Bestellung von Obst und Gemüse über das Web wird nur wenig genutzt
Lebensmittelhändler im Internet haben zu wenige Kunden

Schlechte Zeiten für Lebensmittelhändler im Web: Die Verluste steigen und die Kundschaft lässt auf sich warten. Eine Reihe von Händlern hat schon aufgegeben, andere versuchen mit neuen Geschäftsmodellen, die Gewinnzone zu erreichen.

NEW YORK. Wie schön könnte der Samstagmorgen sein: Ein Klick mit der Computer-Maus und schon liefern fleißige Helfer von Webvan, Urbanfetch, Kozmo oder Same-day.com frisches Obst und Gemüse, Wurst, Käse Wein an die Haustür. So zumindest die Versprechungen der Online-Lebensmittelhändler und Lieferdienste, die sich bis vor wenigen Wochen in den US-Stadtzentren heftig Konkurrenz machten.
Aus der Traum. In den vergangenen Wochen haben eine ganze Reihe von Online-Lebensmittelhändlern und Lieferdiensten ihr Geschäft eingestellt. Jüngstes Opfer der Konsolidierungswelle: Der Lieferdienst Urbanfetch, der nicht mehr an Privatkunden liefert, sondern versucht, sich im Firmenkundengeschäft zu etablieren. Der Onlinehändler hatte, wie Rivale Kozmo.com, in US-Großstädten Lebensmittel, CDs, Videos und Bücher noch am Tag der Beststellung per Fahrradkurier zugestellt. Da die Lieferung aber frei Haus kam, häuften sich die Verluste, bis Urbanfetch schließlich sein Geschäft einstellte.

Konkurrent Kozmo, der mit Urbanfetch bis vor wenigen Wochen über eine mögliche Übernahme verhandelte, hat ebenfalls Schwierigkeiten. Der Lieferdienst zog im Juni den für den Herbst geplanten Börsengang zurück. Ein neues Management wurde eingesetzt. Dieses soll Kozmo nun zu Gewinnen zu verhelfen. Noch im März, als die Unterlagen bei der Börsenaufsicht eingereicht wurden, erwirtschaftete Kozmo für jeden Dollar Umsatz 1,50 $ Verlust.

Bis zu fünf Millionen Dollar Verlust pro Woche

Priceline-Tochter Webhouse Club hat inzwischen ihr Geschäft aufgegeben. Der Online-Dienst, über den Kunden Lebensmittel und Benzin mit Rabatten von bis zu 50 % bestellen konnten, erwirtschaftete massive Verluste. Experten schätzen, dass Webhouse jede Woche um weitere ein bis fünf Millionen ins Minus rutschte. Die Verluste lassen sich leicht erklären: Die Kunden konnten - wie bei Priceline selbst auch - den Preis nennen, den sie für Ketchup, Reis oder Tomaten bezahlen wollen. Wenn ein Lebensmittelhändler das Angebot annahm, konnte der Kunde dort die Waren abholen. Da aber kaum ein Händler bereit war, Rabatte von bis zu 50 % zu gewähren, subventionierte Priceline die Käufe. Am 5. Oktober kam das Aus: Priceline-Gründer Jay Walker, der selbst 179 Mill.$ in Webhouse investiert hatte, gab die Geschäfte auf. An diesem Tag verlor die Priceline-Aktie 38 % ihres Wertes.

Die Liste der gescheiterten oder in Bedrängnis geratenen Lebensmittel-Lieferdienst ist lang: Homegrocer.com wurde im September vom Konkurrenten Webvan übernommen. Im April wurde eines der ältesten Online-Lebensmittelgeschäfte, Peapod.com vom holländischen Lebensmittelkonzern Royal Ahold vor der Pleite gerettet.

Das Internet ist nur ein zusätzlicher Vertriebsweg

Die Online-Lebensmittelhändler haben die Erwartungen nicht erfüllt. Als die Online-Händler ihre virtuellen Läden öffneten, glaubten Analysten, dass das Internet den traditionellen Einzelhandel in wenigen Jahren völlig verdrängen werde. Jetzt ist klar, dass das nicht der Fall ist. "Es ist ein netter, zusätzlicher Vertriebsweg, aber die Geschäfte in den Einkaufszentren werden weiterhin der Hauptvertriebsweg bleiben", sagt Ken Cassar, Analyst bei Jupiter Communications.

Analysten glauben nun, dass Lieferdienste zusätzliche Gewinne erzielen können, indem sie den Vertrieb für andere Online-Einzelhändler übernehmen. Lieferdienst Sameday.com ist mit diesem Konzept im Sommer in Los Angeles und San Francisco gestartet. Waren, die bis zwei Uhr nachmittags bestellt wurden, werden bis spätestens acht Uhr abends ausgeliefert.

Auch Kozmo hat sich zum Lieferdienst entwickelt: War der Anbieter zuvor ein Web-Unternehmen mit Fahrradkurieren ist er jetzt ein Kurierdienst mit Internet. Kozmo kooperiert in zehn Städten mit Amazon und liefert Bücher, CDs und Videos am gleichen Tag aus. Für große Kursphantasien dürfte dieses Geschäftsmodell jedoch nicht sorgen.

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