Bestätigung der Kommission: Zypern wird trotz allem EU-Mitglied

Bestätigung der Kommission
Zypern wird trotz allem EU-Mitglied

Die Republik Zypern wird trotz des Scheiterns der Verhandlungen über eine Wiedervereinigung mit dem türkischen-zyprischen Inselteil in die Europäische Union (EU) aufgenommen. Das bekräftigte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel, nachdem UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstagmorgen in Den Haag seine Vermittlungsbemühungen eingestellt hatte.

HB/dpa ANKARA/ATHEN. Kofi Annan ist nicht der erste Uno-Generalsekretär, der sich an Zypern die Zähne ausgebissen hat. Die einzige noch verbliebene Mauer in Europa, die Griechen und Türken auf der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel trennt, hat auch er nicht einzureißen vermocht. Doch die Folgen des neuerlichen Scheiterns der Uno-Bemühungen um eine Lösung des Jahrzehnte alten Konflikt werden - zusammen mit der Türkei - vor allem die türkischen Zyprer zu tragen haben. Zu Zehntausenden waren sie gegen ihren politischen Führer Rauf Denktasch auf die Straße gegangen, weil sie am 1. Mai 2004 mit den Griechen im Süden der Insel Einzug in die Europäische Union (EU) halten wollten.

Den "Schwarzen Peter" hält damit einmal mehr die Türkei in der Hand, die zuletzt auf den kompromisslosen Kurs Denktaschs eingeschwenkt war und damit ihre eigenen Ambitionen auf einen EU-Beitritt aufs Spiel gesetzt hat. Aufnahmeverhandlungen seien unter diesen Umständen nur schwer vorstellbar, ließ sich bereits EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen vernehmen. Beim Gipfeltreffen in Kopenhagen hatte die EU beschlossen, Ankara Ende 2004 noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und dann über den Beginn von Beitrittsgesprächen zu entscheiden.

"Die Zypern-Lösung wird bis 2004 warten müssen", schrieb am Dienstag die "Turkish Daily News". Die türkischen Kreise, die meinten, die völkerrechtlich nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern "gerettet" zu haben, würden in eineinhalb Jahren zu viel größeren Zugeständnissen gezwungen sein, oder aber die Tür der EU werde sich vor der Türkei schließen. Denktasch hatte den Annan-Plan vor allem abgelehnt, weil mit der geplanten Rückkehr von zehntausenden griechischen Zyprern in den Norden die Souveränität des türkischen Teilstaates "verwässert" würde.

Mit der Ablehnung des Uno-Plans hätten die Türkei und die Führung der türkischen Zyprer "eine goldene Gelegenheit" verpasst, verlautete aus Kreisen des griechischen Außenministeriums. Dem Führer der griechischen Zyprer, Tassos Papadopoulos, kam das Nein Denktaschs in Den Haag gerade recht. Er war im Februar ins Amt des zyprischen Präsidenten mit dem Versprechen gewählt worden, "besser und härter" zu verhandeln als sein Vorgänger Glafkos Klerides und mehr für die Griechen der Insel herauszuschlagen.

"Ihr müsst überall Statuen von Denktasch aufstellen. Er hat Euch von der bitteren Entscheidung befreit, Macht an uns abzugeben", sagten türkisch-zyprische Journalisten ihren Kollegen im griechischen Süden. Die Inselgriechen waren nach Einschätzung von Beobachtern mehrheitlich der Ansicht, dass sie durch den UN-Plan verlieren würden, wenn die 18 Prozent türkischen Zyprer politisch mit ihnen gleichgestellt würden.

Die griechische Seite kann angesichts des sicheren Beitritts Zyperns in die EU weiterhin aus einer Position der Stärke verhandeln. In Athen und Nikosia geht man davon aus, dass sich die Türkei "früher oder später" mit dem Problem Zypern beschäftigen müsse. Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sei "undenkbar", solange der Kandidat die Republik Zypern nicht anerkenne und zugleich 37 Prozent des Bodens eines künftigen EU-Mitgliedstaates besetzt halte.

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