Beteiligte brüten weiter über Lösung
Noch viele ungelegte Eier in der Kirch-Krise

Die Verhandlungen über die Rettung der von der Insolvenz bedrohten Kirch-Media sind nach Angaben aus Bankenkreisen bis auf nach Ostern vertagt worden. Die Gläubigerbanken und die Kirch-Minderheitsgesellschafter, zu denen der australische Medienzar Rupert Murdoch und der italienische Mediaset-Konzern gehören, hätten sich am Donnerstag nicht auf die Lastenverteilung für die Rettung des Münchener Medienkonzerns einigen können, hieß es aus den Kreisen.

jojo/beu/rtr MÜNCHEN/HAMBURG. Die Verhandlungen würden erst am Dienstag nach Ostern fortgesetzt. Die Banken hätten die Gesellschafter, die sich weiter nicht an einem Überbrückungskredit für KirchMedia beteiligen wollten, aufgefordert, ein tragfähiges Konzept zur Sanierung von Kirch-Media vorzulegen. Die Zeit drängt allerdings: Der Kirch-Gruppe droht schon in wenigen Tagen das Geld auszugehen.

Entlastung könnte freilich ein neuer Vorstoß aus dem Axel Springer Verlag bringen. Das Verlagshaus ("Bild", "Welt") plant offenbar, den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums zu einer Rückkehr ins TV-Geschäft zu nutzen. Springer verhandele mit allen Beteiligten um eine Aufstockung seiner 11,5-Prozent-Beteiligung an der Pro Sieben Sat1 Media AG auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent. Im Gegenzug würden die Hamburger auf die Auszahlung ihrer 767 Mill. Euro Forderungen verzichten, die Springer gegen Kirch hat, heißt es im Umfeld des Verlags. Mit dieser Forderung hat Springer die aktuelle Krise Anfang des Jahres ausgelöst.

"Unsere Gespräche mit den Beteiligten bei Kirch richten sich auf die Erfüllung unserer offenen Forderungen. Ein Verzicht ist für uns keine Option", teilte der Springer Verlag auf Anfrage mit. Dahinter steht, wie es aus Springer-Kreisen heißt, dass eine Beteiligung an Kirch Media selbst als nicht werthaltig genug angesehen wird. Andererseits sei die Erfüllung der Springer-Forderung in Cash derzeit für Kirch offenbar nicht möglich. In der Kirch Media ist der Film- und Sportrechtehandel gebündelt. Die börsennotierte Pro Sieben Sat 1 Media AG umfasst die Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24.

In der gegenwärtigen Konstellation bleibe für Springer die Option, wieder in das Fernsehproduktionsgeschäft zurückkehren zu können. Springer hatte sich im Jahr 2000 nach der Fusion zwischen Pro7 und Sat 1 entschlossen, mit nur noch 11,5 Prozent Anteil an der fusionierten Gesellschaft aus diesem Bereich auszusteigen, da die Minderheitsbeteiligung keine strategischen Gestaltungsmöglichkeiten zuließ. Andererseits fehlte dem Verlag das Geld, die Beteiligung aufzustocken. Dies könnte sich unter den derzeitigen Bedingungen ändern. "Ein Glücksfall", wie es ein Insider aus dem Hause Springer formuliert. Ob sich Springer mit diesen Vorstellungen durchsetzen wird ist freilich völlig offen. Banker in München spekulieren, dass auch eine Insolvenz des mit 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Gruppe nicht ausgeschlossen ist.

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