"Bestände jetzt halten"
Fondsmanager raten von Aktiennachkäufen ab

Fondsmanager rechnen angesichts der Ausverkaufsstimmung an den Börsen nicht mit einer raschen Erholung der Aktienmärkte. An den Börsen herrsche quer durch alle Branchen Panikstimmung, diagnostizieren die Fondsmanager am Freitag und zogen Vergleiche zum Golfkrieg und der Asienkrise 1997.

Reuters FRANKFURT. Als Auslöser des Verkaufsdrucks gelte neben Rezessionsangst und Kriegsgefahr die Lage der Versicherungen: Diese hätten ihre Risikobudgets aufgebraucht und müssten Aktien abstoßen. Anlageexperten raten wegen unkontrollierbarer Risiken am Markt von Nachkäufen ab und empfehlen, Liquidität zu halten und Risiken in mehreren Schritten abzusichern. Für mutige Privatanleger böten sich allerdings auch Einstiegsmöglichkeiten.

Bernhard Langer, Chief Investment Officer der Invesco Asset Management Deutschland, prophezeit eine schwere Woche: "Die Märkte sind wahnsinnig nervös, die Teilnehmer verhalten sich in Panik. Es gibt keine Käufer." Die Unsicherheit zeige sich an der stark gestiegenen Zahl von Future-Kontrakten. Damit sicherten institutionelle Anleger derzeit ihre Portfolios ab. Ein Frankfurter Fondsmann sieht gar rationale und fundamentale Bewertungskriterien außer Kraft gesetzt.

Die Fondsmanager bewerteten die Rede von US-Präsident Bush in der Nacht, in der er den Radikalislamisten Osama bin Laden als Hauptverdächtigen für die Anschläge in den USA bezeichnet und seine Auslieferung durch die in Afghanistan regierenden Taliban gefordert hatte, zwar als konstruktiv. Doch weil die Zeichen auf einen zähen, langen Kampf stünden, werde nicht mit einer "Erleichterungsrally" gerechnet. "Gegenschlag sorgt für Gegenschlag, wir haben unkontrollierbare Risiken", sagt Robert Halver von Delbrück Asset Management. Halvers Empfehlung lautet: "Bestände, die der Kunde hat, soll er halten." Von Nachkäufen rät Halver ab. Es sei nicht absehbar, wie die Märkte nach einem möglichen Militärschlag reagierten.

Sitzen und Warten

"Wir sitzen genauso da und warten wie die privaten Anleger", sagt Invesco-Manager Langer. Obwohl die Aktien als billig gelten, trauen sich die Anleger noch nicht in die Märkte zurück. Abwarten heißt die Devise auch bei Union Investment, der Fondsgesellschaft der Raiffeisenbanken. Carsten Hilck, Fondsmanager für Europawerte, sagt: "Wir halten unser Pulver weitestgehend trocken. Angesichts der politischen Lage ist es noch nicht ratsam zu kaufen."

Wie in den vergangenen Wochen halten die Fondsgesellschaften viel Geld in der Kasse: In den Dachfonds seiner Gesellschaft seien in der jüngsten Zeit volatile Segmente wie Schwellenländer und wachstumsorientierte Nebenwerte reduziert worden zugunsten von insgesamt zehn Prozent Liquidität, erklärt Hermann-Josef Hall, Vorstand der Sauren Fonds-Research. Für Union Investment-Manager Hilck gilt angesichts der turbulenten Märkte derzeit das Motto "Cash ist King". Den Benchmarks wie Euro Stoxx, an denen sein Fonds gemessen werde, seien die Renditen am Geldmarkt jetzt überlegen.

Die Profianleger zeigten sich irritiert von der Kluft zwischen US- und europäischen Märkten: "Die europäischen Börsen sind fast doppelt so stark gefallen wie in den USA, das ist nicht akzeptabel", sagt Langer. Experten führen die Diskrepanz auf eine stärkere Technologielastigkeit des Dax zurück.

Hexensabbat beschleunigt die Talfahrt

Eine beschleunigende Wirkung auf den Handel schreiben die Fondsprofis dem so genannten Hexensabbat zu. An dem dreifachen Verfallstag für Optionen und Futures kommen viele Aktien auf den Markt. Hauptsächlich rührten die starken Einbrüche aber von institutionellen Investoren her, meint Hilck. Die Versicherer, deren Gewinnpolster in Folge der Marktverluste zusammengeschmolzen seien, müssten ihre Reserven auflösen. "Wenn die Versicherer ihre Portfolios ausleeren, fallen die Aktien quer durch alle Branchen", sagt Hilck.

Zwar gehen die Kapitalanlagegesellschaften davon aus, dass das Risiko eines Konflikts in Afghanistan in den Kursen bereits berücksichtigt ist. Von einem Tiefstpunkt könne aber noch keine Rede sein, sagte ein Frankfurter Fondsmanager. Dennoch sehen die Fondsmanager Chancen für eine Erholung. Sauren-Manager Hall konstatiert für private Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten. Allerdings bräuchten die Anleger viel Zeit: "Wer sein Geld die nächsten fünf Jahre nicht braucht, kann jetzt in solide strukturierte Aktien- und Renten-Portfolios investieren. Denn einen Ausblick allein für die nächste Woche kann man nicht seriös abgeben."

An einen schnellen Aufschwung glaubt auch John Ross, Sprecher von Fidelity in London, nicht. Die Börse sei kein "Get-Rich-Quick" Vehikel mehr, warnt Ross: "Die Investoren sollten in den nächsten Jahren bescheidenere Erwartungen haben.

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