Beteiligung soll nach drei Jahren an die Börse gebracht werden
Commerzbank greift nach Leo Kirchs Springer-Aktien

Leo Kirch ist immer noch für eine Überraschung gut. Jetzt soll die Commerzbank sein Springer-Paket an der Börse platzieren. Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank schauen in die Röhre.

FRANKFURT/M. Vorstandschef Klaus-Peter Müller von der Commerzbank hat eines der interessantesten Mandate an Land gezogen, das zurzeit in Deutschland zu vergeben ist. Zusammen mit drei weiteren Partnern soll die Commerzbank nach Informationen des Handelsblatts von Kirch einen Anteil von gut 40 % am Axel Springer Verlag übernehmen und nach drei Jahren an die Börse bringen. Allerdings stehen Müller und seine Kollegen unter erheblichem Zeitdruck. Sie haben nur bis zum 10. Mai Zeit, um die milliardenschwere Transaktion unter Dach und Fach zu bringen. Der Commerzbank-Vorstand soll das Projekt am Dienstag kommender Woche endgültig absegnen.

Das Springer-Paket liegt derzeit noch bei der Kirch-Beteiligungs GmbH & Co. KG. Sie ist nicht von der Insolvenz der Kirch Media AG betroffen. Ursprünglich sollte die Hypo-Vereinsbank (HVB) einen Käufer für die Verlagsbeteiligung des in akute Finanznot geratenen Medienpatriarchen Leo Kirch suchen. Im Gegenzug bot die bayerische Großbank Kirch 1,1 Mrd. Euro für seinen Anteil am größten europäischen Zeitungskonzern. Doch die HVB hatte mit ihrer Suche nach einem Investor keinen Erfolg.

Deshalb hat Kirch nach Informationen aus Bankenkreisen den Kontakt zu Müller und seinem Kreditvorstand Wolfgang Hartmann gesucht und das Führungsmandat für den Verkauf der Verlagsbeteiligung am Montag vor einer Woche an das Frankfurter Institut vergeben. Mit dem überraschenden Zuschlag für die Commerzbank will Kirch offenbar eine bessere Verwertung des Springer-Pakets erreichen.

Geht Müllers Plan auf, dann werden sich neben der Commerzbank auch die Dresdner Bank, die Bayerische Landesbank (BLB) und Verlagserbin Friede Springer an der Transaktion beteiligen. Gemeinsam will das Konsortium rund 1 Mrd. Euro für den Kirch-Anteil am Hamburger Verlagshaus bezahlen. Das aktuelle Konzept: Die Commerzbank übernimmt 40 % des Springer-Pakets, die Dresdner 30 % und die BLB 20 %. Die restlichen 10 % sollen an Friede Springer gehen, die sich damit eine eigene Mehrheit am Verlag sichern will.

Kirch hatte das Springer-Paket für einen Kredit der Deutschen Bank über 720 Mill. Euro verpfändet. Die Frankfurter hatten das Darlehen laut Finanzkreisen am 12. April fällig gestellt. Damit läuft eine Frist von 30 Tagen, nach der die Deutsche Bank das Springer-Paket selbst verwerten kann. Bis dahin muss Müllers Konsortium aktiv sein.

Für die größten Probleme könnten dabei die so genannten Formel-1-Banken sorgen. Die BLB, JP Morgan Chase und Lehman Brothers haben Kredite über rund 1,5 Mrd. Euro an Kirch für die Autorennserie gegeben und sich dafür ein zweitrangiges Pfandrecht auf das Springer-Paket einräumen lassen. Aus dieser Absicherung erhofften sich die Institute zuletzt einen Betrag von 400 Mill. Euro. Auf der Basis des Commerzbank-Konzepts müssten sie sich jedoch mit 300 Mill. Euro zufrieden geben. Die Entscheidung darüber steht in den nächsten Tagen an.

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