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Bestechungsvorwurf: Preussag geht nach Anhörung gegen Ex-Salzgitter-Chef vor

Hans-Joachim Selenz hat seine Vorwürfe gegen Preussag-Chef Michael Frenzel erstmals öffentlich erhoben. Der Preussag-Konzern kündigte daraufhin an, er werde juristisch gegen Selenz vorgehen.

Selenz (rechts)
Selenz (rechts)

rtr HANNOVER. Der frühere Preussag-Manager und ehemalige Vorstandschef der Salzgitter AG, Hans- Joachim Selenz, hat seine Vorwürfe gegen Preussag -Chef Michael Frenzel erstmals öffentlich erhoben. Frenzel habe ihm in einem persönlichen Gespräch Ende 1997 bis zu einer Million DM geboten, wenn er sich für den Verkauf der damaligen Stahl-Tochter der Preussag AG an einen ausländischen Stahlkonzern einsetze, sagte Selenz am Freitag im Landtag in Hannover vor Abgeordneten von CDU und Grünen sowie Medienvertretern. Das habe auch für die übrigen Vorstände der Preussag-Stahl (heute Salzgitter AG) gegolten. Der Preussag-Konzern kündigte anschließend an, er werde jetzt juristisch gegen Selenz vorgehen. Es werde noch geprüft, ob dies zivilrechtlich oder strafrechtlich geschehe.

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Bereits am Vortag hatte Selenz bei der Staatsanwaltschaft Hannover ausgesagt, die nach einer Presseveröffentlichung einen Anfangsverdacht gesehen und vorige Woche ein Ermittlungsverfahren gegen Frenzel wegen versuchter Bestechung eingeleitet hatte. Ein Sprecher der Staatsanwaltsschaft sagte, die umfangreichen Aussagen von Selenz und die von ihm überreichten zahlreichen Dokumente würden jetzt geprüft. Danach werde voraussichtlich Mitte nächster Woche entschieden, ob die Ermittlungen fortgesetzt würden. Allerdings werde sich die Staatsanwaltschaft lediglich auf den Bestechungsvorwurf beziehen. Preussag zeigte sich schon am Freitag überzeugt, dass die Staatsanwaltschaft "nach pflichtgemäßer Überprüfung" das Verfahren einstellen werde. Selenz habe im Landtag seine Vorwürfe "nicht konkretisieren können".

Auch andere "Vorgänge" müssen geprüft werden

Der Verkauf der Preussag Stahl war Anfang 1998 am Widerstand der SPD-Landesregierung gescheitert, an die sich Stahl-Chef Selenz gewandt hatte. Laut Selenz sei bereits ein Kaufvertrag mit der österreichischen Voest Alpine vom Vorstand und dem Präsidium des Aufsichtsrates beschlossen und unterzeichnet worden. Nach der Intervention des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder beim Preussag-Aufsichtsratsvorsitzenden, WestLB-Chef Friedel Neuber, sei Preussag Stahl dann einen Tag später "ein zweites Mal" an das Land und die Norddeutsche Landesbank verkauft und kurz darauf in Salzgitter AG umbenannt worden.

Der Ex-Preussag-Manager, der vor gut einem Jahr auch als Chef der Salzgitter AG ausgeschieden war, sagte, aus seiner Sicht müssten noch andere "Vorgänge" im Preussag-Konzern von der Staatsanwaltschaft geprüft werden. Er nannte den aus seiner Sicht in der Jahresbilanz 1996/97 nicht korrekt aufgeführten Ausgleich von Verlusten im Anlagenbau durch Erlöse aus Verkäufen von Wohnungen. Weil er sich seinerzeit geweigert habe, die Bilanz zu unterschreiben und eine Überprüfung durch eine neue Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gefordert habe, sei er von seinem Vorstandsamt bei der Preussag entbunden worden. Preussag erklärte hierzu, die Wirtschaftsprüfer hätten seinerzeit ihr Testat überprüft und die Bilanz in allen von Selenz angemahnten Punkten als korrekt angesehen. Selenz bezweifelte dagegen die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer.

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