Besuch in Washington: Rosa Teppich für Merkel im Weißen Haus

Besuch in Washington
Rosa Teppich für Merkel im Weißen Haus

Schon nach 14 Stunden hatte sich für Angela Merkel der fünftägige USA-Besuch fast gelohnt. Gegen zwölf Uhr Ortszeit konnte die CDU-Vorsitzende in Washington von ihrem gerade zu Ende gegangenen Treffen mit US-Vizepräsident Richard "Dick" Cheney in die Heimat berichten.

dpa WASHINGTON. Es sei ein "sehr gutes Gespräch" gewesen, meldete sie erwartungsgemäß, ehe sie zu Einzelheiten zum Irak-Konflikt überging. Vergessen war ihr Ärger über den Triebwerkschaden ihres Flugzeugs in Frankfurt/Main am Sonntagabend, der die Termine in der amerikanischen Hauptstadt vorübergehend in Frage gestellt hatte. Sie war für einen Augenblick ganz nah an der Weltpolitik.

Genauso wichtig wie der Inhalt der rund halbstündigen Unterredung mit Cheney war für Merkel, dass sie als Oppositionsführerin überhaupt im Weißen Haus einen Termin mit der Nummer zwei der Weltmacht bekommen hatte. So entstand das Bild: Die Oppositionsführerin spricht ausführlich mit der Führung des wichtigsten Verbündeten, während die Drähte zwischen Kanzler und Weißem Haus nach wie gestört sind. Obwohl es erste Zeichen gibt, dass die US-Regierung auf die Bundesregierung wieder ein wenig mehr zugeht, wäre ein Treffen Cheneys mit Bundeskanzler Gerhard Schröder derzeit nur schwer denkbar, geschweige denn eine Begegnung Schröders mit Präsident George W. Bush in Washington.

Dort machte Merkel gleich noch einmal die Unterschiede zwischen ihrer Haltung und der Schröders deutlich. Einerseits meinte sie, man solle die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen den Regierungen in Berlin und Washington nicht noch weiter belasten. Andererseits stellte sie schon in ihrer ersten Stellungnahme heraus, dass sie im Gegensatz zur Position des Kanzlers eine zweite UN - Resolution unterstütze. Auch für eine sich "steigernde Drohkulisse" gegen Saddam Hussein trat sie ein.

Protokollarisch war Merkels Begegnung mit Cheney zwar nur auf kleiner Flamme gehalten worden. Es gab keine Fernsehbilder vom Händeschütteln. Fotos durfte nur ein von der CDU beauftragter Fotograf machen. Aber immerhin waren im Laufe des Montags noch Termine mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und vor allem mit Condoleezza Rice vorgesehen, der Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush, die einen besonderen Einfluss auf ihren Chef haben soll.

Auf einen Termin mit Bush selbst musste Merkel wie vor zwei Jahren, als sie sich in Washington als CDU-Vorsitzende erstmals vorstellte, wiederum verzichten. Begegnungen des Präsidenten mit ausländischen Oppositionsführern sind einfach nicht vorgesehen. Man muss schon mindestens Kanzlerkandidat sein, um bei dem Präsidenten ein "Date" zu bekommen. Insgesamt wurde für Merkel in Washington zwar nicht der rote Teppich ausgerollt. Zart rosa war er aber immerhin.

Für Merkel hatte die Reise mit Hindernissen begonnen. Ihre Maschine in Frankfurt hatte einen Triebwerkschaden. In der Not rief die Delegation sogar bei Verteidigungsminister Peter Struck an, ob dieser so freundlich wäre, eine Maschine der Flugbereitschaft der Luftwaffe zur Verfügung zu stellen. Obwohl die Bundesregierung ja so ihre Schwierigkeiten mit Merkels Kurs in der Irak-Frage und ihrer Kritik an Schröder hatte, sagte Struck grundsätzlich zu. Dann konnte das planmäßige Flugzeug doch starten. Auf die Hilfe der Bundesregierung konnte Merkel so verzichten.

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