Besuche in Norditalien umstritten
Haider übt heftige Kritik an italienischem Außenminister

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider hat die Kritik des italienischen Außenministers Lamberto Dini an seinen Besuchen in Italien am Sonntag als "undemokratisch" zurückgewiesen.

ap/dpa ROM/WIEN. Dini hatte in einem Brief an seine österreichische Kollegin Benita Ferrero-Waldner Maßnahmen der Wiener Regierung gegen weitere Haider-Besuche in Italien gefordert. Der Kärntener Ministerpräsident Haider sagte in einem Interview mit der italienischen "Corriere della Sera" (Sonntagsausgabe), Dinis Brief sei grundsätzlich undemokratisch, weil er dem Prinzip der Meinungsfreiheit widerspreche.

Haider, dessen jüngste Besuche in Norditalien den Protest linksgerichteter Demonstranten hervorriefen, sagte dem Blatt weiter: "Ich bin über Dini überrascht, einen der offensten Politiker Europas. Es tut mir Leid, feststellen zu müssen, dass er sich wie eine antidemokratische Person verhält." Hintergrund des Streits sind offenbar Vorschläge Haiders zur Bildung einer Großregion aus seinem Bundesland Kärnten und den norditalienischen Gebieten Friaul-Julisch-Venetien und Veneto. Von weiteren Besuchen in Italien will sich der FPÖ-Politiker nicht abhalten lassen. Er bestätigte, dass er im Dezember eine Delegation anführen wird, die dem Vatikan den Christbaum für den Petersplatz übergeben wird.



Haider will angeblich österreichischer Vize-Kanzler werden



Nach Informationen des Massenblatts "Kurier" will Haider nach einer Aufhebung des diplomatischen EU-Boykotts gegen Wien in die österreichische Regierung eintreten. In der FPÖ machten Pläne die Runde, wonach Haider seine Nachfolgerin an der Spitze der Freiheitlichen Partei (FPÖ), Susanne Riess-Passer, als Vizekanzlerin ablösen würde, berichtete die Zeitung am Sonntag.

Riess-Passer ihrerseits würde die innerhalb der Partei umstrittene Sozialministerin Elisabeth Sickl ersetzen. Das Amt des Vizekanzlers solle Haider als Sprungbrett an die Spitze der österreichische Bundesregierung dienen. Haider ist derzeit Landeshauptmann (Ministerpräsident) im Bundesland Kärnten.



Konservativen Volkspartei beunruhigt



Spitzenpolitiker der konservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hätten sich bereits beunruhigt geäußert, berichtet das Blatt. "Uns ist der Schrecken in die Knochen gefahren", wird ein namentlich nicht genannter hoher ÖVP-Politiker zitiert. Schüssel lebe nun mit der Befürchtung, "dass aus Kärnten etwas im Anrollen ist". Haider selbst hat am Wochenende in einem Interview mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA versichert, in Kärnten bleiben zu wollen.

Haider hatte gemeinsam mit Schüssel im Februar trotz internationaler Proteste die rechtskonservative Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ aus der Taufe gehoben. Obwohl die FPÖ bei den Wahlen im Oktober 1999 knapp vor der ÖVP gelandet war, hatte Haider auf die Kanzlerschaft verzichtet. Die ÖVP hatte zunächst mit den stimmenstärksten Sozialdemokraten (SPÖ) über eine Fortsetzung der langjährigen Zusammenarbeit verhandelt.

In Österreich wird erwartet, dass die 14 EU-Partner nach der Vorlage des Berichts des EU-Weisenrates zur politischen Lage in Österreich noch in diesem Jahr die Beziehungen zu Wien wieder normalisieren werden.

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