Beteiligung an Pro Sieben Sat 1 geht in Zwischenholding
Kirchs Filmbibliothek wird abgewickelt

Das frühere Herzstück des Medienimperiums von Leo Kirch, die Kirch Media, wird endgültig liquidiert. "Die Liquidation der Filmbibliothek wird jetzt eingeleitet", sagte Betriebsratsvorsitzender Guido Bucholtz dem Handelsblatt.

MÜNCHEN. Das hat der Gläubigerausschuss am Donnerstag vergangener Woche beschlossen, wie gestern ein Kirch-Sprecher bestätigte. In der Kirch Media, die im April 2002 Insolvenz angemeldet hatte, ist vor allem der Filmrechtehandel gebündelt. Ein Verkauf der insolventen Gesellschaft an den US-Investor Haim Saban ist gescheitert.

Der Bestand an Filmrechten solle nun verkauft werden. Mit dem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 wird dazu ein Rahmenvertrag geschlossen. Künftig wird Pro Sieben Sat 1 neue Filmlizenzen in eigener Regie einkaufen und nicht mehr wie bisher von Kirch Media beziehen.

Das Kirch-Filmarchiv gilt als eines der größten in Europa. Die Banken hatten Milliardenkredite an Kirch Media gegeben. Der Wert der Firma war aber zuletzt wegen des Preisverfall bei Filmlizenzen stark gefallen.

Die noch über 200 Kirch-Media-Mitarbeiter hatten bis zuletzt gehofft, dass das Unternehmen überleben würde. Der Betriebsrat hatte sich in einem offenen Brief für eine weitere Chance eingesetzt. Doch dazu wäre eine neue Kapitalspritze der Banken notwendig gewesen. Nur mit frischem Kapital hätten dann neue Filmrechte erworben und damit das Geschäft der Filmbibliothek weiter geführt werden können.

Die vier beteiligten Kreditinstitute - Hypo-Vereinsbank, Bayerische Landesbank, DZ Bank und Commerzbank - haben sich aber dagegen entschieden, so der Betriebsrat. Der Gläubigerausschuss, in dem die Banken sitzen, habe sich mit großer Mehrheit gegen eine Weiterführung und für die Auflösung des Unternehmens ausgesprochen.

Bei der Kirch Media liegt die Mehrheitsbeteiligung an Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media. Diese soll nun in eine Zwischenholding überführt werden. An dieser werden sich den Planungen zufolge die vier Banken beteiligen und dieser Holding auch eine Finanzspritze geben. Der hoch verschuldete TV-Konzern braucht frisches Kapital in Höhe von 250 bis 300 Mill. Euro.

Am heutigen Montag soll die Hauptversammlung der Pro Sieben Sat 1 Media den Weg für eine Kapitalerhöhung frei machen. Die Aktionäre stimmen über ein genehmigtes Kapital von rund 97 Mill. Aktien ab. Die Banken werden sich mit jeweils bis zu 50 Mill. Euro daran beteiligen. Die vier Institute werden dann jeweils einen Anteil von bis zu 4 % an Pro Sieben Sat 1 Media haben. Das Engagement der Banken, insbesondere der staatlichen Bayerischen Landesbank, stieß zuletzt auf Bedenken der Medienaufsicht.

Eine Abschaffung der stimmrechtslosen Vorzüge kann dagegen heute noch nicht beschlossen werden, weil der Punkt nicht auf der Tagesordnung steht. Entsprechende Spekulationen hatten den Kurs der im M-Dax notierten Pro-Sieben 1-Aktie-Sat um bis zu 10 % in die Höhe betrieben.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé und Sanierer Hans-Joachim Ziems hatte bis zuletzt vergeblich versucht, Kirch Media und die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 im Paket zu verkaufen. Doch im Januar scheiterten die Gespräche mit dem Hamburger Bauer-Verlag. Vor knapp zwei Wochen stieg dann auch der US-Investor Haim Saban aus, der bereits Kaufverträge unterzeichnet hatte. Hauptproblem bei den Gesprächen mit den Banken war die Kirch-Filmbibliothek. Saban wollte ursprünglich die Bibliothek weiterführen. Doch er forderte zuletzt weitere Zugeständnisse der Banken, zu denen diese nicht mehr bereits waren. Jaffé trat daraufhin von den Kaufverträgen zurück.

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