauen Angaben machen. Der Vorstand der neuen AG werde mit Thomas Heilmann und Sebastian Turner von der S&F GmbH und mit Tewe Pannier, Wolfgang Boye und Christian Tiedemann besetzt sein. Pannier und Boye sind derzeit Vorstände bei United Visions. Die Aktien von United Visions verloren am Freitag in einem schwachen Gesamtmarkt mehr als 7 % auf 7,55 Euro. Die Aktie war im Juni 2000 zu 24 Euro von der DG Bank an den Neuen Markt gebracht worden.

NHS wollte schon 2000 an die Börse



Scholz & Friends wäre die erste börsennotierte Werbeagentur in Deutschland. Ursprünglich wollte die Firma NHS aus Essen den Vorreiter spielen und Ende 2000 an den Neuen Markt gehen. Die Agentur, die mit einem Honorarumsatz in Höhe von 11,56 Mill. Euro pro Jahr Platz 33 in der Rangliste des Gesamtverbandes Werbe-Agenturen (GWA) einnimmt, peilt den Börsengang nun im zweiten Halbjahr an. Wichtigste Kunden sind Unternehmensangaben zufolge Thyssen Information Services und die Zwiebackfirma Brandt. Welches Segment die Agentur ansteuern wird, ist noch unklar. Da die Aktien bereits vorbörslich gehandelt wurden, müssten sich die Altaktionäre bei einem Gang an den Neuen Markt dazu verpflichten, die Titel mindestens ein halbes Jahr zu halten. Bislang haben sich aber erst 97,5 % der Aktionäre dazu bereit erklärt.



Kein Trend zum Börsengang bei deutschen Werbeagenturen



Der geplante Börsengang von Scholz & Friends steht nach Aussage des Zentralverbands der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) nicht als Beispiel für einen neuen Trend im Agenturmarkt. Derzeit sucht die Branche ihre Wachstumsmöglichkeiten in dem eher von stagnierenden Profiten geprägten Markt auf anderen Wegen. Vor allem die größeren Unternehmen bilden zunehmend Konglomerate, um das Gesamtspektrum der Marketingkommunikation abzubilden. "Auch TV-Produktion kann zur Marketingkommunikation gehören", sagt ZAW-Sprecher Volker Nickel. Allerdings birgt diese Verbindung auch möglichen Sprengstoff. Die Fusion von Scholz & Friends mit United Visions, muss ja nicht bedeuten, dass damit auch Einfluss auf redaktionelle Inhalte genommen wird", schwächt Nickel ab.

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