Besuch der Gefangenen erst nach Abschluss der Ermittlungen
Diplomaten in Kabul erhöhen Druck auf Taliban

Bei Gesprächen in Kabul haben westliche Diplomaten den Druck auf die radikal-islamischen Taliban zur Freilassung der Helfer aus Deutschland, Australien und den USA erhöht. "Wir versuchen das Äußerste, um Zugang zu den Inhaftierten zu erhalten", sagte einer der Unterhändler am Dienstag nach Verhandlungen im Außenministerium der Taliban.

dpa KABUL. Der Beamte Abdul Ghafoor Afghani sagte, die Gefangenen seien wohlauf. Die Diplomaten dürften sie aber erst besuchen, wenn die Ermittlungen wegen angeblicher christlicher Missionierung abgeschlossen sind.

Die Taliban wollen die vier Deutschen, zwei Australier, zwei US- Bürger und 16 Afghanen vor Gericht stellen. "Ich kann nicht sagen, wie die Strafe ausfällt. Das ist die Aufgabe des Gerichts", sagte der Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Mutawakil. Die acht ausländischen Mitarbeiter der deutschen Hilfsorganisation "Shelter Now" werden voraussichtlich nach einer Haftstrafe ausgewiesen. Ihren afghanischen Kollegen droht die Todesstrafe.

Die "Shelter"-Mitarbeiter waren vor neun Tagen verhaftet worden. Unter ihnen sind der Projektleiter aus Bayern und drei Frauen aus Niedersachsen. Am Montag hatten die 15 wichtigsten Geberländer für Afghanistan sowie die EU Zugang zu den Gefangenen verlangt. Experten halten es aber für möglich, dass Fanatiker um den Talibananführer Mullah Mohammad Omar bereit sind, ohne Rücksicht auf die hungernde Bevölkerung alle ausländische Hilfe aufs Spiel zu setzen.

Omar hatte im Juni angeordnet, dass Ausländer, die eine andere Religion als den Islam predigen, mit drei bis zehn Tagen Gefängnis bestraft werden. In einem Dekret Omars vom Januar hieß es, Afghanen, die vom Islam zu einer anderen Religion übertreten oder sie predigen, würden hingerichtet.

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