Beta Research und Galaxis stellen neuen Decoder vor
Kirch öffnet D-Box für Partner

Die Kirch-Gruppe will künftig die Software-Komponenten ihrer D-Box einzeln vermarkten. Die Techniktochter des Medienkonzerns, Beta Research, teilte gestern auf der Fachmesse Anga Cable in Köln mit, dass sie sowohl das Betriebs- als auch das Verschlüsselungssystem ihres Decoders D-Box frei auf dem Markt anbieten werde.

DÜSSELDORF. Auf der Fachmesse Anga Cable in Köln hat Beta Research am Mittwoch die Sensation enthüllt: Die Kirch-Technik-Firma mit Sitz in Unterföhring wird künftig sowohl das Verschlüsselungs- als auch das Betriebssystem ihrer D-Box als frei kombinierbare Komponenten auf dem Markt anbieten. Gemeinsam mit dem Lübecker Decoderhersteller Galaxis stellte Beta Research den Prototypen der neuen Decoder-Generation vor. Der hat verschiedene Module, die auf die Anforderungen des jeweiligen Kabelnetzbetreibers abgestimmt werden können. Die Kabelnetzbetreiber brauchen Decoder, damit digitale TV-Programme auf dem Bildschirm sichtbar werden. Die neue Decoder-Generation erfüllt aber auch die technischen Voraussetzungen für Services wie Homebanking oder Einkaufen via TV per Multimedia Home Plattform (MHP), dem künftigen Standard für interaktive Anwendungen in Digitalfernsehen.

Bisher hatten zwei der großen privaten Kabelnetzbetreiber auf dem deutschen Markt, die US-Firma Callahan und die niederländische UPC, sich gegen die D-Box entschieden. Kirchs Decoder sei keine standardisierte Technik, lautete das Argument. Die D-Box war bislang auf Grund ihres Verschlüsselungssystems Betacrypt der einzige Decoder, mit dem das Programm des Kirch-Pay-TV-Senders Premiere World empfangen werden konnte. Mit der Vermarktung der einzelnen Komponenten will Beta Research seine Absatzmöglichkeiten erhöhen, begründet ein Sprecher des Unternehmens die Öffnung des Systems. Man sei offen für weitere Partner und spreche außer Galaxis auch mit anderen Decoder-Anbietern.

Weil das Verschlüsselungssystem Betacrypt jetzt frei auf dem Markt angeboten wird, schafft Beta Research auch die technischen Voraussetzungen, dass Premiere World auf anderen Decodern als der D-Box laufen kann. Brauchten Fernsehzuschauer bislang zwei Decoder, wenn sie beispielsweise die digitalen Angebote von ARD oder RTL sowie den Pay-TV-Kanal Premiere World empfangen wollten, würden sie künftig theoretisch mit einem auskommen. Allerdings hat sich Premiere World bislang noch nicht dazu entschlossen, das Bezahlfernsehen auch auf anderen Decodern als der D-Box freizuschalten. "Das ist derzeit auch nicht geplant", so eine Sprecherin.

Die Medienallianz Free Universe Network, in der rund 50 Unternehmen vom Decoder-Hersteller bis zum TV-Programmanbieter (ARD) zusammengeschlossen sind, begrüßte gestern den Schritt von Beta Research. FUN setzt sich schon lange für offene Standards und Zugangsfreiheit beim digitalen Fernsehen ein.

Überfälliger Schritt

Für Stéphane Goebel, General Manager von Open TV Deutschland, war der Schritt von Beta Research längst überfällig. "Der Druck des Marktes ist zu groß geworden", meint der Hersteller von Betriebssystemen für Settop-Boxen. Vor allem auch die Kabelnetzbetreiber hätten immer lauter die Frage gestellt, wie es mit den Investitionen angesichts der beiden verschiedenen Systeme im Markt nun weiter gehen sollte. Weltweit sind derzeit über 14 Millionen Boxen mit Open TV Systemen im Einsatz, so Goebel. Das stelle einen Marktanteil von gut 50 % dar.

Damit sieht sich das Unternehmen als klarer Marktführer im Bereich interaktives digitales TV. Nur in Deutschland habe sich Open TV - von einzelnen Projekten wie in Leipzig abgesehen - bislang kaum durchsetzen können. Die Dominanz von Kirch mit rund 2 Millionen D-Boxen sei bislang zu groß gewesen. Jetzt aber sei Bewegung in den Markt gekommen.

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