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"Besserwisser und Bessermacher"

DÜSSELDORF. Journalisten sagt man eine Berufskrankheit nach: Sie glaubten, alles besser zu wissen. Möglicherweise gibt es nun die Probe aufs Exempel. Xonio.com heißt die Neugründung, in der vier ehemalige Berufsschreiber zusammen mit einem Marktforscher antreten, um es nicht nur besser zu wissen, sondern es auch besser zu machen.

Doch gleich beim Geschäftsmodell zeigen die sechs Gründer, dass es ihnen - wie so vielen in deutschen Landen - an Kreativität mangelt. C-Net heißt das große Vorbild aus den USA, eine unabhängige und journalistisch hochstehende Informationsplattform für die Computer-Branche. Eins zu eins wollten die Xonio-Macher natürlich nicht kopieren, und so soll ihr Angebot (unter www.xonio.de ist ein Testlauf zu sehen) nicht von PC und Servern handeln, sondern ist für Freunde des Mobilfunks gedacht.

Kompetenz bringen sie genug mit: Xonio-Chefredakteur Axel Burkert machte sich als freier Journalist einen Namen in der Branche, schrieb unter anderem für Focus, Stern und Wirtschaftswoche. Auch sein Vertreter Eric Kubitz arbeitete frei für große Namen im deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenwald, ebenso Jean-Marc Göttert, der dritte im Gründer-Bund. Matthias Hohensee dagegen verließ für Xonio sogar einen Posten, der für viele seiner Kollegen ein Traum wäre: Silicon-Valley-Korrespondent der Wirtschaftswoche. Hohensee bleibt allerdings in Kalifornien und schreibt von dort für das junge Mobilfunk-Portal, das in Stuttgart seinen Sitz nehmen wird. Als Geschäftsführer zeichnet einer der bekanntesten Köpfe der deutschen Mobilfunkszene: Mathias Plica, der sich durch einen jährlichen Branchenreport und als Unternehmensberater einen Namen machte. Die Macher überzeugten einen weiteren großen Medien-Namen: Burda. Die Risikokapital-Tochter des Münchener Verlages versorgt die Gründer mit Kapital.

Bei soviel gutem Ruf hätte man mehr Inspiration erwartet, als das Ergebnis Xonio: Finanzieren soll sich das Angebot über Bannerwerbung, Kooperation mit Online-Shops, Kleinstbeträge für das Überspielen von Klingeltönen oder Hintergrundbildern sowie über den Weiterverkauf von Inhalten. Haben wir das nicht alles schon mal gehört? Natürlich: Genau solche Geschäftsmodelle sind es, über die wir Journalisten so gern meckern. Niemals, zetern wir, könnten sie schwarze Zahlen schreiben. Und nun machen gerade ein paar Vertreter unseres Berufsstandes solch ein Unternehmen auf. Es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie ihre Ex-Kollegen eines besseren belehren.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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