Beteiligung am angeschlagenen Konkurrenten
Einstieg der Marseille-Kliniken AG bei Refugium droht zu scheitern

Auf dem Markt für Seniorenheime bahnt sich eine Fusion an: Die Marseille-Kliniken AG will bei der finanziell angeschlagenen Refugium-Gruppe einsteigen. Damit würde in Deutschland der größte Heimbetreiber entstehen. Doch die Fusion könnte an der Goldzack AG, dem größten Gläubiger von Refugium, scheitern.

lip HAMBURG. Die Marseille-Kliniken AG will möglicherweise bei der finanziell angeschlagenen Refugium Holding AG, Königswinter, einsteigen. Der Hamburger Betreiber von Seniorenwohnheimen habe hierfür bereits eine Unternehmensprüfung eingeleitet, die in vier Wochen abgeschlossen sein.

Bei einem Zusammenschluss würde in Deutschland der größte Betreiber von Seniorenwohnheimen mit 10 500 Betten und einem Gesamtumsatz von 650 Mill. DM entstehen. In die geplante Ehe bringt die Marseille-Kliniken AG 37 Pflegeeinrichtungen mit rund 4 500 Betten und einem Gesamtumsatz von 350 Mill. DM ein.

Der Kurs des im Nebenwerteindex Smax notierten Unternehmens stieg am Freitag um 0,5 % auf 10,55 Euro. Die Anteilsscheine der am Neuen Markt notierten Refugium legten um 27 % auf 2,00 Euro zu.

Der geplante Zusammenschluss könnte aber durchaus noch scheitern. Denn die Marseille-Kliniken AG will sich nur dann an Refugium beteiligen, wenn die Gläubiger und Verpächter des Königswinterer Heimbetreibers "substanzielle Beiträge" in die Fusion einbringen. "Wir steigen bei Refugium nur dann ein, wenn die Pachten und Mieten bei den Seniorenwohnheimen deutlich gesenkt werden", erklärte ein Firmensprecher der Marseille-Kliniken AG.

Doch daran ist der zum Emissionshaus Goldzack gehörenden Pako Immobilien AG nicht gelegen, der rund die Hälfte der insgesamt 60 Refugium-Stätten gehören. "Wir sind nicht bereit, die Pachten für die Refugium-Heime herunterzuschrauben", so Dietrich Walther, Vorstandsvorsitzender der Goldzack AG, Mettmann. Die Pako Immobilien AG würde die Einrichtungen ansonsten an einen anderen Betreiber abgeben. Pako ist derzeit der größte Gläubiger bei Refugium; insgesamt zwölf Mill. DM Miete steht noch aus.

Sollte Marseille-Kliniken auf den Einstieg bei Refugium verzichten, könnte dies für das am Neuen Markt notierte Unternehmen das endgültige Aus bedeuten. Denn Refugium steckt in ernsten Schwierigkeiten. Klaus Küthe, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, hatte erst vor kurzem erklärt, dass die Liquidität des defizitär arbeitenden Konzerns nur noch für die nächsten acht Wochen gesichert sei. Auf Refugium lasten Verbindlichkeiten für Pachten und Lieferanten von rund 60 Mill. DM. So hatte Refugium zunächst versucht, den Saarbrücker Heimbetreiber Pro Seniore für eine Kapitalerhöhung zu gewinnen. Diese war jedoch am Veto zweier Kleinaktionäre gescheitert.

Wie die gesellschaftsrechtliche Verflechtung von Marseille-Kliniken und Refugium vollzogen werden soll, bleibt unklar. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Marseille-Kliniken AG über eine Barkapitalerhöhung bei Refugium einsteigen könnte, um damit dem angeschlagenen Unternehmen schnell zu helfen. Refugium-Chef Küthe gibt sich derweil gelassen. Sollte der Einstieg der Marseille-Kliniken nicht gelingen, habe er bereits "eine andere Lösung parat". Doch darüber will er noch nicht sprechen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%