Besserung erst 2004 in Sicht
Keine Erholung auf dem US-Telekom-Markt

Wenn die großen US-Telekomanbieter in den nächsten Tagen ihre Ergebnisse vorlegen, rechnet niemand mit Jubel. Im Gegenteil: Die Konzerne, die von hohen Überkapazitäten, der Wirtschaftskrise und spektakulären Pleiten wie der von Worldcom geplagt werden, stehen weiter unter Druck.

siri SAN FRANCISCO. Die für das Jahresende erwartete Erholung verschiebt sich nach Meinung der Experten auf 2004. "Wir sehen noch keinen Umschwung", sagt Duane Ackerman, Chef der Bell South Corp. Die Rating-Agentur Moody?s warnte, dass die Kreditwürdigkeit der gesamten Branche herabgestuft werden könnte.

Analysten erwarten, dass der Umsatz beim Ex-Monopolisten AT&T Corp., der am Dienstag seine Quartalszahlen vorlegen wird, um 7 % fällt. Nicht viel besser sieht es bei den regionalen Telefongesellschaften aus: Bei der Qwest Communications International Inc. erwarten sie einen Einbruch um mehr als 10 %. Der Verlust je Aktie soll bei 14 Cents liegen. Im Durchschnitt sagen Analysten Regionalgesellschaften einen Umsatzeinbruch von 2 % voraus.

Schuld an den trüben Erwartungen sind nicht nur die Investitionszurückhaltung der Firmenkunden und die Sparmaßnahmen in Privathaushalten, sondern auch Unsicherheit darüber, wie sich die Regulierungsbehörde künftig verhalten wird.

Das belastet vor allem die so genannten Baby Bells - einst regionale Telefongesellschaften wie SBC Communications Inc., Verizon Communications Inc., Bell South und Qwest, die 1984 vom Monopolisten AT&T abgespalten worden waren. Seit der Deregulierung des Marktes im Jahr 1996 dürfen sie auf dem nationalen Markt und im Mobilfunk mitmischen. Auch diese Regionalanbieter haben in den vergangenen Monaten Entlassungen von Tausenden von Mitarbeitern angekündigt und die Budgets für Investitionen im Jahr 2003 um 21 % bis 68 % gekürzt. Die Aktienkurse der regionalen Telefongesellschaften sind in diesem Jahr durchschnittlich um 20 % gefallen.

Doch eine neue Verordnung der Regulierungsbehörde trifft die Baby Bells besonders hart: Rivalen wie AT&T und Conversent Communications können die Leitungen der Regionalgesellschaften wesentlich günstiger als bisher leasen und somit stärker mit ihnen konkurrieren. "Wir subventionieren nicht die Kunden, sondern die Konkurrenten", empört sich Edward Whitacre, Chef des texanischen Anbieters SBC.

Befürworter der Preispolitik argumentieren dagegen, die Regulierung sei die einzige Möglichkeit, den durch den Kollaps vieler Telefongesellschaften stark eingeschränkten Wettbewerb in der Telekombranche in den USA aufrecht zu erhalten.

AT&T wildert fleißig in den Gebieten der Baby Bells: Seit Januar hat der Ex-Monopolist 200 000 Kunden von SBC abgeworben, in Kalifornien läuft ebenfalls eine aggressive Werbekampagne im lokalen Markt. Allerdings glauben Analysten nicht, dass der neue Umsatz aus dem lokalen Geschäft den Einbruch im nationalen Geschäft von AT&T aufhalten kann.

Die Baby Bells engagieren sich aber auch im Markt für Ferngespräche. Verizon verzeichnete hier im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 26 %. Das New Yorker Unternehmen hat die besten Chancen, gestärkt aus der Krise hervor zu gehen. Die Firma erwartet im dritten Quartal einen Gewinn von 77 Cents je Aktie. Einzig die hohen Schulden von 64 Mrd. $ trüben das Bild. Bis Jahresende sollen sie auf 57 Mrd. $ schrumpfen.

Jetzt hoffen die Baby Bells auf den Chef der Aufsichtsbehörde FCC, Michael Powell: Der hatte kürzlich Analysten gesagt, dass er die - noch - bestehenden Unternehmen nicht der neuen Konkurrenz opfern wolle.

Quelle: Handelsblatt

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