Bestellungen seit Monaten rückläufig
Deutschem Maschinenbau stehen schwere Zeiten bevor

Dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau stehen schwere Zeiten bevor. Schneller und nachhaltiger als erwartet ist Deutschlands Schlüsselindustrie in den Sog der rückläufigen Weltkonjunktur geraten. Die Hoffnungen, sich in der Euro-Bastion Westeuropa vom Abwärtstrend in den USA und Asien abkoppeln zu können, sind spätestens nach den Terroranschlägen in Amerika geplatzt.

dpa-afx FRANKFURT. Immerhin sind die USA mit einem Exportanteil von 13 % wichtigster Kunde des Maschinenbaus. Bricht dieser Markt ein, sind die Folgen für Aufträge und Beschäftigung kaum abschätzbar. Die Stimmung auf der Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am 18. Oktober in Berlin dürfte deshalb in Moll ausfallen.

2001 konnte der Wirtschaftszweig noch von dem hohen Auftragsberg des Ausnahmejahres 2000 profitieren. Nach einem Produktionsplus von 7,2 % wird für die laufende Periode deshalb noch mit einem Plus von drei Prozent gerechnet.

Seit Monaten sind die Bestellungen rückläufig

Doch die Zeichen für 2002 sind äußerst ungünstig. Seit Monaten sind die Bestellungen rückläufig. Im August lagen die Auslandsorders sogar um 28 % unter Vorjahresniveau. Aber auch aus dem Inland kamen 11 % weniger Aufträge herein. Mit großer Sorge wird - nach dem Schock von New York und Washington - nun darauf geblickt, ob sich der negative Trend in den nächsten Monaten verstärkt. Da im Maschinenbau zwischen Bestellung und Produktion eine Zeitverzögerung von durchschnittlich fünf Monaten besteht, sind die ungünstigen Perspektiven für die nächsten 15 Monate leicht auszumalen.

Während zum Jahresanfang noch händeringend Ingenieure und Facharbeiter gesucht wurden, ist man nun mit Neueinstellungen vorsichtig, heißt es beim VDMA. Längst abgeklungen sind die hitzigen Debatten um die Green Card und den Bedarf an ausländischen Spezialisten. Insgesamt sind im Maschinen- und Anlagenbau rund 900 000 Personen beschäftigt, 13 000 mehr als vor einem Jahr.

Erinnerungen an schwere Krise Anfang der 90'er

Angesichts des dramatischen Auftragseinbruchs werden Erinnerungen an die schwere Krise zu Anfang der 90'er Jahre wach. Nach dem Einigungsboom hatte es drei Jahre gedauert, bis sich die Branchenkonjunktur wieder aufhellte. Begleitet war diese Phase von massivem Personalabbau, der im anschließenden Aufschwung erhebliche Kapazitätsengpässe entstehen ließ.

Verschärft wird die Lage durch die Kundenstruktur: Größter Abnehmer ist der Maschinenbau selbst. Es folgen die Automobilindustrie, der Flugzeug- und Schiffbau sowie die Elektrotechnik. Aber auch diese Zweige haben derzeit unter erheblichen negativen Einflüssen der Weltkonjunktur zu leiden. In der Bauindustrie zeichnet sich auch kein Ende der Krise ab.

VDMA-Präsident Eberhard Reuther versucht den Mitgliedsfirmen Mut zu machen. "Es gibt keinen Grund für Schwarzmalerei", betont er vor der Mitgliederversammlung. Er gehe nicht davon aus, dass es zu einer krisenhaften Zuspitzung nach dem Muster der Jahre 1991 bis 1993 komme. Als Vergleich biete sich eher 1999 an, als in Folge der Krisen in Asien, Russland und Lateinamerika die Maschinenproduktion um 1,4 % sank. Doch die eigenen Verbandsprognosen widersprechen dieser These. Für 2002 rechnet der VDMA bereits mit einem Rückgang der Produktion von 2 %.

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