Bestimmung des fairen Preises ist schwierig
Mit Wandelanleihen auf Aktien setzen

Vertrackte Zeiten für Anleger: Die Anleihemärkte werfen nach den Leitzinssenkungen der Zentralbanken in den USA und der Eurozone weniger Renditen ab. Die Aktienmärkte könnten Potenzial haben, wenn im kommenden Jahr die von den Auguren prognostizierte wirtschaftliche Erholung tatsächlich kommt.

FRANFKURT/M. In diesem Umfeld rücken Wandelanleihen (Convertibles) und Umtauschanleihen (Exchangeables) ins Blickfeld. Beim Kauf einer Wandelanleihe bekommt der Anleger einen Bond mit Zinsen - und zusätzlich ein Optionsrecht: Der Anleger kann wählen, ob er am Ende der Laufzeit den Nennbetrag zurück bekommen will, oder die Anleihe lieber eine bestimmte Zahl von Aktien des Emittenten tauscht. Umtauschanleihen sind eine Sonderform von Wandelanleihen. Hier kann der Investor den Bond während der Wandelperiode in andere Aktien tauschen als die des Emittenten. Eine der größten Exchangables mit einem Volumen von 2,7 Mrd. kam Anfang des Jahres von France Télécom - die Papiere sind in Aktien von dessen Mobilfunktochter Orange wandelbar.

"Das derzeitige Börsenumfeld ist ideal für einen Einstieg in Wandelanleihen", meint Marc-Alexander Knieß, Fondsmanager bei der DWS. Er managt den DWS Wandel- und Optionsanleihenfonds. Den Charme dieser speziellen Bonds sieht Knieß in der Art und Weise, wie Wandelanleihen in bestimmten Börsenphasen reagieren: "Als Faustregel kann man sagen, dass Wandelanleihen zu rund einem Drittel einen Kursverfall der dem Bond zu Grunde liegenden Aktie mitmachen, aber zu zwei Drittel an deren Kursaufschwung partizipieren." Steigt die zu Grunde liegende Aktie stark an, klettert auch der Kurs der Anleihe. Fällt die Aktie, verhält sich das Papier wie ein Bond. Am Ende der Laufzeit bekommt der Anleger den Nennbetrag nebst Zinsen zurück - das ist der Sicherheitspuffer. Allerdings liegt der Kupon bei Wandelanleihen deutlich unter den von "normalen" Bonds mit ähnlichen Laufzeiten - das Tauschrecht hat eben seinen Preis.

"Da aber die Renditen am Bondmarkt derzeit niedrig sind und den Aktienmärkten ein gewisses Potenzial zugesprochen wird, eignen sich Wandelanleihen gut für Investoren, die die Chancen am Aktienmarkt nutzen wollen und gleichzeitig eine Risikobegrenzung wünschen", meint Fondsmanager Knieß.

Derzeit notieren die meisten Wandelanleihen "aus dem Geld", das heißt, die der Anleihe unterliegende Aktie muss stark im Kurs steigen, bis sich ein Umtausch lohnt. Ob der Umtausch sich lohnt, hängt vom so genannten "Wandlungspreis" ab. Dieser errechnet sich grob gesagt aus dem Nominalbetrag des Bonds dividiert durch die Zahl der zu tauschenden Aktien. Ina De, Managing Director für europäische Aktienmärkte bei JP Morgan, hält deshalb besonders Neuemissionen bei den Wandel- und Umtauschanleihen für interessant, da diese mit Blick auf die aktuellen Aktienkurse gepreist seien.

Anleger sollten den Verkaufsprospekt studieren

Bei der Auswahl des richtigen Papiers sind zahlreiche Punkte zu beachten: "Bei Wandelanleihen sollten private Anleger unbedingt genau den Verkaufsprospekt studieren, denn die Bedingungen können Überraschungen bergen", sagt Annette Pacl-Schneeweiß, Rentenanalystin bei der BHF Bank. So können sich im Verkaufsprospekt zum Beispiel Sonderkündigungsrechte des Emittenten oder Änderungsrechte für die Verzinsung verbergen. Zudem sollten Anleger natürlich eine positive Meinung zu der Aktie haben, die der Wandelanleihe unterliegt.

"Anleger sollten vor dem Kauf einer Wandelanleihe natürlich auch auf die Bonität des Emittenten schauen", mahnt Fondsexperte Knieß. Hier eröffne sich der besondere Charme der Umtauschanleihen, bei denen der Emittent ein Tauschangebot für andere Aktien als die eigenen macht. Hier können Anleger auf den Kursanstieg von zum Beispiel einer Wachstumsaktie setzen und gleichzeitig von der guten Bonität der Mutter profitieren, wie etwa bei einem Exchangeable von Siemens, der in Infineon-Anteile getauscht werden kann.

Ein Problem ist nicht nur bei dieser Anleihe die große Stückelung; der Siemens-Bond für Infineon-Aktien zum Beispiel wurde speziell für institutionelle Investoren gestrickt, denn der Nennwert liegt bei 100 000 Euro. Problematisch ist für private Investoren auch, den fairen Preis für eine Wandelanleihe zu bestimmen. Denn der Kurs setzt sich ja aus dem Wert des Bonds plus dem Optionsrecht für die Aktien zusammen.

Knies gefällt die Umtauschanleihe von Ergo in Aventis-Aktien. Als Geheimtipp handelt er die Wandelanleihe der Group Brussels Lambert (GBL). "Die GBL hält 25,1 % an Bertelsmann". In diesem Papier steckt damit noch einiges an Phantasie", sagt Knieß.

Insgesamt wurden nach Berechnungen von JP Morgan in diesem Jahr Wandel- und Umtauschanleihen über 29,3 Mrd. Euro neu begeben. Das waren schon mehr als im vergangenen Jahr mit 28,6 Mrd. Euro.

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